Ostershoppen und Ende der Fastenzeit, Samstag 4.4.2026

  • Beitrags-Kategorie:Tagebuch

Etwas mehr Wachliegephasen in der Nacht, als mir lieb gewesen wären, vor allem wurde ich frühmorgens wach, konnte nicht mehr schlafen und sah dem Dämmerlicht draußen zu, wie es langsam zunahm. Nun ja. Aufgestanden um zehn nach sieben und von zwei schon sehr ungeduldigen Katern empfangen worden. Katzenmaintenance und Küchenrunde, außerdem druckte ich das Dokument für meine Weiterbildungsaufgabe auf, das ich gestern mühsam angelegt, aber halt noch nicht inhaltlich gefüllt hatte. Aus diversen Gründen (vor allem, weil ich dann mit einem Papierbuch arbeiten und im Dokument handschriftlich Notizen machen kann) liegt es jetzt ausgedruckt da und ich hoffe, der letzte – eigentliche – Arbeitsschritt geht dann zügig.
Erst einmal aber Samstagmorgen. Tee, schreiben, ich machte uns einen Einkaufszettel (in der Hoffnung, dass im Alnatura nicht die Hölle los sein würde). Irgendwann stand der Liebste auch auf, machte uns ein Müsli zum Frühstück, dazu ein bisschen Zeitung, ein Blick ins Internet unter die Dusche, und plötzlich war es schon elf und wir später dran zum Einkaufen als gedacht. Hm.

Ziemlich viel unterwegs an diesem Samstag: Wir gingen erst einmal den Wocheneinkauf in Alnatura und dm erledigen (viel los, aber noch okay, es kam gerade ein Schwung Leute rein, als wir fertig waren), dann Zeug wegräumen, zweiter Tee, Mittagessen (restliches Curry). Eine kleine Pause im Lesesessel, der Liebste rührte uns noch schnell einen Bisquitteig für ein Osterlamm zusammen und steckte es für 40 Minuten in den Ofen (gelang hervorragend), und um kurz vor zwei wieder los in die Innenstadt. Das Wetter war mittlerweile sehr angenehm, sodass ich unter der roten Jacke nur einen Hoodie trug, und Schal und Mütze brauchte man auch nicht unbedingt. Dafür eine Sonnenbrille.

Jede Menge Leute in der Stadt, was uns aber egal war, wir hatten ein spezifisches Ziel: Unser Spirituosenhändler hatte per Stammkunden-Newsletter zu einer Gratis-Spritzverkostung in seinen Hinterhof eingeladen. Und da das Sommeraperitif-Wetter ja quasi schon am Horizont auftaucht, waren wir natürlich sehr neugierig.
Erst einmal die Location. Diese uralten Altstadthäuser haben sehr oft von außen nicht sichtbar „nach hinten“ richtige Kleinode an versteckten Plätzchen, klitzekleine Gärtchen, Hinterhöfe, Balkone, Dachterrassen. Natürlich nicht immer, manchmal ist der Hinterhof auch ein feuchtes, dunkles Eck, wo man die Mülltonnen lagert, aber oft ist es schon sehr nett. Der Hinterhof hier war so ein Mittelding: Es wurden zwar Mülltonnen und Paletten und Bierkisten gelagert (es war halt ein Getränkehändler), aber es gab auch Stehtischchen und Bänke und eine Art kleiner Laube, mit Wein überwachsen. Nicht viel Platz, dadurch aber recht gemütlich.

Fünf Spritzgetränke waren im Line-Up, von denen wir vier probierten (der fünfte war eine alkoholfreie Variante des vierten): Eine Aperol-Variante, die etwas weniger süß war (aber für mich immer noch etwas zu viel), einen auf Yuzu basierenden Aperitif, wunderbar frisch und zitronig, und dann zwei, die wir am Ende mitnahmen (um mal von dem ewigen Aperol wegzukommen): einmal einen venezianischen Select Aperitivo, ein sehr angenehmer kräuteriger Bitter, den ich sehr mochte, bis auf die Tatsache, dass er mit Olive serviert wurde, was ich für völlig unnötig hielt, aber nun ja. Muss man nicht obligatorisch rein machen. Und der zweite war ein Lavendellikör, Lav’a Belle, mit original Kräutern und Lavendel aus der Provence, allerdings trotzdem in Deutschland erfunden und hergestellt. Nicht nur eine sehr krasse Farbe, sondern auch ein ungewöhnlicher, herber Geschmack, mit etwas Rosmarin im Glas hervorragend. Natürlich alles mit Prosecco und Soda auf Eis. Und in kleinen Probierportionen, wir wollten ja nicht vier ausgewachsene Spritz zu Mittag trinken, aber auf jeden Fall beendeten wir damit die Fastenzeit einfach einen Tag früher.

Anschließend etwas durch die Stadt mäandert und für einen kleinen „Snack“ beim veganen syrischen Imbiss in der Unterstadt angehalten – nur dass daraus dann (keine Ahnung, wie das passiert ist) ein ausgewachsenes zweites Mittagessen wurde, mit einem Kartoffelbörek, einem Auberginenbörek, einer Portion Salat, zwei Simit und noch ein paar Keksen und Baklava hinterher. Alles sehr lecker, aber wir waren halt pappsatt danach und hätten eigentlich wirklich nicht so viel gebraucht.

Anyway. Wir gingen noch zum Teehaus und ich kaufte zwei Tees, die auf meiner Trelloliste standen. Ich möchte jetzt nicht direkt eine große Teesammlung aufbauen (im Gegensatz zu Wein oder Whiskey wird Tee bei langer Lagerung nicht besser, und ich habe bereits sechs Schwarztees und zwei grüne Tees daheim), aber ein paar Varianten möchte ich schon gern, jetzt wo ich so viele Grüntees ausprobiert habe. Ich nahm also einen Kabusé mit (in einer 50-Gramm-Portion – Kabusés sind recht teuer – und dafür eine kleine, cremefarbene Teedose) und 100g von einem chinesischen Gunpowder. (Der wiederum mit 4,90 für 100g erstaunlich günstig. Mein „Alltags“-Jasmintee kostet deutlich mehr.)

Letzter Stopp Schreibwarenladen, wo ich mir endlich einen neuen Geldbeutel kaufte (mein alter, roter gefällt mir immer noch sehr, fällt aber mittlerweile einfach komplett auseinander). Leider aus Leder – wir haben trotz längerer Suche keine vegane Variante gefunden, die unseren Wünschen und unserem Platzbedarf entspricht. Ich habe einen aus Stoff daheim, der aber so dick ist, dass er in keine Hosentasche mehr passt, und einen aus Gummi, zwar eine lustige Upcycling-Idee, der aber schon nach wenigen Monaten einzureißen begann.

Auf dem direktesten Weg nach Hause – mittlerweile war es fünf – und dort eine Kanne von dem Gunpowder gekocht (noch nicht so ganz überzeugt, er schmeckte recht lahm) und eine längere Pause mit Lesesessel und Buch. Um kurz nach sechs gingen wir noch einmal schnell zum Baumarkt, Blumen holen (für Ostern haben wir einen Friedhofsbesuch geplant), etwas unzufrieden, weil wir mal wieder die Phase verpasst haben, in der man im Baumarkt Frühblüher bekommt. Aber egal, auf den Gräbern sind sehr viele Blumenzwiebeln vergraben, damit sind die Frühblüher mehr oder weniger abgedeckt. Wir nahmen halt ein paar Stauden und Zeugs mit.

Gegen halb acht gingen wir aus dem Haus, zu unserer klassischen Datumsnacht, die wir wegen Karfreitag auf Karsamstag verschoben hatten. Bisschen blöd halt, dass wir nachmittags noch so viel gegessen hatten, dass wir eigentlich gar nicht so richtigen Hunger hatten. Nun ja. Für mich war es trotzdem okay, aber der Liebste fühlte sich nicht so wohl und litt am Ende etwas unter dem vollen Magen.
Wir gingen (Fastenzeit jetzt ja für vorbei erklärt) zu unserem liebsten Altstadtrand-Italiener und hatten dort sehr gutes Essen: ein gemischter Salat, Pizzabrot, dann Spaghetti Pomodoro für den Liebsten, Penne Arrabbiata für mich. Auf den Prosecco vorneweg und den Espresso hinterher verzichteten wir, aber ein Glas Wein zum Essen gab es schon, einen Primitivo für den Liebsten und einen (sehr guten) Nero d’Avola für mich. Und dann noch etwas mehr Primitivo, weil der Liebste (der sich wirklich sehr vollgefressen fühlte) seinen Wein nicht schaffte und ich übernahm. Und am Ende wurden wir vom Wirt noch auf einen Grappa eingeladen, was natürlich super war, aber damit merkte ich den Alkohol halt schon ziemlich. Dementsprechend ging ich daheim auch gleich mit Buch ins Bett. Insgesamt: sehr ausgefüllter, sehr positiver Shoppingtag.