Indien 2-5: Hustend, Montag-Donnerstag 12.-15.1.2026

  • Beitrags-Kategorie:Indien / Tagebuch

Eine Projektwoche in Südindien, genauer gesagt Kerala, und es war halt so: Sehr volle, sehr gleichförmige Tage, sodass ich von „Land und Leuten“ quasi nichts zu sehen bekam (naja, von den Leuten schon). Wir führen dort vor Ort Prüfungen durch, und ich war eben hauptverantwortlich, also für den Ablauf, die Prüfungssicherheit, die Technik, und das bei immer sehr großen Gruppen. Dazu die Zusammenarbeit mit den Kolleg:innen dort, die teilweise auch erst eingearbeitet werden mussten – nun ja, es gab genug zu tun.

Erst einmal das Gleichförmige: Mehr schlecht als recht geschlafen bis gegen sieben (meistens mit Klimaanlage oder zumindest Ventilatoren, dann aber unter der Bettdecke verkrochen), geduscht, dann in der Lobby gewartet, bis P mit abholte. Wir fuhren erst einmal zum Frühstück in ein vegetarisches Restaurant in der Nähe des Instituts. Scheinbar gibt es in Indien nicht so wirklich eine Unterscheidung zwischen typischem Essen am Morgen und am Abend – auf jeden Fall aßen alle, also wir auch, Dosa oder Reiskuchen oder sonstiges mit Curry oder Chutney oder sonstigen scharfen Saucen. Nachdem ich die erste Nacht ziemlich mit dem vollen Bauch zu kämpfen hatte und bei meinem ersten Frühstück schon wieder mit drei Idli (schwammige Reisfladen mit Sauce) und einem frittierten Idli kämpfte, nahm ich die Tage danach immer zwei Idli, damit ging es dann. Schmeckte mir halt nur nicht sonderlich, aber es war wenigstens neutral und die Saucen auch nicht *alle* furchtbar scharf.

Dann ins Institut, wo ich alle Rechner vorbereitete, wir eine Identitätskontrolle machten, die Leute verteilten, noch einmal checkten und dann den Vormittag über die schriftliche Prüfung abnahmen. Nachmittags dann die mündliche Prüfung, bei der die Kolleg:innen in Deutschland remote unterstützten. Davor noch eine Mini-Mittagspause, die aber meistens auf Null schrumpfte, weil man den Vormittag nachbereiten und den Nachmittag vorbereiten musste und es tausend Fragen gab und auch Chef und Kolleg:innen sich aus Deutschland meldeten – wegen der Zeitverschiebung fingen sie dort zu unserer Mittagszeit gerade mit Arbeiten an.
Nachmittags war ich dann teilweise in der Aufsicht der mündlichen Prüfung, konnte teilweise auch am Laptop ein bisschen etwas arbeiten – mein normaler Betrieb lief ja weiter. (Wobei ich schon am Dienstag merkte, dass ich zu optimistisch gewesen war, und ich ein paar Aufgaben an den Kollegen deligierte.) Außer am Dienstag, wo wir eine Doppelprüfung hatten und ich nachmittags deshalb auch eine schriftliche Prüfung zu betreuen hatte. Und das ging dann jeden Tag so bis sieben oder halb acht, am Dienstag bis acht, und als wir als letzte gingen, war es draußen natürlich längst dunkel (die Sonne geht immer gegen sechs unter, es ist ja in Äquatornähe) und ich hatte quasi nichts gesehen.

Stressig also, es lief aber insgesamt recht gut, von ein paar kleinen Hakeligkeiten und interkulturellen Missverständnissen mal abgesehen (aber nichts Großes). Überhaupt waren die Leute, also die Teilnehmer, wahnsinnig nett und höflich und ein bisschen schüchtern und insgesamt sehr gut zu händeln. Es machte wirklich große Freude, mit ihnen zu arbeiten. Ich war also zwar ausgelaugt, aber doch sehr zufrieden.
Nach dem Arbeiten dann wieder ins Restaurant, Chapati oder Dosa oder so etwas, zweimal auch etwas, was ich als „Curry“ bezeichnen würde (einmal mit Kichererbsen, einmal mit Pilzen), dieses dann mit Reis und sehr gut. Oberkante scharf allerdings, auch nachdem P die Kellner für mich darum gebeten hatte, die Schärfe etwas rauszunehmen. Harhar.

Blöd war allerdings: Die Räume waren alle klimatisiert, und am Montag saß ich den ganzen Nachmittag in der Aufsicht direkt unter einer pustenden Klimaanlage. Ich hatte zwar ein Strickjäckchen und ein Halstuch, aber trotzdem unterschätzte ich den auskühlenden Effekt. Und so bekam ich im Lauf des Abends einen kratzenden Hals, und beim Aufwachen am Dienstag merkte ich schon: So ganz gesund war ich nicht. Und das entwickelte sich dann zu einer richtig ausgewachsenen Erkältung, mit Husten und Halsweh und genereller Abgeschlagenheit. Natürlich konnte ich nicht krank machen, also das Notfallmedikament eingeworfen (ich war froh, dass ich es mitgenommen hatte – das Durchfallmedikament brauchte ich übrigens nicht, mein Bauch vertrug alles prima) und durchgeackert. Ging besser als gedacht. Trotzdem: nicht zur Nachahmung empfohlen.

Wirklich viel von Indien bekam ich also nicht mit. Und so ein paar gewöhnungsbedürftige Sachen gab es schon – ein paar positive, ein paar negative.
Nicht so toll:
Frühstück, hab ich ja oben schon geschrieben. Ich esse ja gern herzhaft, aber nicht so scharf, und die Idli sprachen mich auch nicht an. Außerdem bekam man nur Tee oder Kaffee bereits mit Kuhmilch gemischt, auch nicht so meins. (Dann halt heißes Wasser für mich.)
Überhaupt, Wasser: Das Leitungswasser darf man nicht trinken und soll damit noch nicht einmal Zähne putzen. Ich hatte zwar einen Wasserkocher im Hotel (übrigens wechselte ich nach einer Nacht noch einmal das Hotel) und konnte mir so immer Wasser abkochen, und versiegeltes Flaschenwasser gab es eigentlich auch überall, aber trotzdem merkt man, was man hat, wenn man einfach so sauberes Wasser aus der Leitung bekommt.
Klar, man kommt mit Englisch durch. Aber erstens ist es halt nicht die Verkehrssprache der Leute (das wäre Malayalam), sodass sie sich nicht immer automatisch drin wohl fühlen, und zweitens hatte ich echt einige Mühe, mit dem indischen Akzent zurechtzukommen. Ist aber wahrscheinlich eine Frage der Gewöhnung.
Der Verkehr ist auch echt gewöhnungsbedürftig, und er würde so in Deutschland auch nicht funktionieren: Es ist eine Mischung aus „Regeln sind uns egal“ und „wir schauen aber trotzdem nach den anderen“. Was für mich anstrengend war, aber besser klappte als befürchtet. Aber halt völlig andere Mentalität.
Überhaupt Verkehr: Jede Menge kleine dreirädrige Autotaxis, Zweitakter-Roller, Diesellaster, dazu Holzfeuer und so weiter… die Luftqualität war richtig schlecht. Und dabei war ich gar nicht in einer großen Stadt.

Positiv:
Sehr nette und höfliche Leute, ich hatte quasi kein negatives Erlebnis.
Jede Menge vegetarische Restaurants. Vegan wäre vermutlich schwierig (Kuhmilch gibt es schon sehr viel), aber vegetarisch ist quasi überall.
Mir wurde von P am zweiten Tag eine „Munch“ genannte Süßigkeit aus Erdnussbutter und Rohrzucker vorgeschlagen (gab es auch in Varianten mit Haselnussmus oder Kakaobutter), die so UNGLAUBLICH gut war, dass ich am Ende drei Tafeln für den Liebsten nach Hause nahm. Erinnert mich an türkisches Halva, nur nicht mit Sesamgeschmack.
Klar, viele Straßenhunde, viele Bauruinen oder halbfertige Häuser. Aber so richtige Armut sah ich dort eigentlich nicht: Keine Bettler, keine Obdachlosen, keine heruntergekommenen Leute. (Was man von Deutschland leider nicht behaupten kann.) Ich war natürlich auch im reicheren Teil des Landes.

Ich arbeitete also bis Donnerstag die Arbeitswoche zwar erkältet, aber ansonsten routiniert ab, und war ganz zufrieden, wie es lief. Abends meistens noch ein Videocall mit dem Liebsten (nach einem etwas mühsamen Zoom-Versuch wechselten wir auf Signal, das lief problemlos), und dann zwischen neun und halb zehn ins Bett. Und mit der Routine war ich ganz zufrieden – auch wenn ich dringend, dringend wieder nach Hause wollte, und sei es nur, um im eigenen Bett zu schlafen und den Infekt auszukurieren.