Betriebsam, Samstag 30.8.2025

  • Beitrags-Kategorie:Tagebuch

Ausgeschlafen, aufgestanden um zwanzig nach sieben. Angenehme Nacht, angenehmer Morgen so generell, der Liebste versorgte die Kater, ich warf einen Blick ins Handy, alles prima, bis um Viertel vor acht die nervigen Straßenarbeiten wieder anfingen. Mäh. Ich hoffe mal sehr, dass sie das wirklich bis Dienstag fertigbekommen. (…eine Stunde später entdeckte ich auf dem Zettel, der uns von der Baufirma eingeworfen worden war, dass dort nicht 2.9. steht, sondern 19.9. – der 2.9. war auf den Parkverbotsschildern gestanden. Harhar. Aber vielleicht sind die groben Straßenarbeiten bis Dienstag durch.) Für heute auf jeden Fall: Straßenkulisse vor dem Haus.
Nichtsdestotrotz ruhiger Morgen. Wir machten ein bisschen Geographie- und Geschichtsrätsel (ich war vor dem Liebsten fertig und gab ihm trotzdem gar keinen Tipp, Drama), dazu Tee und welterklärende Gespräche. Ausgelöst durch ein wir-schaffen-das-Bild in der Zeitung. Unfassbar, dass das schon zehn Jahre her ist. (Und ich hätte nie gedacht, dass ich es mal sage, aber man wünscht sich beinah Merkel zurück, gemessen am jetzigen konservativen Personal.) 

Porridge zum Frühstück, mehr Tee, Internet leergelesen und ein wenig geschrieben, dazwischen ein bisschen die Kater bespaßt. Harold oben fahren lassen und das obere Stockwerk geputzt, irgendwann duschen gegangen, und damit war der Vormittag auch schon vorbei. Zum Mittagessen machten wir die zweite Pizza warm, die der Liebste am Vorabend gebacken hatte: Er hatte sie nach 10 Minuten aus dem Ofen geholt, jetzt kam sie noch einmal 15 Minuten rein, damit war sie perfekt und quasi frisch gebacken. Etwas Basilikumöl, damit schmeckte sie eine ganze Ecke besser als am Abend davor. (…vermutlich ist die vegane Wurst nicht so unfassbar fettig, wie man das von Salami eigentlich erwarten würde, und das hatte mir auf der Pizza gefehlt.)

Nachmittags längere Lesepause, außerdem versuchte ich mich an einem Mittagsschlaf. Der klappte allerdings nur so halb, ich war zwar furchtbar müde, so richtig mit brennenden Augen, aber mir war kalt (trotz Decke) und ich konnte nicht richtig schlafen, war aber auch nicht wach. Als ich um drei schließlich aufstand, war ich wenig überraschend ziemlich matschig.
Bestes Gegenmittel: Wocheneinkauf, einmal Alnatura und dm und anschließend einen Hafermilchkaffee in der Bäckerei nebenan, so zum Wachwerden. Angenehme Temperaturen, sonnig (nach etwas Regen am Morgen), ein schöner Spätsommertag. Und erstaunlich wenig los überall.

Wieder daheim räumte ich die Einkäufe weg, und dann waren wir unfassbar eifrig und umtriebig und diszipliniert und machten uns an den letzten großen Fensterladen-Block: die beiden Doppel-Fensterläden vom oberen Schlafzimmer. Weil das bedeutete, dass ich eine Nacht ohne Fensterläden würde schlafen müssen, war die Nacht von Samstag auf Sonntag natürlich praktisch. Außerdem die nächsten zwei Tage wenig Regen angekündigt.
Die nächsten drei Stunden waren wir also auf der Terrasse beschäftigt, Läden säubern, alte Farbe runterkratzen (diese Fenster sind dem Wetter am direktesten ausgesetzt, dementsprechend löste sich die alte Farbe überall ziemlich), ein paar Latten wieder befestigen, dann gründlichst streichen – das Holz zog die Ölfarbe extrem ein. Nebenher viel trinken, gute Playlist, und die Kater kamen auch abwechselnd vorbei und schauten nach, was wir da so machten. Am Ende wurde es recht anstrengend (man ist immer so ein bisschen gebückt und verkrampft, irgendwann merkte ich meinen Rücken, und die Farbdämpfe sind jetzt auch nicht soooo super), aber wir waren wie geplant um sieben fertig und sehr stolz.

Leichte Reinigungsarbeiten am Haus (ich hatte irgendwann einmal mit dem blaugefärbten Handschuh Lichtschalter und Türklinken angefasst, superschlau, ging zum Glück mit Terpentin wieder weg), am Arbeitsmaterial (alles blau) und an uns selbst (der Liebste nur mit leichten Farbspritzern, ich sah dagegen aus, als wäre ich einmal kopfüber in den Farbeimer gesprungen und hätte ein paar Kraulzüge genommen). Ausführliche Dusche, und um kurz vor acht waren wir wieder hergestellt und ausgehbereit. Weil ich unsere Freitags-Datumsnacht („Date Night“ klingt halt einfach so bescheuert) mit Fortbildung belegt hatte, hatten wir das Restaurant auf Samstag verschoben.

Wir hatten beide Lust auf etwas Neues, deshalb schauten wir kurzentschlossen bei einem vietnamesischen Restaurant am südlichen Stadtrand auf der Homepage: offen, kein Urlaub, buchten einen Zoe und fuhren hin (ich wollte nicht Rad fahren, zu Fuß war es dem Liebsten zu weit). Dort angekommen stellte sich der Zoe als super Idee heraus, denn das Restaurant hatte seine Homepage nicht aktuell, nerv, und hatte tatsächlich einen Zettel mit „Betriebsferien“ im Fenster (nervnervnerv). Wenn wir zu Fuß hingelaufen wären, hätten wir uns extremst geärgert (und mit dem Fahrrad nur marginal weniger), denn dort in der Gegend gibt es sonst quasi nichts.
Aber wir waren ja motorisiert. Wir befragten also die Kuh und fuhren schließlich zum Freibad, weil dort neben dem Sportheim ein (ebenfalls vietnamesisches, das scheint der neue Trend zu sein) Restaurant ist, das sehr angesagt ist und bei dessen zweitem Standort in der Südstadt wir vor ein paar Monaten bereits waren. Normalerweise hat man ohne Reservierung dort schlechte Karten, aber wir hatten Glück (Urlaubszeit und so): Es war zwar sehr voll, aber wir bekamen noch einen Zweiertisch. Wir waren mit halb neun vermutlich gerade so da, dass der erste Essenschwung schon wieder am Gehen war.

Die nächsten anderthalb Stunden sehr nette Gesellschaft, dazu gutes Essen. Gyoza und Edamame vorneweg (das war okay, die Edamame hätten aber ein bisschen knackiger sein können), dann eine Tofubowl mit Reisnudeln und Gemüse für den Liebsten und „Pepper Tofu“, also frittierter Tofu mit Pilzen, Reis und scharfer Soße für mich. Mein Essen insgesamt sehr lecker, nur den Tofu fand ich etwas merkwürdig: Man hatte einen sehr weichen und quasi gar nicht marinierten Tofu paniert und frittiert. Sodass man halt eine sehr leckere Panade hatte und innendrin… ein bisschen wabbeliges Nichts. Hm. Da hätte mich ein fester Tofu deutlich mehr überzeugt.
Nachtisch Mochi (in erster Linie für den Liebsten), außerdem ein Hefeweizen, das ich auch nicht so super fand, aber das liegt an der Brauerei (wir sind hier etwas verwöhnt). Aber schon sehr gut, alles in allem. Überraschend günstig war es auch, wir zahlten für alles zusammen etwas unter 60,- Euro und fragten uns ehrlich gesagt, ob auf der Rechnung irgendetwas  vergessen worden war. (Später schaute ich allerdings noch einmal nach und ähm nein, wenn man auf der Karte die Sachen zusammenrechnet, hätte es sogar weniger sein müssen, lol. So gesehen war es dann auch nicht so schlimm, dass wir – Kartenzahlung und so – kein Trinkgeld gegeben hatten.)

Den Heimweg übernahm der Liebste (er hatte alkoholfrei getrunken). Wir überlegten kurz wegen eines Absackers bei der Stammkneipe ums Eck, aber da war Veranstaltung und DJ und Action und deshalb furchtbar voll, deshalb gingen wir lieber heim und mit einem Fingerbreit The Balvenie und zwei Kerzen auf den Balkon, begleitet vom Kater, der sich über Gesellschaft freute. Ein paar Sterne (und Satelliten) anschauen, den Grillen zuhören.
Und gegen halb elf wieder aufs Sofa, weil es mittlerweile abends schon erstaunlich kühl wird. Dort noch eine (sehr unterhaltsame) Runde auf die Raumstation. Da kamen dann beide Kater dazu und legten sich aufs Sofa. Denen wird nämlich so langsam auch frisch, so im Frühherbst.