Trotz deutlich späteren Lichtausschaltens am Abend davor (wird gerade recht spannend im Buch, zieht sich allerdings insgesamt ein bisschen) wurde ich früh wach. Noch etwas herumgedämmert und merkwürdig halbwach, halb-träumend, mit dem Lichtwecker stand ich schließlich auf. Recht müde und ein wenig unmotiviert vor diesem Tag (der eine Menge Unterricht für mich parat hatte und leider kein Yoga, weil die Trainerin nicht da war). Trotzdem übliche Katzen- und Küchenrunde, der Liebste hängte noch die trockene Wäsche ab. Draußen bewölkt, aber es regnete nicht und war auch nicht mehr gefroren – so langsam kann man darüber nachdenken, die Vogelbäder wieder aufzustellen. Apropos Vögel: Im Dämmerlicht morgens ein ordentliches Vogelkonzert, das war sehr schön.
Relativ entspannter Morgen mit Müsli und Zeitung, dann ging ich schnell ins Bad und der Liebste zu seinem ersten Onlinetermin ins Arbeitszimmer, er ging etwas später erst zu einem Vor-Ort-Termin ins Klinikum. Um Viertel vor neun ging ich ins Büro, mit roter Jacke (gerade noch okay), ohne Mütze, weil ich die Haare nicht verknuddeln wollte (war blöd, man hätte sie gebraucht) und schwarzen Stoffsneakern (definitiv zu kalt). Auch im Büro war es krass kalt, keine Ahnung, ob da jemand die Heizung abgeschaltet hatte. Auf jeden Fall saß ich den Vormittag über mit Schal da.
Ein sehr unterrichtslastiger Arbeitstag. Vormittags eine Stunde Einzelunterricht, ansonsten arbeitete ich administratives Zeugs am Rechner ab, relativ ungestört. Sehr angenehm, weil ich wirklich gut vorankam und ein paar kleinere Sachen von den hinteren Plätzen der Erlediliste angehen konnte. Von der Kälte mal abgesehen sehr positiv. Noch eine kurze Besprechung mit dem Chef, ein wichtiges Telefonat, ein bisschen Dokumentennachbearbeitung, und um Viertel nach eins Mittagspause mit den restlichen Penne Bolognese und den Kolleg:innen. Beste Information des Tages: Eine Kollegin hatte eine Art Salat mit Riesencouscous dabei, den ich in England kennengelernt und in Deutschland dann bis auf ein- oder zweimal nicht mehr wiedergefunden habe. Ein Feinkostladen in der Stadt hatte ihn vor längerer Zeit mal, und der Supermarkt ums Eck führt ihn in Kochbeuteln, was halt völlig bescheuert ist und von mir vermieden wird. Info von der Kollegin: Ein großer Supermarkt in der Weststadt führt ihn auch, und zwar in normalen Packungen. Das ist zwar von uns aus gesehen ein bisschen ab vom Schuss, aber vielleicht radle ich mal hin oder so. (…vielleicht haben sie dort ja auch Borlotti- oder weiße Riesenbohnen.)
Nachmittags startete ich dann einen neuen Kurs. In den letzten Wochen hatte es ein bisschen Hin und Her gegeben, ob der Kurs starten könnte oder nicht, umso froher war ich, dass es jetzt endlich losging. Und es war sehr eine nette Gruppe, mit der ich mich auf die Zusammenarbeit in den nächsten Wochen freue. (Übrigens der Klassiker, schon mehrfach in den letzten Monaten gehabt: Es war – wenig überraschend – eine Person aus der Ukraine dabei, und ebenfalls nicht ungewöhnlich eine weitere Person aus Russland. Klar hatte ich mir vorher Gedanken gemacht, ob das ein Konfliktpotenzial bergen könnte. Aber überhaupt nicht, im Gegenteil, sie sprachen gleich ein bisschen auf – vermutlich – Russisch miteinander und gingen sehr freundlich miteinander um. Kein Wunder, die propagandaabhängigen, putingläubigen nationalistischen russischen Ultras sind bei uns eher nicht zu finden.)
Nach dem Kurs noch eine Stunde Schreibtischarbeit, in erster Linie Vorleistung für den Montag. Bevor ich nach Hause ging, warf ich noch einen Blick in die Räume, in denen die Kolleg:innen parallel die Tische für den kommenden Bücherflohmarkt aufgebaut hatten. Das war so ein bisschen witzig, weil ich ungefähr viermal dachte: „Oh, wie interessant, ich glaube, das Buch haben wir auch daheim im Schrank!“ – und mir dann einfiel, das IST meins, wir haben es aussortiert und hergebracht. Ungefähr 30% des kompletten Flohmarktsortiments (zumindest was deutsche und englische Erwachsenenbücher anging) stammen von uns. Harhar.
Daheim kurze Katzen- und Katerbegrüßung, ich packte die Arbeitstasche für Montag, dann gingen wir gleich aus dem Haus: ENDLICH mal wieder eine Freitags-Date Night, der Liebste war wieder fit. (War die ganze Woche auch schon wieder den Berg ins Büro hoch- und runtergelaufen. Also das schwäbische „gelaufen“.) Da wir gerade in der Fastenzeit sind, verwarfen wir einen Besuch beim Stammitaliener (wir hätten es beide doof gefunden, dort keinen Wein zu bestellen), und auf das Asian Fusion Restaurant hatten wir auch keine Lust, wir hatten ja selbst erst zweimal Udon gekocht.
Spontan versuchten wir es bei einem vietnamesischen Restaurant in der Südstadt (An An), in dem wir noch nie waren, weil man dort nämlich eigentlich nie einen Platz findet, es ist immer supervoll und ohne Reservierung geht gar nichts. Wir waren aber schon vor sieben da und hatten total Glück: Wir bekamen einen letzten Zweitertisch im Eingangsbereich, den ein anderes Paar verschmähte, weil zu nah an der Tür. Zugegeben war das nicht der beste Platz (neben uns stand quasi immer die Schlange der Leute, die reserviert hatten und darauf wartete, dass ihr Tisch frei wurde, und durch die Tür bekam man oft einen kalten Luftzug in den Rücken), aber egal. Wir waren sowieso bald mit Essen beschäftigt, und das war SO gut, dass es unsere gesamte Aufmerksamkeit forderte. Zuerst Summer Rolls mit Satay Sauce als gemeinsame Vorspeise, dann frittierter Tofu mit Glasnudeln für den Liebsten und sautiertes Gemüse mit Jasminreis für mich. Klingt nach einfachem Essen, war es im Grunde genommen auch, aber einfach alles so gut gekocht, der ganze Teller duftete, das Gemüse war auf den Punkt gar, die Sauce sehr lecker, ich war völlig begeistert. Nur sehr viel Zeit nahmen wir uns nicht, wir wollten der wartenden Schlange nicht länger als nötig den Platz belegen, und waren um kurz nach halb acht schon fertig und wieder draußen.
Aufs Heimgehen hatten wir noch keine Lust, deshalb entschieden wir uns für eine Bar in der Innenstadt, wo es guten alkoholfreien Gin&Tonic gab (und wir durch den Fußweg gleich noch einen Verdauungsspaziergang bekommen würden). Allerdings merkten wir schon nach wenigen Metern: Hm, so toll wie gedacht ist das vielleicht gar nicht. Es war nämlich mit vier Grad über null und leicht feuchter Luft mittlerweile wirklich, wirklich kalt, und wir waren mit unseren Übergangsjacken viel zu dünn angezogen (ich fror an den Armen, an den Beinen sowieso). Da halfen auch Schal und Mütze nichts mehr. Nach ein paar Metern Richtung Zentrum und ein bisschen Herumüberlegen verwarfen wir die Bar im Zentrum schließlich. Stattdessen holten wir ein bisschen Bargeld am Automaten und gingen dann zum Supermarkt nebenan, der eine ganz ausgesprochen große und gut ausgestattete Spirituosenabteilung hat. Und dort bekamen wir dann eine Flasche alkoholfreien Gin (Siegfried Wonderleaf, kannten wir schon, Empfehlung), dazu Tonic Water und sogar Crushed Ice. Für mich zwar etwas merkwürdig, gefrorenes Leitungswasser einzukaufen, aber wir sind normalerweise keine Cocktailtrinker und haben deshalb keine Eiswürfel zu Hause.
Daheim zogen wir uns erst einmal ein paar warme Kleider an, so zum Aufwärmen, dann machte der Liebste uns zwei G&T und wir verbrachten den restlichen Abend mit zwei Katern und Cocktail auf dem Sofa, auf dem Weg durchs Sternentor. Alles sehr gemütlich, nur die G&T bekamen Abzüge in der B-Note: Weil wir auch keine Strohhalme daheim haben, mussten wir sie so trinken, und dabei störte das Crushed Ice total. Eisekalt an den Zähnen und man schmeckte mehr oder weniger nur Wasser. Aber macht nichts: Wir üben noch.