Merkwürdige Nacht, die damit begann, dass ich ewig nicht einschlafen konnte (typisch Folge von „auf dem Sofa eingepennt“). Und dann begann ganz komisch erst der linke Fuß zu kribbeln, die Zehen vor allem, dann ein wenig die rechten, dann auch die Finger. Keine Ahnung, was das war – in erster Linie war es der operierte Fuß, aber was da kribbelte, erschloss sich mir nicht. Da ich aber den kompletten Freitag quasi ausschließlich gearbeitet und mich so gut wie nicht bewegt hatte, stand ich irgendwann auf und gab mir noch einmal eine Thrombosespritze – keine Ahnung, ob das Kribbeln wirklich von schlechter Zirkulation kam oder was, aber ein Fehler war es vermutlich nicht. Auf jeden Fall schlief ich danach okay und wachte am Morgen um Viertel vor sieben erst auf. Was auch daran lag, dass ich die Schlafzimmertür ausnahmsweise zugemacht hatte (der Kater hatte stattdessen den früh aufgestandenen Liebsten belagert).
Am Morgen stellte ich erst einmal Harold auf Winterzeit um, machte bei ihm den Timer für das automatische Saugen wieder an und räumte für den Samstagseinsatz die Sachen weg. Der Timer war vom Urlaub noch aus und ich hatte – habe – das Bedürfnis, wieder so viel wie möglich Alltag zu haben, auch wenn ich noch hinke und so. Arbeiten tue ich ja sowieso wieder normal.
Apropos arbeiten, vor mir ein kompletter Arbeitstag, weil ich ja durch den übervollen Freitag überhaupt keinen Unterricht vorbereitet hatte. Dem Liebsten schien es zumindest etwas besser zu gehen, aber wie viel an normalem Haushaltskram wir heute unterkriegen würden, blieb abzuwarten. Jetzt erst einmal Tee und schreiben und Frühstück.
Ruhiger Morgen. Der Liebste (dem es tatsächlich wieder ok ging, Fieber war weg) holte uns Brötchen zum Frühstück, ich machte uns eine Kanne Kaffee und mir eine Kanne Bancha (schon länger nicht mehr gehabt). Dann bisschen schreiben. Die Stimmung war allerdings nicht so toll, wir waren beide voneinander und von Körperlichkeiten und von der gesamten Gemengelage reichlich genervt. (Eigentlich würde ich da ja sagen, es wäre Zeit für Urlaub, aber den hatten wir ja erst. Fühlt sich nur nicht so an.) Und dann halt arbeiten und so, naja.
Deshalb also tagsüber nicht viel zu berichten. Ich ging um zehn ins Arbeitszimmer und war dort mit Vorbereitung und Korrekturen beschäftigt bis halb eins. Dann Dusche und Mittagessen (restlicher Linseneintopf), außerdem schauen, was der Liebste so beim großen Wocheneinkauf besorgt hatte (ich wäre tatsächlich gern mitgegangen, aber normales Gehen ist halt nicht möglich – auch wenn ich jetzt versuche, auf der Treppe wieder ein kleines bisschen abzurollen und eine Stufe auf einmal zu nehmen. Geht treppauf schon ganz okay). Wischen ließ ich bleiben, das Harold-Saugen musste reichen.
Ab zwei wieder am Schreibtisch, und zwar tatsächlich mehr oder weniger durchgehend (nur von diversen Tassen Tee unterbrochen) bis sieben Uhr. Am Ende hatte ich acht Stunden Unterricht vorbereitet (für Montag und Dienstag), dazu korrigiert, einen Kurs organisatorisch angelegt (in unserer Lernplattform und auf Teams) und nebenher, weil ich eine Information aus meinen E-Mails brauchte, noch einen Schwung Mails beantwortet, die auf meine Mail-Runde vom Freitag gekommen waren. Ich war sehr zufrieden, und als ich die Tasche für Montag packte (dort wieder ins Büro geplant), hatte ich das Gefühl, echt richtige Fortschritte gemacht zu haben.
Der Liebste hatte den Nachmittag im Bastelverein verbracht und kam gegen halb sieben nach Hause. Noch schnell zum Supermarkt nebenan, dann kochte er und ich assistierte ein bisschen und schenkte uns beiden ein Feierabendbier ein (SO verdient). Das Essen wurde ein „Filo Pie“ aus einem alten VF&L-Heft, im Grunde genommen ein deftiger, dunkler Eintopf aus Pilzen und Riesenbohnen, der dann mit einer Haube aus Filoteig in der Auflaufform noch 20 Minuten in den Ofen kommt. Sehr gutbürgerliches, sehr englisches, gutes Essen.
Das Kochen (wie auch schon die Arbeit ab ungefähr fünf) war übrigens durch die Tatsache erschwert, dass wir im ganzen Haus das Licht aus hatten, nur in meinem Arbeitszimmer natürlich nicht, aber da habe ich die quasi lichtdichten, dunklen Vorhänge. Als der Liebste kochte, war außer in der Küche sonst auch alles aus, und wir hängten sogar eine Decke über die Eingangstür, damit durch die Glasscheibe dort kein Licht dringt. Das funktionierte: Es wurde einmal Halloween-bezogen geklingelt, sonst nicht. Dabei waren echt viele Kinder unterwegs (und viele auch mit ihren Eltern, was ich eine gute Idee finde). Vielleicht setzt sich das ja so langsam durch, dass man bei Häusern, die nicht ausdrücklich durch Außenlicht an und/oder beleuchtete Kürbisse oder ähnliches ein Positiv-Signal setzen, nicht mehr klingelt. Wäre natürlich großartig.
…und wenn dieser ganze Quatsch dann so langsam in normale, nicht völlig überzogene, dämlich amerikanisch abgekupferte Bahnen geht, dann überlege ich mir tatsächlich, ob wir nächstes Jahr mal Süßkram kaufen und das Licht anlassen. Vielleicht ist das ja sogar ganz nett? Oder es geht mir furchtbar auf die Nerven, na ja, dann weiß ich das wenigstens.
Restlicher Abend mit den Rookies auf dem Sofa. Draußen verzogen sich währenddessen die Kostümkinder und offensichtlich übernahmen die, keine Ahnung, jungen Erwachsenen? das Ruder. Es wurde immer wieder geböllert (WTF, wir werden doch bitte keinen zweiten beschissenen Böllerei-Feiertag bekommen oder was), und bei den Nachbarn links nebenan stieg in Haus und Garten eine große Halloween-Party. Das fand ich allerdings sehr nett: Das Haus stand ewig leer, dass da jetzt wieder junge Leute eingezogen sind, ist sehr schön. Die Straße kann ein bisschen Leben vertragen. Und als ich um elf ins Bett ging, war es auch schon wieder leise.
Vor dem Bett kam dann allerdings noch ein kleiner Schock. Ich bat den Liebsten nach oben, um mir mit einem neuen Pflaster über meiner Naht zu helfen, und als ich die Socken auszog, sah ich, dass mein Fußrücken links fast komplett rot-blau angelaufen war. Es sah nach einem neuen Hämatom aus, das am Morgen definitiv noch nicht da gewesen war. Die Schwellung war auch wieder schlimmer geworden. Scheinbar ist so ein normaler Arbeitstag am Schreibtisch (zwei hintereinander, der Freitag war ja auch so voll) für den Fuß dann doch noch zu lang, vor allem wenn ich das Bein nicht hochlege. Hm. Das stellt meine Montag-Büropläne natürlich wieder etwas in Frage. Seufz. Ich nahm auf jeden Fall noch einmal eine Thrombosespritze vor dem Schlafengehen und hoffe mal, dass sich der Fuß die nächsten Tage mal ordentlich berappelt.