Indien 1: Hinreise, Samstag-Sonntag 10.-11.1.2026

  • Beitrags-Kategorie:Indien / Tagebuch

Ich war ja vor der Anreise so sehr nervös gewesen, also wegen der Anreise, dass die Nervosität wegen meines Aufenthalts dort und der Projektbetreuung (ich allein verantwortlich für digitales Zeugs, und ohne Backup!) quasi in den Hintergrund gerückt war – Hauptsache erst einmal ankommen, war die Devise. Wie sich herausstellte, war das nicht völlig unbegründet, denn – naja. Ich habe schon reibungslosere Anreisen erlebt. Aber der Reihe nach.

Um Viertel nach fünf klingelte der Wecker, ich hatte die Nacht ganz erstaunlich gut geschlafen (hatte mein ganzes Sorgen- und Bauchgrummelpotenzial nachts vermutlich in den beiden Tagen davor aufgebraucht). Ich ging gleich duschen, gab den Katern (die über die frühe Aufmerksamkeit hoch erfreut waren) Futter und Medikamente, packte meinen Koffer endgültig fertig, und als ich um zehn vor sechs feststellte, dass der Liebste immer noch schlief und offensichtlich vergessen hatte, seinen Wecker zu stellen, ging ich ihn wecken. Leicht genervt.

Nun ja. Er schaffte es immerhin, innerhalb von zehn Minuten wach und angezogen zu sein, sodass wir pünktlich um sechs aus dem Haus kamen (das Auto war bei uns ums Eck gebucht). Ich hatte sehr frühes Loskommen eingeplant, weil ich alle möglichen Sachen (Eisglätte! Schnee! Stau!) befürchtete und deshalb REICHLICH Puffer wollte (der Flug ging erst um 9:30). Wie sich herausstellte, hatte es aber nur knapp unter null Grad und die Straße war komplett trocken. Und da auch kein Mensch auf der Bundesstraße unterwegs war (am Samstag um kurz nach sechs), kamen wir innerhalb von 35 Minuten am Flughafen an. Während der Fahrt begann es leicht zu schneien, und in Stuttgart lag dann auf den Gehwegen leichter schmieriger Schneematsch, aber das war mir dann mehr oder weniger egal.

Erst einmal zum Bäcker im Untergeschoss des Flughafens, einen grünen Tee und ein Laugencroissant zum Frühstück, ein Franzbrötchen steckte ich außerdem ein. Dann brachte mich der Liebste nach oben, wo auf der großen Tafel mittlerweile mein Gate stand, intensive Verabschiedung (Erinnerungen an Mexiko vor ziemlich exakt einem Jahr), und dann ging ich durch die Security und ans Gate. Dort natürlich ewige Wartezeit, ich holte mir eine Flasche Wasser, aß mein Franzbrötchen, scrollte durchs Handy, Gedöns halt. Schließlich pünktliches Boarden und beinah pünktlicher Abflug Stuttgart-München. Bis jetzt alles nach Plan.

In München ein bisschen über den Flughafen mäandert, aber nicht viel, weil der Flughafen riesig ist und ich das Terminal wechseln musste – ich ging mehr oder weniger auf direktem Weg zum Gate. Dort längere Wartezeit, ich ließ meinen Pass anschauen und bekam irgendeinen Aufkleber rein (keine Ahnung, das ist mir alles völlig bizarr, die diversen Vorkontrollen und Hauptkontrollen und nochmal Kontrollen, wenn man in visumspflichtige Länder reist). Und dann mehr oder weniger pünktliches Boarding.
Zu diesem Zeitpunkt hatte es draußen leicht geschneit, aber so richtig hatte man das von drinnen nicht mitbekommen. (Der Chef hatte mir da schon ein Foto aus dem Schwarzwald geschickt, wo es zwanzig Zentimeter Neuschnee runtergenauen hatte, und ich hatte locker geantwortet „also so viel Schnee hats hier nicht.) Nun ja. Und dann standen wir erst einmal. Ich wurde noch umgesetzt, weil die letzte Reihe frei war, sodass ich mir mit einem Menschen zu zweit den Dreiersitz teilen konnte, was natürlich super war. Nicht so super die diversen Durchsagen: Noch keine Starterlaubnis – Start verzögert sich – sorry, viele andere in der Schlange vor uns – der Flughafen hat jetzt eine Startbahn komplett geschlossen. Und zwar wegen Schnee, richtig viel Schnee, so viel, dass sie die Startbahn erst einmal freischippen mussten. Arghs.
Am Ende kamen wir mit fast zwei Stunden Verspätung los und ich wurde leicht nervös, denn in Bangaluru musste ich ja einen Anschlussflug nach Kochi erreichen und davor erst einmal durch die Immigration, aber „das reicht dir dicke“, wie der Kollege per Handy versicherte. Okay.

Langer, anstrengender Flug – es ging über Nacht, aber ich konnte natürlich nicht schlafen, nur so ein bisschen dösen. Dass extrem viele Familien mit sehr kleinen Säuglingen an Bord waren (ich zählte in meiner Nähe allein vier oder fünf), half auch kein bisschen. Nun ja. Ich aß ein sehr spätes Mittagessen (es verzögerte sich ja alles) und schaute mir dann alle drei Shrek-Filme am Stück an. Hörte danach etwas klassische Musik und machte mir Gedanken wegen des Umsteigens.

Zu Recht. Um drei kamen wir in Bangaluru an, und auch hier: Terminalwechsel, und der Flughafen ist RIESIG. Das größte Problem war allerdings erst einmal die Immigration, bei der UM HALB VIER eine riesige Menschenmenge wartete. Zuerst war gar nicht klar, wo ich mich anstellen sollte, als ich das gefunden hatte, stand ich halt und es dauerte EWIG. Und ich wurde so langsam wirklich nervös, denn das Gate sollte um fünf schließen und ich war ja noch nicht einmal durch die Security durch geschweige denn beim richtigen Terminal.
Langer Rede kurzer Sinn: Es wurde gottverdammt knapp, aber es halfen wirklich jede Menge Leute mit, dass es klappte. Angefangen bei dem Franzosen und dem Engländer vor mir, die für mich rauszufinden versuchten, was die schnellste Schlange war, über den offiziellen Flughafenmenschen, der mich aus um 4:10 der Schlange lotste und für mich einen neuen Schalter aufmachte (your connecting flight is 5:20? This will be tight, you can go here), über die diversen Leute, die mir den Weg zum Shuttle Bus zeigten, ganz besonders der Polizist, der mich herumirren sah und mich direkt zur Bushaltestelle des Shuttles brachte (If you have any problems at all, you can always come to the Police), bis hin zu den Leuten in den Schlangen am Terminaleingang (man wird am Terminal 1 direkt kontrolliert) und in der Security, die mich sofort ganz nach vorne ließen.
Als ich endlich zum Gate rannte, wurde bereits Final Call angezeigt, und die Leute am Gate wedelten mir schon entgegen, scannten blitzschnell meinen Boarding Pass und schoben mich in den wartenden Bus. Und dort konnte ich erst einmal durchschnaufen (komplett ausgetrockneter, kratziger Hals – es hatte 26 Grad) und war klatschnass geschwitzt.

Im Flugzeug Bengaluru – Kochi schlief ich dann sofort ein, auch wenn ich dreimal von der Stewardess geweckt wurde (einmal, um mein Sandwich anzukündigen, einmal um es mir zu geben, einmal, um nach meinem Getränkewunsch zu fragen – nur das eigentliche Getränk wurde mir dann nicht mehr gegeben, da schlief ich vermutlich schon zu fest). Nun ja. Power Nap bei einem Flug von einer Stunde, um 6:35 (Ortszeit natürlich, gefühlt war es nachts um zwei) am Sonntagmorgen kam ich in Kochi an.

Dort wurde ich von unserem Partner P abgeholt, mit dem ich die kommende Woche das Projekt betreuen würde. Mein erster Blick auf Indien, und eigentlich recht ausführlich, denn von Kochi aus fuhren wir noch einmal zwei Stunden mit dem Auto. Allerdings war ich viel zu erschöpft. Konnte zwar erst nicht schlafen, denn – naja, das Autofahrverhalten und generelle Regelverständnis ist in Indien doch deutlich anders als in Deutschland. Angefangen beim Einsatz der Hupe, die reichlich und ständig benutzt wird. Weniger zum Motzen, sondern eher so als Ankündigung: Ich bin hinter dir, fahr mal etwas weiter links! (…Linksverkehr) Ich überhole dich jetzt, Achtung! Ich fahre über die Kreuzung, bitte nicht rausgeschossen kommen!

Um neun im Hotel, naja, eigentlich, denn das Hotel hatte die Reservierung verbaselt und es war kein Zimmer frei, yay. Wir fuhren also weiter und fanden in der dritten Anlaufstation schließlich ein freies Zimmer. Ich bekam sogar noch ein Frühstück (ich wollte nur etwas Toast und Chai) und fiel dann ins Bett wie tot.

Gegen zwei war ich wieder wach, ging duschen und meldete mich bei P. Der holte mich ab und ging mit mir erst einmal einen Happen essen, dann ins Institut. Dort ein paar Stunden (ich denke, drei oder vier) vorbereitende Arbeit, bis ich das Gefühl hatte, startklar für den Montag zu sein, dann einmal kurz zum Meer: einen Blick auf den Indischen Ozean werfen. (Und auf die Ausflügler und Vergnügungsparkbesucher dort.) Schade halt, dass wir um halb sieben erst aus dem Institut kamen und es stockdunkel war, bis wir am Strand waren. Aber egal.
Abendessen im Restaurant: Mein erster Kontakt mit Dosa und dem unvermeidlichen Essen mit den Fingern. Sehr lecker, aber auch sehr reichlich, und ich war ganz schön vollgefressen, als ich um neun zurück im Hotel war. Dort erst einmal vertraut machen mit der Klimaanlage (hasse ich ja, aber im Raum hatte es ohne die Anlage 28 Grad), und dann ging ich bald schlafen.