Ziemlich gut geschlafen im Hotelzimmer, nur war es grenzwertig heiß, und das obwohl wir das Fenster die ganze Nacht gekippt gelassen hatten (mit geschlossenem Fenster wären wir beide vermutlich einfach gestorben). Gegen sieben war ich wach und fühlte mich einigermaßen ausgeschlafen. Langsames Aufstehen, gemütliche Dusche, und um acht gingen wir beide aus dem Haus zur Bäckerei Rieger, die nur wenige Meter vom Hotel entfernt war und im Schaufenster mit zahlreichen veganen Angeboten warb. War dann auch so, neben Sojamilch zum Kaffee gab es einiges an Sandwiches und süßen Sachen (für mich eine Sesambrezel und ein Mandelcroissant, damit war ich gut satt).
Der Tag versprach wieder sehr sonnig zu werden und wir hatten für den Vormittag eingeplant, einen ausführlichen Einkaufsbummel zu machen. Hatten halt nur ein bisschen vergessen, dass um zwanzig vor neun (als wir aus dem Haus gingen) noch kein Laden auf hat, haha. Egal. Wir mäanderten ein bisschen durch die Innenstadt (holten beim dm – der öffnet um acht – etwas Wasser) und gingen quasi bei jeder Ladenöffnung direkt in den Laden, wie so Rentner: Um neun in der Buchhandlung, um halb zehn im Salamander, um zehn im Goods House (so ein Fair Trade-Öko-Selbstgebastel-Laden, eine Art Manufactum für Grünenwähler). Dann Kaffeepause (Café Zum Kleeblatt am Marktplatz, sah recht durchschnittlich aus, hatte aber Hafermilchkaffee – Heidelberg ist in der Hinsicht deutlich besser aufgestellt als Tübingen) und weiter im Text.
Ein Stopp beim Cinnamood, wo wir uns vier sehr teigige Zimtschnecken mit unterschiedlichem Topping holten (große vegane Auswahl, aber alles SEHR süß und pappig). Das war der erste Teil des Mittagessens. Zwei weitere Einkaufsstops im Contigo und im Gore (Fair-Trade-Klamottenladen), und dann zweite Hälfte Mittagessen, wo wir dringend etwas Salziges als Kontrapunkt wollten und zum Frittenwerk gingen. Pommes dort Canadian Style (Poutine, BBQ-Sauce und alles), der Liebste nahm eine vegane Currywurst mit scharfen Pommes, ich einfach nur Pommes mit viel, viel Knoblauch. Das Konzept ist ein bisschen albern, man bestellt an einem Display, bekommt dann ein „Codewort“ (bei uns „Robin Hood“), wird dann an der Theke aufgerufen und holt sein Tablett ab, trägt es hinterher auch wieder zurück – in dafür wird im Bezahldisplay ein Trinkgeld von 5, 10 oder 15% vorgeschlagen. Seriously, wofür? Konnte man zum Glück auch wegklicken (eine unglaublich dämliche amerikanische Unsitte). Das Essen war aber sehr gut.
Ungefähr um halb drei waren wir wieder im Hotel und machten eine lange Pause. Unsere Einkaufsausbeute: Vier Bücher, ein paar Sneaker für den Liebsten und orangenfarbene netzige Sommer-Sneaker von Bugatti für mich (ich wollte eigentlich gern so Retro-Sneaker von Adidas haben, aber bei allen Sneakern in diesem Stil (alle mit ähnlichem Schnitt) tat mir nach ein paar Schritten schon so sehr die linke Achillessehne weh, dass ich es gar nicht erst zu versuchen brauchte, seufz). Zwei Paar sehr schöne Ohrringe für mich, und einen neuen Geldbeutel und eine Jeans für den Liebsten.
Gegen fünf gingen wir wieder los und machten einen ausführlichen Spaziergang, dieses Mal über die Brücke und auf die andere Seite des Neckars, dort am Ufer entlang. Glorioses Frühlingswetter, deshalb waren jede Menge Leute unterwegs, aber insgesamt merkte man die Vorsaison (und die Semesterferien) noch und es war nicht zu voll. Und einfach sehr, sehr schön: Scböner Fluss, tolle Kulisse, schöne Stadt, dazu alle Osterglocken, Magnolien, Obstbäume, Forsythien komplett am Blühen. Temperatur angenehm bei ungefähr 15 Grad. Super.
Wir beendeten den Spaziergang wieder auf „unserer“ Neckarseite (und in Hotelnähe) und nahmen einen Aperitif im Urban Kitchen, wo sie zwar Crodino nicht kannten, aber einen alkoholfreien Sanbitter Spritz auf der Karte hatten. Etwas gestresst, weil wir auf halb acht einen Tisch im Red reserviert hatten, und der Kellner ewig nicht zum Kassieren kam, es passte aber zeitlich herovrragend (das Red ist direkt gegenüber).
Der Liebste hatte mir schon vor Jahren vom Red erzählt, es passte also irgendwie, dass wir zu unserem Hochzeitstag dort essen gingen. Das Restaurant hat ein ähnliches Konzept wie das Tibits in der Schweiz, also vegetarisch (mit hohem veganen Anteil), sehr bio-lastig und mit Buffet zum Auswählen, gezahlt wird nach Gewicht. Das macht das Essen oft recht schnell teuer, es ging aber bei uns beiden (preislich, meine ich). Und von kleineren Ausfällen mal abgesehen, war alles wirklich sehr gut. Wir hatten zwei „Gänge“, einmal einen Salatteller und einmal warmes Essen, und waren damit mehr als satt. Da war es auch nicht schlimm, dass die vegane Dessert-Auswahl leider etwas eingeschränkt war, ich brauchte sowieso nichts mehr.
Nach dem Essen noch ein kleiner Verdauungsspaziergang, und wir beendeten den Abend im Friedrich, einer eher studentisch geprägten Bar, in der wir den Altersdurchschnitt sichtbar anhoben (war aber allen inklusive uns egal). Erstaunlicherweise hatten sie eine ordentliche Whiskykarte, auch wenn der 16jährige Lagavulin, den ich gern gehabt hätte, leider aus war. Stattdessen für mich einen Teeling Black Pitts (den haben wir auch daheim, aber noch nicht geöffnet) und für den Liebsten eine neue Entdeckung: einen 16jährigen Scotch Single Malt, Tamdhu, von dem wir noch nie gehört hatte.n Da werden wir uns aber vielleicht mal auf die Suche machen, denn der Whisky war außergewöhnlich: mit einer extremen Fülle an Aromen, ganz leicht und mit erstaunlich langem Nachhall. Perfekter Abschluss für den Tag.