Durchgeschlafen (yay!), als ich das erste Mal auf den Lichtwecker schaute, war es 6:01 Uhr. Um zehn vor halb stand ich schließlich auf. Katzenmaintenance in der großen Variante, da es draußen immer noch regnete und die Kater offensichtlich keinen Fuß vor die Tür gesetzt hatten, gründliche Küchen- und Aufräumrunde. Leichte Diskussionen mit Magi, der die neue Schilddrüsentablette (niedriger dosiert und rot statt rosa) zwar mit einem Stück Wurst nahm, aber dann gleich wieder ausspuckte (irgendwie schafft er es, drumherum zu kauen). Da die Tierärztin es dem Liebsten noch einmal ans Herz gelegt hatte, die Tabletten (eigentlich Dragees) auf keinen Fall zu zerteilen, und deshalb die Mörser-und-Paste-Variante nicht geht, fischte ich die Tablette also vom Boden und stopfte sie in ein zweites Stück Wurst. Und blieb dieses Mal neben ihm knien, bis er sie sicher geschluckt hatte. Der Honk.
Meine Zielsetzung für den Tag war, die Überstunden der letzten Tage auszugleichen (oder zumindest ein bisschen) und ein wenig zu haushalten, damit nicht alles am Wochenende hängt. Ich fegte gleich mal die Kellertreppe runter. (Spoiler: Das sollte die einzige Haushaltsaktivität des Tages bleiben.) Der Liebste machte uns ein Peanut Butter Porridge, dazu Tee, schreiben, Blick in die Zeitung. Um halb neun startete ich den Arbeitsrechner, und weil da nichts Akutes zu tun war, ging ich duschen. So richtig am Schreibtisch war ich ab halb zehn.
Eigentlich wäre es ein recht ruhiger Tag gewesen mit ein paar administrativen Sachen auf meiner Erlediliste und ein wenig Unterrichtsvorbereitung. Tatsächlich war es der Tag der Kommunikation: Erst ein Anruf auf dem Firmenhandy, dann spontanes Teamsen mit dem Kairokollegen (der noch zur Strategieplanung unten ist), anschließend erst Chatten, dann Teamsen mit der Chefin, die für mein Sommerprojekt ein Dokument fertigstellen musste, dann wieder ein Telefonanruf und noch einmal kurzes Teamsen. Alles natürlich spontan (und da sagt man, im Home Office ist man weniger gestört, haha.) Da war es dann schon so halb zwölf und ich hatte von meinen Punkte auf der Liste nur so ein bisschen was hingekriegt. Noch eine gute Stunde konzentriertes Arbeiten, dann sah es okay aus und ich ging um Viertel vor eins in die Mittagspause.
Der Liebste arbeitete zwar auch daheim, hatte aber gerade über die Mittagszeit ein längeres Meeting, deshalb Pause allein mit dem restlichen Kartoffelbrei mit Erbsen (noch gut, aber nicht mehr so ästhetisch am nächsten Tag, Kartoffelbrei ist nicht so superpraktisch aufzuwärmen) und zwei frisch angebratenen Tofu-Wienern. Danach etwas Kaffee und wieder am Schreibtisch ab Viertel nach eins.
Am Nachmittag recht konzentriertes Arbeiten bis Viertel vor fünf. Noch einmal eine spontane Beratung am Telefon, dazu ein geplanter Beratungstermin, ansonsten hatte ich Zeit für ein paar Punkte zum Abhaken (nicht alles, ein bisschen etwas musste ich auf Montag verschieben) und für Unterrichtsvorbereitung (da kam ich immerhin ganz gut voran). Wichtigstes Ereignis für mich war ein Schritt für mein Sommerprojekt, da das aber noch nicht spruchreif und sicher und fertig ist, bleibe ich hier mal nur im Vagen. Wenn alles geklappt hat (hoffentlich!), gibt es Details.
Leicht hektisch im Nieselregen um Viertel vor aus dem Haus zum Yogakurs. Leicht genervt von meiner schönen, tollen, reißverschlussoptimierten lila-grauen Tasche, in die ich die Yogasachen gepackt hatte. Die hat nämlich aus Indien einen merkwürdigen, muffig-stockfleckigen Geruch mitgebracht (vielleicht vom Teppichboden des Institutsgebäudes dort) und ich finde ihn so langsam richtig unangenehm. Ich muss mal probieren, ob sie sich waschen lässt.
Auf jeden Fall 90 Minuten Yogakurs, und im Vergleich zur letzten Woche war diese Runde jetzt richtig anstrengend (mir sehr recht). Einige lang gehaltene Hunde, viele Stehpositionen zur Balance und Kräftigung, unter anderem einen perfekten Baum und einen perfekten Halbmond (an der Wand, aber egal). Sehr zufrieden. Auch nett, dass die ehemalige Kollegin sich auf Zoom dazuschaltete und immerhin eine gute halbe Session mitmachen konnte, bis ihre kleine Tochter die volle Aufmerksamkeit forderte.
Nach dem Yoga mit dem Liebsten in die Stadt zur Datumsnacht. Dieses Mal gingen wir nicht zum Lieblingsitaliener, sondern zum Al Dente, einem anderen, etwas teureren Restaurant, bei dem man sehr schön sitzen kann und der so ein bisschen als „Genießertipp“ in der Stadt gilt oder zumindest galt.
Sehr schöner Abend, allerdings fand ich jetzt nicht, dass der Preisunterschied zu „unserem“ Italiener durch bessere Qualität gerechtfertigt gewesen wäre. Wobei der Unterschied hauptsächlich durch die Flasche Wein zustande kam – es gab nämlich den etwas günstigeren nicht mehr, nur noch den hochpreisigeren, und dann wollten wir halt nicht nein sagen und nahmen den, und… naja. Schon sehr gut und so, aber wie gesagt, den Unterschied merkte ich jetzt nicht. (Vielleicht ist unser Stammitaliener auch einfach zu günstig.)
Auf jeden Fall teilten wir uns als Vorspeise eine (sehr gute) Platte mit angebratenem Gemüse, danach hatte der Liebste eine unvegane vegetarische Lasagne (gut, aber halt sehr nach Sahne und Käse schmeckend) und ich Orecchiette Pomodoro, die schon gut, aber mir für meinen Geschmack zu wenig al dente waren (was angesichts des Restaurantnamens etwas ironisch ist). Es kann aber sein, dass das bei der Nudelform schwierig zu machen ist. Als Getränk zuerst ein Prosecco (okay, aber der Prosecco bei unserem Italiener ist besser), und dann teilten wir uns eine Flasche Rosé, weil mir eine Flasche Rotwein zu viel gewesen wäre – erstens aus Angst vor Kopfweh am nächsten Tag und zweitens fand ich die angebotenen Rotweine auch deutlich zu teuer. Und dann gab es wie gesagt den ausgesuchten Rosé nicht mehr und wir nahmen den einzigen anderen Flaschen-Rosé auf der Karte, der dann gleich viel kostete wie die ganzen Rotweine. Lol. (Sehr gut war er aber schon.)
Noch ein Espresso, dann gemütlich nach Hause (langsam, ich fühlte mich fast unangenehm vollgefressen) und aufs Sofa. Dort noch ein Grappa als Absacker und zum Abendausklang Olympia, drei sehr jungen asiatischen Menschen, von denen ich im Leben noch nie etwas gehört hatte, beim Gewinnen der Eiskunstlaufkür der Männer zusehen (die haben alle die identischen Frisuren, sehr lustig). Das ist das Nette am Olympiaschauen, wenn man keine Ahnung hat und es einem im Grunde genommen auch relativ egal ist, wer gewinnt: Man kann einfach die fantastische Performance genießen (SO schöne Choreographien, so viel Eleganz!) und sich dann von Herzen mit denjenigen mitfreuen, die gewinnen. In diesem Fall ein junger Mann (sehr jung, er trug noch eine Zahnspange, liebe Güte) aus Kasachstan mit einem wunderschönen Auftritt, der sein Glück kaum fassen konnte. Namen habe ich schon wieder vergessen (Mikhail irgendwas), aber ich gönnte es ihm sehr. Um halb zwölf dementsprechend wohlgestimmt ins Bett.