In der Nacht noch aufgewacht, weil ich plötzlich der festen Überzeugung war, ich hätte mir Magis Tierarzttermin falsch im Kalender eingetragen und hätte mir jetzt am eigentlichen Termin lauter Meetings und Unterrichtstermine reingelegt. Es kostete mich einige Überwindung, nicht nachts aufzuspringen und Handy und Kalender zu schnappen. Stattdessen machte ich mir ein Knoten in ein Papiertaschentuch (alter Trick, von dem mich aber erst der Liebste überzeugt hatte, dass er wirklich wirkt) und schlief wieder ein. Am Morgen stand ich um halb sieben auf, versorgte die Kater und verglich den Zettel von der Tierärztin mit meinem Kalender: Stand richtig drin. War ja irgendwie auch klar.
Der Liebste stand kurz nach mir auf und fühlte sich wieder komplett hergestellt, Kopfschmerzen weg, sehr schön. Er nutzte die Energie gleich, um uns ein großes englisches Frühstück zu machen. Ich las das Internet leer, ging duschen und startete eine Maschine Wäsche, während Howard im Erdgeschoss fuhr. Dann Wäsche aufhängen, und den restlichen Vormittag verbrachte ich mit Buch im Lesesessel, während Howard um mich herumfuhr und der Liebste hinterherwischte. Um eins schließlich Mittagessen, das restliche geschmorte Rumfortgemüse vom Samstag, ein Espresso hinterher.
Um zwei packten wir Gartengeräte und Blumen ein und fuhren zum Friedhof in die Nachbarstadt, nach den Gräbern schauen und ein bisschen einpflanzen.
Das Wetter war immer noch sehr kalt, vor allem unter grau bedecktem Himmel und dann im Wald: Ich war froh über Mütze und Wintermantel. Dementsprechend waren wenige Autos auf dem (Wander-)Parkplatz und außer ein paar Hundeleuten sahen wir wenige Menschen. Aber einen sehr alten Freund traf ich, der mit seiner Mutter gerade das Grab des Vaters besucht hatte. Absurderweise erzählten sie mir, dass ein kleines Waldstück auf dem Friedhof (der Friedhof ist mitten im Wald, quasi Teil des Waldes, und es gibt noch viel „richtigen“ Baumbestand) gefällt worden war (das hatte ich das letzte Mal auch schon gesehen) und dabei ein Ast auf den Grabstein gefallen war und ihn abgebrochen hatte. Wenn man weiß, wie viel ein Grabstein kostet, dann ist das schon ganz schön blöd. (Der Liebste und ich schauten uns den Grabstein später an, und er wurde wieder geklebt, und zwar so, dass ich finde, wenn man es weiß, sieht man es quasi nicht. Also nicht so dramatisch.)
Die nächste gute Stunde waren wir an den beiden Gräbern beschäftigt, jäteten, entfernten Blätter und jede Menge vertrocknete eingepflanzte Sachen vom letzten Jahr, und pflanzten Schlüsselblumen, Narzissen und Hyazinthen ein (in der Hoffnung, dass diese ein, zwei Tage Frost auch überstehen werden). Wie immer sah es bei meiner Mutter deutlich schlechter aus als bei meinem Bruder (es ist einfach der schlechtere Standort und der schlechtere Boden), dort hatten wir also mehr zu tun. Bei meinem Bruder kamen auch schon jede Menge Triebe von letztjährigen Blumenzwiebeln aus dem Boden, dort wird es in drei oder vier Wochen komplett blühen. Beim anderen Grab weniger, obwohl wir dort genauso viel verbuddelt hatten, aber scheinbar macht der schlechte Standort auch den Zwiebeln zu schaffen.
Wir waren im Übrigen nicht spät dran, im Gegenteil: Die meisten Gräber waren noch in der Winterdekoration, höchstens abgeräumt, aber wenig frisch eingepflanzt. Auf einem Gräberfeld sahen wir aber, dass der Friedhofsgärtner schon begonnen hatte, bei („seinen“) Gräbern die Frühlingsbepflanzung zu machen, und wenn der Gärtner anfängt, dann kann es für uns auch nicht ganz falsch sein. (Übrigens ist der Friedhofsgärtner der Bruder des alten Freundes, den wir mit der Mutter getroffen hatten, und so passt wieder alles zusammen, wie es halt nur in der Kleinstadt möglich ist.)
Um kurz vor fünf waren wir wieder daheim. Eigentlich wäre es nett gewesen, irgendwo noch einen Kaffee zu trinken oder noch irgendetwas „Schönes“ an diesem Sonntag zu machen, aber die Zeit passte nicht, das Wetter passte nicht, die Gegebenheiten passten nicht. Wir nahmen es uns aber für die kommenden Wochen fest vor. Auf jeden Fall waren aber schon die anderthalb Stunden „Gartenarbeit“ im Wald ganz gut gewesen. Und da das so gut passte und wir sie übrig hatten (naja: übrig gelassen hatten), pflanzten wir noch eine lila Schlüsselblume und zwei Mininarzissen in die beiden Kübel auf der Haustürtreppe.
Restlicher Abend: Ich hängte zwei Maschinen Wäsche auf und bügelte, blätterte dann durchs neueste VF&L-Heft (ich schaue mir endlich mal wieder das Monatsheft im richtigen Monat an und hänge nicht mehr drei Monate hinterher!) und machte uns einen Wochenplan für die kommende Woche. Der Liebste machte uns währenddessen das Abendessen: Bevor wir gefahren waren, hatte er bereits einen salzigen Mürbteig angesetzt und in den Kühlschrank gepackt. Jetzt dämpfte er Kartoffeln in Scheiben, briet einen gewürfelten Räuchertofu an, machte einen Guss aus Cashewmus, Hafermilch und Sojamehl und baute daraus eine Kartoffelquiche. 35 Minuten im Ofen, dann kam sie raus und sah geradezu irritierend wie ein gedeckter Rhabarberkuchen aus. Schmeckte aber nach Quiche und sehr gut.
Zum Abendessen eine Folge The Big Fat Quiz of 2024, nachdem wir zuerst The Big Fat Quiz Of Everything 2025 gestartet hatten und feststellten, dass wir das schon kannten. Das Jahresquiz 2024 kannten wir natürlich auch schon, aber egal, es entsprach meinem Konzentrationslevel. Um kurz nach neun wurde ich sowieso so unglaublich müde, dass ich mich mit Buch ins Schlafzimmer zurückzog und sehr früh das Licht ausmachte.