Die Nacht war okay, aber zu früh vorbei, auch weil der Nasenkater um halb sechs im Zimmer Rabatz zu machen begann. Ich freue mich ja, wenn er bei mir ist, insbesondere wenn der Liebste unterwegs ist, aber eine Stunde später wäre halt auch schön. Nun ja. Aufgestanden um sechs mit ziemlich doofen Kopfschmerzen, was ich auf die Bohnen am Vorabend schob. Erst einmal ausführliche Küchen- und Aufräumrunde und Katzenmaintenance, dann ein kurzer Blick in die Zeitung. Die Aufreger des Tages, nämlich den verhafteten Ex-BND-Chef und vor allem die Wahl des AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt mit vier Stimmen mehr als erwartet, hatte ich am Vortag schon mitbekommen. Es hatte ja wohl niemand ernsthaft geglaubt, dass die CDU, ausgerechnet die Partei, für die „Rückgrat“ ein Fremdwort ist, länger als drei Minuten durchhält, bevor die ersten Leute aus ihren Reihen umkippen und sie für die AfD die Steigbügel hält. Damit ist die Wahl des ersten AfD-Ministerpräsidenten wohl nur noch Formsache. Aufregen kann ich mich schon gar nicht mehr, weil das alles so vorhersehbar ist. Wir sind irgendwo so ungefähr 1931, würde ich sagen.
(…also naja, natürlich nicht wirklich, dass die Analogie hinkt, weiß ich auch. Aber sie ist auch nicht völlig weit weg.)
Bisschen schreiben, kurzer Blick in die Zeitung, drei Scheiben Brot (Erdnussbutter und auf die dritte Nussnougatcreme, weil ich plötzlich so Lust darauf hatte), eine Kanne Kaffee und eine Kanne Kräutertee und plötzlich war es kurz vor acht und ich hatte keine Zeit mehr für eine Dusche.
Also an den Schreibtisch. Dort wurde ich gleich mal von einer ganzen Tonne an Dingen überfallen, die in Indien aufgelaufen waren (dort arbeitete man ja schon ab halb fünf deutscher Zeit). Erster Teamscall mit meiner Kollegin, um ein total blödes Problem zu klären, dann Telefonat mit dem Chef, der eigentlich gerade zum Joggen aufbrechen wollte. Gemeinsam fanden wir einen mehr oder weniger okayen Workaround, aber na ja. Man wünscht sich ein bisschen durchdachtere Prozesse, sag ich mal.
Um neun schnell ins Bad – zehn Minuten für alles, was ungefähr 25 Minuten weniger sind, als ich mir normalerweise nehme, wenn ich mich beeilen muss – dann gleich wieder an den Rechner (jetzt wenigstens in normalen Klamotten und nicht mit Hoodie über Pyjama), in zwei Zoom-Meetings parallel. Multitasking ist ja nicht so meins und ich war dementsprechend gestresst, aber mit viel Hin und Her und Gedöns bekamen wir alles hin (großes Danke an die Kolleg:innen, die es einfach super schaukelten) und ich konnte mich ab zehn für eine Stunde in meinen Onlineunterricht verabschieden.
Anschließend Listen bearbeiten, Dokumente durchsehen, Protokolle ausfüllen, noch zweimal mit der Indienkollegin teamsen, und dann war es fast halb zwei und dringend Zeit für eine Pause.
Mittagspause mit einem sehr energisch meckernden Kater – das Futter scheint ihm momentan wieder ganz grundsätzlich nicht zu schmecken, egal was wir machen. Bisschen blöd. Restliche Minestrone, ich machte mir ein paar frische Nudeln dazu. Und nahm endlich, nachdem es den ganzen Vormittag schlimmer und schlimmer geworden war, eine Ibu gegen die Kopfschmerzen. Dazu Tee, Kaffee, Suppe, und zwanzig Minuten später war das Kopfweh weg. Da hätte ich ja auch mal früher drauf kommen können.
Gegen zwei wieder am Schreibtisch. Der Nachmittag wurde etwas ruhiger, sodass ich Krams abarbeiten konnte und auch noch Zeit für zwei Beratungstermine und einen beaufsichtigten Test-Nachschreibetermin hatte. Der Test, Zwischentest meines Skandinavierkurses, wird von mir über Zoom beaufsichtigt, der Studi musste seine Kamera anhaben, ich schaltete ihm nach einer kurzen Erklärung den Link zum Onlinetest frei und machte bei mir Ton und Bild aus. So konnte er arbeiten und ich hatte ihn einigermaßen im Blick, konnte aber trotzdem nebenher etwas Anderes machen. Wenn er jetzt dringend hätte bescheißen wollen, dann hätte er Mittel und Wege gefunden, aber für die Art von Kurs und in diesem Kontext war das Testsicherheit genug.
Ruhiger Nachmittag heißt aber nicht, dass wenig zu machen gewesen wäre, die Tasks per Mail und auf sonstigen Wegen flogen schneller rein, als ich reagieren konnte. Deshalb wurde es kurz nach halb sieben, bis ich einigermaßen zufrieden war und den Arbeitstag abschloss. Da war der Kater schon mehrfach laut miauend und schimpfend bei mir reinmarschiert (oder hatte, als ich ihm mal die Tür zumachte, um ohne Katzenkulisse teamsen zu können, lautstark vor der Tür weitergemeckert), und der Liebste hatte mir auch schon „hurra, Konferenz vorbei“-Threems geschickt. Höchste Zeit für Feierabend.
Erst einmal ließ ich den Kater auf die Dachterrasse und folgte ihm nach – leicht entsetzt darüber, dass es 20 vor sieben schon dämmrig wird. Dabei war es tagsüber noch so warm, dass ich mittags im ganzen Erdgeschoss die Fenster aufmachte, um die Wärme ins Haus zu lassen (Heizung läuft bei uns immer noch nicht). Trotz Dämmerlicht sah ich noch genug, um eine Schüssel Cherrytomaten zu ernten. Ich hätte ja wirklich nicht gedacht, dass wir immer noch welche bekommen. Die beiden letzten minikleinen Zucchini sind allerdings schon wieder verfault. Das war dieses Jahr einfach nix.
Wieder im Haus dann kurze Katzenversorgung, dann bisschen Aufräumen in der Küche und Kochen: Aus einer Packung Tiefkühl-Sommergemüse, einer Paprika, Pilzen, Zwiebel, Kokosmilch und Currypaste machte ich so eine Art Schnellversion eines Thai Curry, begleitet von Basmatireis. Schnell genug, dass ich zu einer akzeptablen Zeit fertig war. Nur mit der Currypaste hatte ich mich ein bisschen vertan, das Essen war leicht überwürzt. Egal. Nachtisch ein Orangenblüteneis, alles unter der Zielsetzung, die Tiefkühlfächer etwas leerer zu bekommen.
Restlicher Abend: Bisschen lesen, TV blieb aus und ich ging früh ins Bett. Ganz froh, dass das Kopfweh nicht mehr zurückgekommen war, aber die Mischung aus Schlafmangel, übervollen Tagen (und Wochen) und wenig Ausgleich durch Bewegung lässt mich vermuten, dass sie sich nur vorübergehend verzogen haben. Deshalb frühe Schlafenszeit.