Recht gute Nacht, um sechs wachte ich auf und war mehr oder weniger ausgeschlafen. Also aufgestanden und möglichst leise Katzenmaintenance und Küchenrunde, bis der Liebste um sieben auch wach war, die Kater einmal im Garten gewesen und wieder zurück, Hector das untere Stockwerk saugte (Harold folgte kurz danach) und die Nachbarschaft allmählich auch aufwachte. Und es Zeit wurde für die erste Tasse Tee. Wenig Pläne für den Tag, außer dem üblichen Haushaltszeug, und die beiden Pappschachteln in der Innenstadt wollte ich auch holen. Ansonsten Ball flach halten mit elaborierten Plänen.
Vor dem Frühstück gingen wir beide schnell zum Bäcker, Brot und Brötchen holen. Das mag ich ja gar nicht so (also vor der Dusche aus dem Haus), aber der Liebste (müde und mit Kopfweh) wollte nicht allein gehen. Und wir mussten Zeugs holen, weil wir nämlich gar kein Brot mehr daheim hatten. Und Brot mussten wir essen, weil ich nämlich am Freitag die halbe Avocado vom letzten Wochenende im Kühlschrank entdeckt hatte: Komplett vergessen. Sie sah leicht braun, aber ansonsten noch okay aus (vor allem nicht schimmlig), deshalb wollte ich sie nicht wegwerfen. Aber auf jeden Fall jetzt sofort essen. Wie sich herausstellte, war sie noch super und eigentlich perfekt reif – sehr leckeres Frühstück.
Restlicher Vormittag: Schreiben und Internet leerlesen, dazu eine Kanne Tee, ein chinesischer Lung Ching (oder Drachenbrunnentee, heute ist wohl eher Longjing gebräuchlich). Laut Wikipedia ein sehr traditioneller Tee und mit ganz unterschiedlicher Qualität, allzu dunkelgrün sollten die Blätter nicht sein (meine waren kräftig grün). Ich fand ihn in Ordnung, allerdings nach einer herben Nase recht wenig aromatisch im Geschmack und mit eher störendem säuerlichen Unterton. Dieser verschwand zwar im zweiten Aufguss, allerdings wurde er dann recht langweilig. Also schon okay, aber mein Lieblingstee wird es nicht.
Um halb zwölf putzte ich das obere Stockwerk (währenddessen ein Zeit Geschichte-Podcast zur Geschichte der Kreuzzüge, alles, was ich je wissen wollte, und noch etwas mehr), schnelle Dusche, dann improvisierte ich uns ein Mittagessen, einen Topf roter Linsensuppe mit ein paar Nudeln. Kurz dachte ich, ich würde die arabische Gewürzmischung von der Aufbrauchliste doch leer bekommen (sie passte gut in die Suppe), aber das war dann doch etwas viel. Nach dem Essen eine Tasse Kaffee und etwas lesen.
Um halb drei ging ich mit dem Liebsten in die Stadt. Draußen frühlingshaftes Wetter: Sonne, singende Vögel, die Kater waren sehr am Garten interessiert – ich hatte irgendwann am Vormittag mal auf den Balkon geschaut und wurde von zwei rdurch die Scheibe reinschauenden Katern begrüßt. Sie waren unten durch die Klappe raus und dann über die Katzentreppe und den Schuppen auf den Balkon geklettert, auch Magi, der doch eigentlich viel zu alt und wackelig dafür ist. Ich ließ sie beide wieder rein (Magi mit leichtem Nachdruck), nur um sie 20 Minuten später wieder auf dem Balkon zu sehen. Okay. Kurz gesagt: Es war warm und sonnig und die Kater wollten raus.
Und wir auch, und zwar mit roter Übergangsjacke und ohne Stiefel, und die Wollmütze steckte ich auch bald in die Tasche.
In der Stadt holte ich die zwei bestellten Pappkisten für mein Arbeitszimmer im Schreibwarenladen (etwas teurer als von mir in Erinnerung genabt, hm, aber solang sie nicht nass werden, werde ich sie hoffentlich ewig haben, und beide in Rot, weil es Limette leider nicht mehr gab). Kurzer Smalltalk mit zufällig getroffener Kollegin, kein Wunder, dass wir jemanden trafen, es waren tausend Leute unterwegs, die Stadt war mir schon wieder fast zu voll.
Gemütlicher Stopp beim Lieblingsbistro für einen Milchkaffee (für den Liebsten, der Kopfweh hatte und den ganzen Vormittag gepennt hatte) und einen Crodino Spritz (für mich).
Daheim stellten wir nur die Kisten ab und gingen gleich zum großen Wocheneinkauf zum Alnatura und dm und – natürlich, die Fastenzeit naht in großen Schritten – zum Bäcker für einen Sechserpack Fasnetsberliner. Dieses Mal: „Cassandras Azubi-Berliner“ mit Bananenpudding (für den Liebsten, bei mir müsste viel passieren, bevor ich Bananenpudding esse), gebrannte Mandel, Bienenstich, Vanillepudding, Nougat, Apfel-Zimt. (Davon das „Obstige“ und Nougat für den Liebsten, der Rest für mich.)
Daheim (um halb sechs) räumte ich die Einkäufe weg und ging dann „für eine Viertelstunde“ mit Buch ins Schlafzimmer, weil ich eine kleine Pause wollte. Als ich das nächste Mal auf die Uhr schaute, war es sieben, ups. Es wäre nicht gelogen, das Buch als „fesselnd“ zu bezeichnen.
Das Kochen übernahm ich, und zwar gebratener Seitan mit Szechuan-Pfeffer und Gemüse, dazu Reis. Seufz. Den Seitan rührte ich mit Seitanpulver und Gemüsebrühe selbst an, und das funktionierte halt ÜBERHAUPT nicht – eigentlich sollte er nach dem Anrühren und 20 Minuten köcheln schnittfest sein. Aber von wegen. Erstens konnte man ihn nicht im Wasser köcheln, obwohl es so auf der Packung stand (er hätte sich sonst mehr oder weniger aufgelöst), weshalb ich ihn in eine Tüte packte, semi-erfolgreich, und zweitens waren die zwanzig Minuten zu wenig. Auf jeden Fall hatte er eine Konsistenz wie EXTREM klebriger Kaugummi, der sich zwar schneiden ließ, aber sofort wieder zusammenklebte. Dazu war alles, Schüssel, Bretter, Arbeitsfläche, Spülschwamm, ALLES mit diesem klebrigen Zeug verpappt, und ich war unfassbar genervt.
Nun ja. Ich ließ den Seitan mit dem Gemüse insgesamt eine gute Dreiviertelstunde schmoren, danach war offensichtlich genug Flüssigkeit verdampft und er verlor etwas Klebrigkeit und bekam einigermaßen Röstaromen und ließ sich essen. (Das Gemüse war dadurch leider zu Matsch geschmort, es war vorher nicht klar gewesen, dass es so lang dauern würde.) Immerhin nutzte ich die Zeit für einen Science Cops-Podcast, ein Glas Primitivo und ausführliches Küche putzen. Das Ergebnis war dann einigermaßen okay, aber ganz ehrlich: Seitan mache ich nicht mehr selbst. Was für ein Mist.
Aber, SO cool: Das Pulver und der Szechuanpfeffer waren auf unserer Aufbrauchliste gestanden, die wir ja noch eine Woche länger hatten hängen lassen (weil im Januar erst ich, dann der Liebste weg gewesen waren). Damit hatten wir 24 von 27 Sachen auf der Liste verbraucht, und das ist schon ein sehr stolzes Ergebnis. (Die angepeilten 60% hatten wir ja schon im Januar geschafft.)
Nachtisch war ein Bienenstich-Berliner, dem aber irgendwie die Füllung fehlte (ich hatte mit einer Art Sahnecreme oder so gerechnet). Und dann den restlichen Abend Bildschirm aus, stattdessen mit Mick Herron auf den Lesesessel. Das Buch macht mir ganz ausgesprochen Spaß, ich habe erstaunlich schnell in die Handlung hereingefunden und bin sehr gespannt auf die weitere Entwicklung, denn bis jetzt ist es alles noch ziemlich offen, ohne verworren zu sein. Mag ich sehr.