Am Abend hatte ich mir noch den Wecker gestellt, nur zur Sicherheit, im Leben würde ich ja nie so lang schlafen, aber wir hatten halt Pläne. Von wegen: Um halb acht wurde ich vom Piepsen aus tiefem Schlaf gerissen, leicht neben der Spur und nachdem ich mehr oder weniger durchgeschlafen hatte. Und mich überhaupt nicht ausgeschlafen fühlte.
Oh well. Der Liebste war schon etwas länger wach und hatte die Kater schon versorgt, er bastelte in seinem Arbeitszimmer herum: In der Nacht hatte es wohl eine Spannungsspitze gegeben, die Sicherung in der Küche war rausgeflogen (nicht so schlimm) und eine Festplatte, die bei uns im Hausnetzwerk als Daten-Backup hängt, war abgeraucht. Ein bisschen schlimmer, weil ein paar Daten (Filme, Musik) eventuell damit futsch sind (…wie sich spät am Abend rausstellte, waren die Daten von der Festplatte weg, aber wo anders gesichert, also alles halb so schlimm). Ich ließ ihn basteln, machte mir Tee und sortierte in meinem Arbeitszimmer noch ein paar Unterlagen um, damit wir nicht versehentlich später Ordner zur Müllkippe fahren würden, die ich noch gebrauchen könnte.
Dann ein früher Start für uns: Der Liebste ging den gebuchten Kombi holen, ich ging schnell unter die Dusche und packte mich warm ein. Sachen einladen, in erster Linie meine alte Kommode, den alten Hasenstall, leere Ordner und noch ein bisschen Elektroschrott, und zur Müllkippe im Nachbarort. Auf dem Weg dorthin hielten wir kurz bei einem Bäcker (nicht der Lieblingsbäcker, der hatte leider zu) und holten ein paar Brötchen und Kaffee für ein Frühstück während der Fahrt.
Normalerweise muss man an der Müllkippe ja immer allerspätestens um halb acht ankommen, um nicht eine Stunde in der Schlange zu stehen, aber offensichtlich nicht am 2. Januar, wenn viele Handwerker Betriebsferien haben und es den Hobby-Heimwerkern zum Basteln und Bauen zu kalt ist: Es waren fast keine Leute da, außer uns noch zwei andere Autos. Dementsprechend waren wir nach einer Viertelstunde fertig. Sehr cool.
Daheim wärmten wir uns nur ganz kurz auf und gingen um kurz vor zehn in die Innenstadt, ein bisschen shoppen: In erster Linie wollten wir beide Hosen für uns. Tja.
Semi-erfolgreich, sag ich mal. Der Liebste bekam eine neue Hose (und dazu leicht spontan noch einen sehr schönen Pullover und ein Shirt), aber für mich sah es doof aus. Hosenlänge 34 ist immer schwierig, in meinem Fall hatten sie zwar ein paar wenige da, aber die Hosenmarke, die ich gern mag (Cross) fällt in ihren verschiedenen Modellen so unterschiedlich aus, dass eine mit 30-32 zwar gut oben passte, aber mir viel zu kurz war und eine mit 30-34 dann gut in der Länge, aber oben konnte ich sie noch nicht einmal schließen. Nerv. Der Verkäufer suchte mit mir gemeinsam ein bisschen nach Alternativen, fand aber nichts. Er bestellte mir schließlich zwei Modelle in verschiedenen Größen zur Ansicht (vermutlich erst für Ende Januar) und ich zog hosenlos ab. Nahm aber noch einen wirklich wunderschönen blauen Strick-Cardigan mit, immerhin. (Den Cardigan hatte ich schon vor zwei Wochen im Schaufenster bewundert, so gesehen war mir wenigstens ein Wunsch erfüllt worden.)
Ein bisschen weiter durch die Stadt mäandert, wir holten Tee im Teeladen. Der Irish Breakfast war nicht lieferbar, wir nahmen einen Ostfriesentee stattdessen mit – mal sehen, ob der Liebste damit morgens zurechtkommt. Was es aber gab, war ein japanischer Bancha in Bioqualität, der wurde nebst einer neuen Teedose gleich mal eingepackt. Allein damit hat sich der Tee-Adventskalender schon gelohnt.
Kleine Pause mit Milchkaffee im italienischen Bistro, dann zum Schreibwarengeschäft, wo ich spontan einen Wandkalender für den Flur und (geplant) eine Pappschachtel für mein neues Arbeitszimmer-Regal kaufte (eine zweite, passende Kiste fürs Bad hatten sie nicht, Butler’s auch nicht). Ein bisschen Gemüse vom Innenstadt-Alnatura und vom Gemüsestand (Chicorée und Grünkohl in erster Linie, ein paar eingelegte Oliven), dann noch einmal zu einem größeren Klamottenladen am Altstadtrand, wo ich original bei 30 Jeans von drei Herstellern eine einzige mit Beinlänge 34 fand (und Taillenweite 27, lol), alle anderen waren kürzer, WTF. Damit waren wir beide dann genervt und Shopping-gesättigt genug und hatten Hunger (es war kurz nach eins), also gingen wir heim.
Schnelles Vesper (wir hatten noch Brötchen vom Morgen) und Chicorée-Salat, dann gemütlicher Rumbummel-Nachmittag. Ich räumte unsere Einkäufe weg und löste dann, zum überhaupt allerersten Mal in meinem Leben, das Weihnachtsrätsel der lokalen Tageszeitung. SEHR stolz. Das Rätsel ist mit einem Gewinnspiel verbunden, wo man Eintrittskarten von verschiedenen lokalen Kulturanbietern gewinnen kann, also scannte ich den QR-Code, trug den Lösungsspruch und meine Mail-Adresse ein und stellte dann fest, dass man nur teilnehmen kann, wenn man der Erstellung eines Nutzerprofils und dem Nutzertracking und überhaupt allem Zeugs zustimmt. Opt-out nicht möglich. Nervnervnervnervnerv. Dann halt nicht.
Restlicher Nachmittag gemütlich Kaffee trinken, ein bisschen herumlesen, aufräumen, unteres Katzenklo saubermachen, Diät-Katzenfutter und ein Buch bestellen. Kurzer Schreckmoment, als die niedrigste Kerze am Adventskranz die Zweige anzukokeln begann (ich saß direkt nebendran und konnte sofort auspusten, aber naja – damit wäre die Frage, ob das wohl Sicherheitskerzen sind, wohl auch beantwortet, die Kerze vom zweiten Advent machte ich deutlich früher aus). Ein bisschen Blog schreiben, und gegen halb sechs ging ich dann zum Haare färben nach oben.
Während der Einwirkzeit (zwei Stunden, Bio-Haarfärbezeugs) kochte und aß ich mit dem Liebsten eine winterliche Minestrone (mit Borlottibohnen, Brokkoli und Grünkohl) und schaute kurz ins Internet. Dann Haare ausspülen (Farbe war gut geworden) und warm einpacken, und den restlichen Abend war ich im Lesesessel und las ein komplettes Buch durch (das erste des Jahres). Nicht sehr dick und mit direktem Familienbezug (von meinem zweitältesten Bruder als autofiktionaler Roman geschrieben), deshalb gehe ich hier nicht detailliert drauf ein. Um halb elf war ich auf jeden Fall durch und ging nach oben ins Bett.