Gelesene Bücher 2025

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Ein eher mühsames Lesejahr, so gesehen bin ich mit der reinen Anzahl an Büchern – 33 – doch ganz zufrieden. Ich hatte allerdings Mühe, in die Konzentration zu finden, weswegen ein überproportional hoher Anteil an Büchern aus schnell weglesbaren Krimireihen besteht, eher leichte Kost. Wogegen generell nichts einzuwenden ist, aber es gibt leider einen ganzen Stapel an Sachbüchern, die mich eigentlich interessiert hätten, die ich aber zwischendrin abbrechen musste. Dass ich mehr auf Mastodon unterwegs bin, nimmt dazu auch noch Zeit in Anspruch, und dann natürlich der Blog. Oh well.
Neu im letzten Jahr aber: Ich habe, zumindest für manche Anwendungsbereiche, das e-Book-Lesen für mich entdeckt, und zwar über das Tablet. Den Tolino-Reader habe ich endgültig aufgegeben (bescheuertes Handling, und die Verbindung mit meinem ursprünglichen e-Book-Anbieter konnte ich ärgerlicherweise auch nicht auflösen), und das alte Kindle meines Schwiegervaters überlegte ich nur kurz zu aktivieren, aber dann – mäh. Stattdessen die Tolino-App auf dem Tablet, und das klappt hervorragend.

Hier nun also die Liste der gelesenen Bücher, wie immer bewertet von 1-5. Wobei nur die auch beendeten Bücher auftauchen, wenn ein Buch allzu schlecht war – also ein 1-Punkt-Kandidat, dann habe ich es im Normalfall abgebrochen. Ich habe ja keine masochistischen Tendenzen.
Sortierung nach Lesedatum.

Zora del Buono, Seinetwegen (5/5)

Der absolute Knaller und mein Roman des Jahres gleich zu Jahresbeginn. Was für ein tolles Buch, bei dem die klaren autofiktionalen Anteile nicht stören, sondern im Gegenteil bereichern, und wie stimmig und mühelos die verschiedenen Erzähl- und Geschichtenebenen miteinander verwoben! Dazu noch einige persönliche Kontaktpunkte mit der Geschichte (die in der Schweiz und Berlin spielt). Ein ganz wunderbares Buch.

Saša Stanišić, Möchte die Witwe angesprochen werden… (5/5)

Eine Sammlung von Kurzgeschichten, die aber über diverse Figuren miteinander verbunden sind – sehr schön gemacht. Wie immer bei Stanišić spürt man auch hier seine unglaubliche Empathie und Zugewandtheit zu seinen Figuren. Außerdem sprachlich (natürlich) großartig, ohne mühsam zu werden.

Mick Herron, Bad Actors (5/5)

Der achte Band der Slough House-Reihe, und I’m hooked, könnte man sagen (nachdem ich anfangs etwas Mühe mit dem Setting hatte). So sehr, dass ich kein Interesse an der TV-Serie habe, um mir die Bücher nicht kaputtzumachen. Der neunte Band (im Herbst 2025 erschienen) liegt schon parat.

Volker Kutscher, Transatlantik (2/5)

Der neunte und für mich letzte Band der Gereon-Rath-Reihe: Ich war am Ende doch deutlich zu genervt davon, wie die Geschichte immer mehr ausgewalzt und breitgetreten und künstlich in die Länge gezogen wird. Noch ein Cliffhanger, noch ein Drama, noch ein Twist, immer noch mal etwas obendrauf… puh. Der Schluss nervte mich so sehr, dass ich den zehnten Band jetzt nicht mehr lesen mag (zumal ich schon eine ziemlich gute Vorstellung davon habe, wie es enden wird). Ich denke, die Reihe hätte nach dem siebten Band ungefähr spätestens enden sollen.

Markus Pfeifer: Springweg brennt (5/5)

Das Buch hatte ich eher aus Neugier bestellt, weil ich den Blog des Autors seit längerem lese und die Entstehungsgeschichte dort mitbekommen hatte. Aber dieser semi-private Bezug ist überhaupt nicht nötig, um das Buch einfach so zu lesen und Freude daran zu können: Mit lakonischer Sprache wird die Hausbesetzerszene im Amsterdam der 90er Jahre beschrieben, und die Geschichte bekommt ein erstaunliches Tempo und entwickelt sich zu einem runden Finale, ohne irgendwo unnötig in die Länge gezogen zu sein oder mit alberner Bedeutungstiefe zu nerven.
Ich könnte mir durchaus vorstellen, ein weiteres Buch von dem Autor zu lesen.

Anne Siegel: Frauen, Fische, Fjorde. Deutsche Auswanderinnen auf Island (3/5)

Eigentlich ein total interessantes Thema, und ungefähr 70% des Buches las ich auch recht gern, auch wenn ich von dem Versuch der Autorin, das Ganze emotional und als „Narrativ“ aufzuhübschen („die Leserin muss Anknüpfungspunkte finden!“), ein bisschen genervt war. Aber dann kommen die letzten zwei oder drei Kapitel, und man merkt einfach so sehr deutlich, wie sich sinngemäß folgender Dialog entsponnen haben muss:

Autorin: Ja, ich bin fertig. Hier ist mein Manuskript. Hab mir extra Mühe gegeben, dass es ein bisschen gefühlig klingt. Sorry, dass ich die Deadline um drei Wochen gerissen habe.

Lektor: Hm, das sind aber 60 Seiten zu wenig. Im Werkvertrag waren ein paar mehr vereinbart. So passt das nicht in unsere gelbe Reihe.

Autorin: Ach so. Ja, das ist blöd jetzt. Ich hab eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, hab zwar noch ein paar Erfahrungsberichte, aber eher nur so bruchstückhaft.

Lektor: Macht nichts, stoppel irgendwas daraus zusammen. Wir brauchen die 60 Seiten.

Autorin: Oh, ok. Dann mach ich das wohl mal. Bis wann soll ich das fertig haben?

Lektor: Übermorgen.

Timothy Snyder, On Tyranny (5/5)

Unter dem Eindruck der ersten Trump-Administration 2016 geschrieben, und leider, leider zehn Jahre später aktueller denn je.

Agatha Christie, The ABC Murders (5/5)

Ein Klassiker natürlich, der erste Poirot-Krimi (für mich jedenfalls), und ausgesprochen erstaunlich, wie wenig in ihrer Zeit verhaftet die Geschichte ist. Dazu spannend, logisch, nicht zu aufgeblasen.

Philip Reeve, Mortal Engines (4/5)

Der eine Punkt Abzug für teilweise ein paar vorhersehbare Elemente in der Entwicklung der Geschichte und für die etwas holzschnittartigen Figuren (daran kranken ja viele Young-Adult-Bücher). Außerdem bin ich mir nicht sicher, wenn ich in das Szenario reingekommen wäre, wenn ich nicht vorher den Film gesehen hätte. Trotzdem sehr gern gelesen.

Frank Schlößer, Der letzte Pfeil. Ein Roman aus der Frühzeit (5/5)

Eine eat.read.sleep-Empfehlung: Der Roman beschreibt den (natürlich fiktiven) Kontext zur Ermordung des „Ötzi“, den man ja bekanntlich mit einer Pfeilspitze in der Schulter fand. Das Buch scheint mir gut recherchiert zu sein und trifft vor allem einen glaubwürdig authentischen Tonfall – man fühlt sich bei aller Fremdheit über die Jahrtausende im Jungsteinzeit-Szenario quasi heimisch. Spannend ist es auch. Nichts für die Ewigkeit (eher zum Weitergeben nach dem Lesen), aber für ein vergnügliches Wochenende.

Mick Herron, Standing By the Wall. The Collected Slough House Novellas (5/5)

Die Romane funktionieren auch ohne die verbindenden Kurzgeschichten, aber als Fan (oder interessierte Lesende) natürlich unabdingbar. Umgekehrt machen die Geschichten allerdings weniger Sinn, sie gehören zwingend in die Reihe.

Dervla McTiernan, The Good Turn. Cormac Reilly-Reihe Band 3 (5/5)

Endlich wieder ein neuer McTiernan! Nach den ersten beiden Bänden dauerte es lang, bis ich das dritte Buch überhaupt aus Irland bestellen konnte, ständig wurde nach wochenlanger Lieferzeit die Bestellung storniert. Keine Ahnung warum: Der dritte Band schließt nahtlos an die ersten beiden an, nicht nur von der Story, sondern auch von der Qualität her.

Dervla McTiernan, The Unquiet Grave. Cormac Reilly-Reihe Band 4 (4/5)

Der neueste und vorerst letzte Band der Reihe, kein Wunder: In der Geschichte wird ausgesprochen viel Porzellan zerschlagen, werden Verbindungen gekappt und Türen zugeschlagen. Ein bisschen zu viel Drama für meinen Geschmack, deshalb ein Punkt Abzug. Trotzdem natürlich Leseempfehlung, und wenn es einen neuen Band gibt: Ich wäre dabei.

Tana French: In The Woods. Dublin Murder Squad Band 1 (5/5)

Um meine merkwürdige Leseunlust im Sommer aufzulösen (zwischen Herron und McTiernan lagen Wochen ohne Buch), zog ich den ersten Band von Tana French aus dem Regal – ich bin ja großer Fan. Gute Idee, ich erinnerte mich an nur noch sehr wenig von der Geschichte (vor allem das klassische Whodunnit funktionierte noch). Trotzdem fielen mir beim zweiten Lesen einige Schwächen in der Story auf, die ich beim ersten Mal, völlig im Sog, überlesen hatte. Macht aber nix.

Tana French: The Likeness. Dublin Murder Squad Band 2 (5/5)

Ebenso wie beim ersten Band: Tolle Geschichte, teilweise ein paar Schwächen (Drama, Baby), trotzdem absolut tolles Buch.
An die anderen Bände im Regal erinnere ich mich noch zu gut. Werden aber sicher auch irgendwann wieder einmal gelesen.

Richard Osman: We Solve Murders (3,5/5)

Hm. Mag sein, dass ich das ganze Setting des Thursday Murder Club so sehr mag, dass ich mich mit einem neuen Figurenensemble nicht so recht anfreunden konnte. Aber ich hatte insgesamt das Gefühl: Er wollte es einfach zu sehr. Zu sehr „witzig“, zu sehr „Tempo“, zu sehr „absurd“, zu sehr „spannend“, zu sehr nicht alte Damen. Als Ergebnis wirkte die Geschichte etwas wirr und zu sehr konstruiert.

Carlo Masala: Wenn Russland gewinnt. Ein Szenario (5/5)

Mein Sachbuch des Jahres, vorausgesetzt, man kann sich auf das Genre einlassen (nicht Fiktion, nicht Sachbuch, nicht Analyse, „Szenario“, für mich recht ungewohnt). Gute Laune hat man nach dem Lesen allerdings nicht.

Jörg Maurer: Alpenkrimis Band 1-12 (4/5)

Die ersten sechs Bände wieder gelesen (und danach aussortiert, Platz im Bücherregal, yay! – und mehr als zweimal braucht man sie nicht zu lesen), die zweiten sechs als e-Book.
Leseempfehlung, wenn
– man mit der speziellen Art von Humor klarkommt (ich mochte das sehr gerne)
– man mit Bayern irgendeine Art von Emotion verknüpft (egal welche)
– Bonuspunkt: wenn man einen Bezug zu Garmisch hat – dass wir im Herbst da waren, war zu mindestens 70% für meinen Lesemarathon verantwortlich.
Alle am Stück würde ich allerdings eher nicht empfehlen, sonst gibt es doch arge Wiederholungen und man merkt die Schwächen einzelner Bände zu deutlich (denn natürlich sind nicht alle Krimis gleich gut).

Jörg Maurer: Bayern für die Hosentasche (3/5)

Hier macht man sich als Sachbuch über die Bayern lustig, auf nette Art, ich fand es allerdings ein bisschen zu sehr auf dem Klischee herumgeritten und phasenweise etwas langweilig.

Saša Stanišić: Wolf (5/5)

Was für ein tolles, tolles, tolles Kinderbuch, das ich absolut auch jedem Erwachsenen empfehlen würde. Das Thema ist zeitlos (Mobbing und Umgang mit Außenseitern in einer Kindergruppe, während die Erwachsenen geflissentlich wegschauen), absolut jede*n Leser*in zum Mitdenken und –fühlen einladend, und der Ich-Erzähler bietet sich sowieso jedem als Identifikationsfigur an, weil nicht die Details (Kind, männlich, migrantisch) das Definierende wären, sondern das verbindende Element (Mensch).

Val McDermid: Echo einer Winternacht. Karen Pirie-Reihe Band 1 (3,5/5)

Ich hatte mich wirklich so sehr auf meinen ersten McDermid gefreut (die Autorin steht schon lange auf meiner Leseliste). Aber so ganz warm wurde ich mit diesem Buch leider nicht. Erstens fand ich den ersten Teil, in den 70er Jahren spielend, ausgesprochen anstrengend, in den Figuren eine Ansammlung von Klischees, und die Story zog sich dadurch ziemlich. Und zweitens dann auch noch eine wirklich nicht gute Übersetzung. Dass ich die Bücher nicht auf Englisch als e-Book bekomme (außer ich würde mir einen Adobe-Account machen), verleidet es mir ziemlich. Seufz.

Saša Stanišić: Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck dargestellt wird. Gehaltene und ungehaltene Reden (4,5/5)

Erst einmal ein Pluspunkt für das großartige Wortspiel im Untertitel. Dann: Eine Redensammlung, nicht wirklich ein Genre, mit dem ich sehr vertraut war (die letzten waren vermutlich die „Reden gegen Verres“ im Studium zur Latinums-Auffrischung, lol), und mit dem ich wenn überhaupt dann eher Abschreckendes verbunden hätte, aber diese Reden lesen sich ausgesprochen flüssig und kurzweilig, ohne oberflächlich zu sein. Viele erzählende Elemente, einige Stilwechsel, und von ein oder zwei Reden abgesehen (in Graz beispielsweise, ich konnte nichts damit anfangen) sehr lohnenswert. Ein guter Abschluss des Lesejahrs.