Unruhig geschlafen, einigermaßen angestrengt aufgewacht: Vor uns lag der große Tierarztbesuch wegen Magis Zähnen, Zahnsteinentfernung, Medikamente, Vollnarkose, Pipapo, und das alles mit einem alten und herzkranken Tier. Ich war schon leicht gestresst. Und dazu musste er auch noch nüchtern sein! Dramatische Zustände. Seine Paste mit Medikamenten durfte er immerhin bekommen, aber danach wurden wir gleich von zwei Tieren belauert, die uns bei jedem Schritt folgten, uns in stummer Anklage anstarrten und schlicht und einfach fassungslos waren, dass wir sie nicht fütterten. Wir trauten uns kaum selbst zu frühstücken (ich schlug dem Liebsten vorsichtig vor, ob wir nicht vielleicht „aus Solidarität“ mit dem Essen warten sollten, bis wir Magi bei der Tierärztin abgeliefert hätten, wurde aber angeschaut, als hätte ich nicht mehr alle Tassen im Schrank). Schnelles Frühstück mit zwei Brötchen, Frischkäse und restlicher Marmelade, zwei Tassen Tee, dann ins Bad und um kurz vor acht holte ich das Auto. Der Liebste packte währenddessen Magi ein (…zweimal, beim ersten Mal hatte er wohl die Klappe an der Box nicht richtig verriegelt und Magi war wieder rausgelatscht) und stellte dem Nasenkater eine Schüssel Trockenfutter hin.

Bei der Tierärztin kamen wir recht bald dran. Ich sagte Bescheid, dass Magi seit drei Tagen vorne links hinkte und die Treppe nur noch sehr schlecht runterkam. Er wurde gewogen: 4,09 kg, also leider wieder etwas abgenommen. Das alles und die herzkranke Vorgeschichte bedeutete, die Ärztin würde auf jeden Fall noch ein Herzultraschall machen und den Gesamtzustand anschauen, bevor sie eine Vollnarkose machte, einfach zur Risikoabschätzung. Das beruhigte mich ein bisschen: Man presste den alten Kater also nicht ohne Sinn und Verstand in die Narkose, sondern schaute erst einmal (die Zähne waren halt auch nicht extrem akut). Wir ließen das (immer noch hungrige) Tier zurück und fuhren an den heimischen Schreibtisch.
Ab neun bei der Arbeit, viel administrativer Alltagskram und viel Unterrichtsvorbereitung, während wir auf den Anruf warteten. Der kam dann schon um kurz nach halb zwölf: Magi war fertig, wir konnten ihn abholen. Also schnell Sachen abschließen, Rechner runterfahren, Auto buchen, und um zwölf saßen wir bei der Tierärztin. Dort noch etwas Wartezeit (was blöd war, weil mir sehr der Magen zu knurren begann), während wir diverse beleidigte Katzen aus den hinteren Räumen miauen hörten. Unserer mit dabei, zumindest bildete ich mir ein, dass ich ihn heraushören konnte.
Um zwanzig vor eins also das Gespräch mit der Tierärztin, und wie sich herausstellte, hatte sie die Zähne nicht gerichtet. Beim Ultraschall hatte sich herausgestellt, dass ein Vorhof immer noch deutlich vergrößert war, obwohl er ja schon seit Januar ein Medikament fürs Herz bekommt. Da kommen jetzt noch zwei dazu, und in acht Wochen werden wir mal schauen müssen, ob sich etwas verbessert.
Gute Nachricht allerdings: Er bekommt jetzt seit einem Jahr das Cortison wegen des vermuteten Lymphoms, und dass sich sein Zustand in der Zeit nicht verschlechtert hat, spricht eher dafür, dass die anfänglichen Blutwerte nicht auf ein Lymphom hindeuten, sondern auf ein Darmproblem, was man deutlich besser behandeln könnte. Wir werden jetzt also das Cortison reduzieren und schauen, was passiert.
Und dann die Sache, die den Kater wahrscheinlich am meisten nervte (neben dem leeren Bauch, aber nachdem die Ärztin entschieden hatte, die Narkose sein zu lassen, war er schon ein bisschen gefüttert worden): Er hatte eine ordentliche Krallenbettentzündung links. Die Kralle war gespült und lokal mit Antibiotika versorgt worden (wir bekamen auch Tabletten mit), und er hatte jetzt einen dicken, unförmigen Verband am linken Fuß. Den er natürlich SO SEHR nervig fand.
Daheim also erst einmal einen bedröppelten Kater aus der Box gelassen. Er humpelte gleich zur Futterschüssel und fraß hektisch zweieinhalb Schüsseln leer, als hätte man ihn vier Tage hungern lassen (…dabei hatte er ja bei der Tierärztin seine Morgenportion bekommen). Und dann legte er sich beleidigt aufs Sofa, wo er am Verband herumzulecken begann (eigentlich hätte er ihn vermutlich gern abgenagt, aber er hat ja nicht mehr so viele Zähne).
Den Nasenkater ließen wir in den Garten und stellten dann die Katzenklappe so um, dass man zwar rein- aber nicht rauskonnte. Und dann konnten wir endlich essen, die restliche Portion Krautnudeln.
Ab zwei war ich wieder am Schreibtisch, bis kurz nach sieben: Erst einmal ein längeres Abteilungsmeeting, anschließend ein bisschen Orgakrams, Kommunikation und Unterrichtsvorbereitung. Wo ich mehrfach ChatGTP nach Ideen und Übungsvorschlägen fragte, weil mir einfach die Inspiration fehlte. Die Ergebnisse waren teilweise richtig gut, ich war echt etwas überrascht (bis jetzt waren die Unterrichtsideen manchmal ein bisschen halbgar gewesen, was man halt erwarten kann, wenn ein Programm den Wissensdurchschnitt aus dem Netz nimmt). Am Ende hatte ich einen ganz guten Plan – mal sehen, wie er in der Realität funktioniert.
Um halb sechs unterbrach ich das Arbeiten kurz, um den Katern ihre Medikamente zu geben (Magi noch in der alten Dosierung, Umstellung erst ab Donnerstag). Ein Riesenschreck beim Füttern: Während Magi auf der Treppe saß und den Hals lang machte, drehte ich ihm den Rücken zu und mörserte die Medikamente. Plötzlich ein Flatschgeräusch, und da lag er neben mir auf dem Boden: Er hatte offensichtlich, vermutlich durch den dicken Klumpfußverband an der Pfote, das Gleichgewicht verloren und war die Treppenkante heruntergefallen. Richtig abfangen ging natürlich auch nicht, so war er auf dem Bauch gelandet.
Furchtbarer Schreck erst einmal bei mir, Magi schien es weniger auszumachen: Er ließ sich kraulen, latschte wieder hoch und wollte sein Medikament. Er schien sich nicht verletzt zu haben. Trotzdem war mir das zu gefährlich. Ich sagte also dem Liebsten Bescheid, dass er sich irgendeine Absperrung für die Treppenkante überlegte (er drapierte einen alten Wäscheständer mit Kabelbindern über die Lücke), und ging dann aus dem Haus, einmal schnell Dokumente für die Arbeit wegbringen und dann ein drittes Katzenklo kaufen. Das brauchten wir sowieso. Das Katzenklo stellte ich vorläufig mal im Erdgeschoss auf, damit Magi auf einer Ebene Schlafplatz, Klo, Futter und Trinken hatte und wenig Treppen laufen musste. Außerdem brachte ich ihm einen kleinen blauen Teddy mit. Das arme, kranke Tier.
Irgendwann Feierabend, der Liebste hatte uns ein Dhal mit roten Linsen und Pilzen gekocht, mit frischem Spinat (gibt es regional, yay) und frischem Koriander (fängt gerade wieder im Hochbeet an zu wachsen, hihi). Sehr gutes Essen. Als Abendunterhaltung schauten wir den aktuellen Tatort vom Sonntag an (Kiel, düstere Geschichte mit etwas an den Haaren herbeigezogenem Ende, aber schon in Ordnung).
Magi schien währenddessen wohl kein Interesse daran zu haben, sich nur auf einem Stockwerk aufzuhalten, und humpelte die Treppe hoch ins Schlafzimmer. Wo ich ihn dann um zehn friedlich schlafend im Bett fand. Natürlich brachte ich es nicht übers Herz, ihn wieder runterzuscheuchen. Also legten wir ihn samt Handtuch (und Teddy) so auf die Seite, dass ich daneben Platz hatte, und die Zimmertür ließ ich offen. Eigentlich hatten wir ja auf „Katzen nachts nicht im Schlafzimmer“ umgestellt, weil Magi so wahnsinnig nervig gewesen war und sich das auch nicht abgewöhnen ließ, aber jetzt war er halt auch ein kranker Hase. Mit Trauermiene.