Familienharmonie und düstere Weltlage, Samstag 3.1.2026

Nachts aufgewacht und ewig wachgelegen, doofe Gedanken gewälzt. Irgendwann wieder eingeschlafen und sehr unruhig geträumt (super) und dann mit knalligen Kopfschmerzen aufgewacht (yay). Das nächste Mal aufwachen kam um zwanzig nach sieben, als der Liebste an die Tür klopfte (er war schon eine Weile wach, hatte die Kater versorgt und Wäsche abgehängt).
Erst einmal langsames Aufwachen (also von mir, der Liebste war glockenwach und laberte mich etwas voll), Tee, Müsli. Und vorsichtiges Freuen auf den Tag: Auf an den Bodensee zum Winter-Geschwistertreffen.

Viel Zeit hatten wir allerdings nicht, nach dem Frühstück und einem schnellen Blick ins Internet gingen wir duschen und packten unsere Sachen zusammen. (Zu diesem Zeitpunkt bereits die Guardian-Push-Meldung auf dem Handy von „unklaren Explosionen“ in Caracas.)
Um kurz nach halb zehn fuhren wir los. Ich fühlte mich immer noch nicht wirklich fit, auch wenn das Kopfweh sich zurückgezogen hatte, deshalb bat ich den Liebsten zu fahren. Ich war dankbar dafür: Es hatte in der Nacht geschneit, und bei uns lag zwar nur ein bisschen Puderzuckerschnee im Garten, die Straßen waren frei, aber wir mussten ja über die Schwäbische Alb und den Schwarzwald, und dort sah es anders aus. Der Seitenstreifen der Autobahn war durchgehend weiß, teilweise auch die linke Spur, und an den Rändern lag der Schnee sowieso. Auf Höhe Engen kamen wir dann auch noch in einen Unfall, der zwar schon fast wieder geräumt war (wir sahen nur noch das Auto mit kaputter Front dastehen), aber es gab trotzdem noch einen 4-km-Stau und eine Verzögerung. Oh well. Ich war auf jeden Fall froh, als wir heil angekommen waren.

In Konstanz angekommen kurz zu meiner Schwester, S und R und den Patenneffen begrüßen, dann gingen wir zu Fuß zum italienischen Restaurant. Mein ältester Bruder W mit C waren schon da (beide aus der Schweiz, sie hatten den Vormittag für ein bisschen günstiges Einkaufen genutzt), Bruder E (seit neuestem auch wieder in der Schweiz wohnhaft) kam kurz darauf.
Insgesamt ein sehr, sehr schöner gemeinsamer Tag. Dominiert natürlich von vielen Gesprächen quer über alle Themen und Gesprächspartner, von leicht und einfach bis hin zu detailliert und persönlich. Teilweise hatten wir uns ein halbes oder sogar ein ganzes Jahr nicht mehr gesehen, es gab also einiges auszutauschen. Auch das Restaurant war wirklich gut, nur hatten sie überhaupt gar kein einziges veganes Angebot (von zwei Vorspeisen – Oliven mit Pizzabrot oder Bruschetta – mal abgesehen), und der Liebste und ich waren zu müde zu fragen, also nahmen wir nach den Bruschetta als Vorspeise einmal Gnocci mit Ofengemüse und Pesto für mich und eine Pizza Margherita für den Liebsten. (Die Pizza dann wie erwartet sehr käselastig.) Zu trinken einen Crodino Orange (gute Kombination mit Orangensaft, muss ich mir merken) und danach einen Espresso. Sehr satt am Ende.

Nach dem Restaurant eine kleine Spazierrunde am See entlang und durch die Stadt (allerdings das nicht lang: Die Innenstadt war sehr voll). In Konstanz lag deutlich mehr Schnee als bei uns und es war ordentlich kalt (ich schätze so minus fünf Grad). Wir waren alle etwas durchgefroren nach dem Spaziergang. Deshalb brachten wir W und C gegen drei zum Zug und gingen dann zu fünft in ein Café in der Innenstadt, ein bisschen aufwärmen. Die anderen aßen Kuchen, ich beließ es bei einem doppelten Espresso (der Kuchen sowieso nicht vegan und ich wie gesagt sehr satt).
Dann war es kurz vor fünf und wurde dunkel, wir wurden müde und dachten ans Heimfahren. Verabschiedeten also E, der mit dem Auto zurück in die Schweiz fuhr, und gingen zu S und R nach Hause. Dort noch einmal kurz aufwärmen, ich bekam nun plötzlich doch Lust auf etwas Süßes und teilte mir mit dem Liebsten ein paar Lebkuchen, und um zwanzig vor sechs machten wir uns auf den Rückweg.

Der Liebste fuhr auf meine Bitte auch zurück, erstens weil es dunkel war und zweitens, der wichtigere Grund, weil ich Autofahren im Winterwetter wenig gewohnt bin. Und Winterwetter hatten wir: Den ersten Teil am Bodensee entlang waren die Straßen trocken und frei, aber kaum waren wir im Schwarzwald, begann es ausdauernd und heftig zu schneien. Wunderschön natürlich, aber der Schnee blieb auf der Straße liegen (minus drei Grad zeigte das Auto an) und die Sicht war nicht so wirklich super. Glücklicherweise war es nicht glatt und insgesamt sehr wenig Verkehr, sodass wir gut durchkamen, aber ich war trotzdem froh, als wir sicher daheim waren.

Daheim schnelle Katzenversorgung, dann machten wir die vom Freitag übrige Minestrone warm (mit ein paar frischen Nudeln) und zogen uns zu einem Feuer im Ofen aufs Sofa zurück. Einmal nach Blaulichtcontent geschaut (es gab aber nichts Neues), und dann den restlichen Abend auf der Raumstation, begleitet von einem Kilkenny (die Kopfschmerzen hatten sich im Lauf des Tages verabschiedet) und mit einem Kater auf dem Bauch.

Und ohne Nachrichten. Wir hatten während der Autofahrt über die Radionachrichten schon die neuesten Entwicklungen mitbekommen und ich schielte den Tag über immer wieder aufs Handy, wo der Guardian eifrig Push-Nachrichten sendete, sodass wir einigermaßen im Bilde waren und keine detaillierten Nachrichten mehr wollten. Zumal wir uns beide während der Fahrt über die Nachrichten aus Venezuela schon genug aufgeregt hatten. Was für eine unfassbare Missachtung von internationalem Recht ist es, ein anderes Land zu überfallen, das dortige Staatsoberhaupt (ja, ich weiß, nicht rechtmäßig gewählter Diktator bliblablub, das rechtfertigt keinen Angriff) samt Ehefrau zu entführen und außer Landes zu bringen, und zwar mit der Rechtfertigung „wir haben nach amerikanischem Recht gehandelt“? WAS ZUR HÖLLE??? Immer wenn ich denke, meine Verachtung für den US-Schläger und seine Speichellecker-Truppe könnte nicht mehr größer sein, setzt Trump noch eins obendrauf. Und natürlich: US-Firmen werden sich jetzt „um das Öl-Geschäft kümmern“, es geht mal wieder ums Öl, ich fühle mich wie in den 90ern. Meine Güte. Wie auf Mastodon jemand schrieb: Wir können in Deutschland wirklich dankbar sein, dass wir keine Bodenschätze haben, die für irgendein anderes Land interessant wären. Puh.

In diesem Sinne, also nur sehr indirekt, aber irgendwie schon: Ich habe jetzt die Entscheidung getroffen, meinen privaten Laptop auf Linux Mint umzustellen. Ein paar Tage Urlaub sind noch übrig: Mal sehen, ob ich das in dieser Zeit hinbekomme. Mein guter Vorsatz fürs neue Jahr.