Terminstress, Freitag 21.8.2026

  • Beitrags-Kategorie:Tagebuch

Mitten in einer Traumphase, als der Wecker piepste – was genau ich träumte, weiß ich schon nicht mehr, aber es war ein intensiver, ereignisreicher Traum und überhaupt nicht dafür geeignet, vom Wecker unterbrochen zu werden. Meine Güte. Ich brauchte auch ein paar Mal snoozen und eine zunehmend aufgeregtere Katze neben mir (er hatte die ganze Nacht bei mir geschlafen), bis ich aufstehen konnte. Die Dachterrasse verschob ich auf später, stattdessen Katzenversorgung – der Kater nahm zu meiner Freude nicht nur seine Medikamente klaglos, sondern fraß auch eine komplette Packung Nassfutter – und ausführliche Küchenrunde, dann Tee. Alles ohne den Liebsten, der offensichtlich noch müder war als ich und die Aufstehzeit komplett verschlief. Um halb acht ließ er sich schließlich oben sehen.

Müsli zum Frühstück, schreiben, schnelle Dusche, dann goss ich ein bisschen auf der Dachterrasse, knipste an den Tomatenpflanzen die frischen Blüten ab und erntete eine Schüssel voll. Außerdem wieder eine Zucchini. Bin sehr gespannt, wie lang die Ernte da oben noch klappt – die Tomaten scheinen sich ihrem natürlichen Ende zuzuneigen, aber Zucchini und vielleicht auch Paprika könnten wir noch bekommen.

Um kurz nach neun war ich am Schreibtisch. Den Vormittag über relativ angespanntes Arbeiten mit zwei Terminen, schneller Unterrichtsvorbereitung für den Abend und viel, viel Orgakram. Während der Zoom-Termine waren die Handys stumm, und als ich sie nach dem zweiten Termin wieder anschaltete, sah ich auf beiden Handys, geschäftlich und privat, jeweils einen entgangenen Anruf im Display.
Der geschäftliche Anruf war schnell erledigt, nur eine Kundenfrage, die ich mit einem Rückruf abhakte, aber der private Anruf irritierte mich etwas. Mich ruft normalerweise nie jemand auf dem Handy an (also – fast nie, vor drei Tagen meldete sich Lieblingsmensch S aus Berlin, er ist mittlerweile vom Festnetztelefonierer umgestiegen und nutzt sogar Signal), und die Nummer war auch nicht mobil, sondern mit lokaler Vorwahl. Und zwar von der Uni, soweit ich das erkennen konnte. Ich rief also mit leicht negativer Vorahnung zurück und landete prompt beim Belegmanagement der orthopädischen Uniklinik. Wo man mir die Mitteilung machte, dass man meinen Fuß-OP-Termin verschieben müsse, um zwei Tage nach hinten.

Eigentlich nicht so furchtbar schlimm, und an dem neuen Termin habe ich auch wenig Anderes, also kein Problem. NUR. Ich hatte ja geplant, Mitte Oktober wieder nach Indien zu fliegen, und aus diversen Gründen wurde das dann zwei Wochen nach vorn geschoben und ist dadurch schon furchtbar knapp nach dem OP-Termin, und jetzt mit der OP-Verschiebung nach hinten passt es halt endgültig nicht mehr. Was für ein Riesenmist. Ich war erst einmal ziemlich frustriert. Diese ganzen Herbstsachen wären ja für sich genommen schon stressig genug (OP, wenn auch nur ambulant, aber trotzdem! Dann auf einer Tagung einen Workshop leiten! Dazu nach Indien fliegen! Direkt danach dort wieder Prüfungen abnehmen!), wurden noch einmal stressiger, weil Indien nach vorn verschoben wurde (der Arzt sagte „14 Tage Bein hochlegen“, und an Tag 15 dann eine 24-stündige Anreise über drei Flughäfen, what could go wrong), und jetzt auch noch DAS, und ganz ehrlich: Das geht halt nicht. Aber ich bin ja notorisch schlecht erstens darin, Verpflichtungen nicht erfüllen zu können und zweitens, von ausgearbeiteten Plänen abzuweichen (ein Teil des Stresses war auch meine Empörung darüber, dass alle einfach ihre Termine verschieben, was ist los mit denen, haben die ihre Kalender nicht im Griff oder was), und deshalb, naja. Ich schwankte halt zwischen Laptop an die Wand werfen und in Tränen ausbrechen. (Machte dann beides nicht.)

Erstmal kurz meinem Chef geschrieben („hast du heute Nachmittag 5 Minuten?“), dann Mittagspause mit dem Liebsten. Der sofort sagte, also Indien weniger als zwei Wochen nach der OP, das geht halt einfach nicht. Ist dann halt so. Muss die Firma eine Lösung finden. (Stimmt schon, nur leichter gesagt als getan.)
Zum Essen zweite Hälfte Linseneintopf, danach Kaffee und eine Box White Coffee-Eis (leicht unvernünftig, denn der Eintopf war schon eine ziemlich große Portion, mir war etwas schlecht danach). Und um zwei ging ich ins Büro. Nicht ohne mich vorher einzupacken: Die Temperaturen sind in den letzten zwei Tagen um locker 10 Grad gefallen, es hatte maximal 20 Grad und regnete in Strömen. (Endlich Regen!) Socken, lange Hose und leichte Strickjacke hatte ich sowieso schon an. Dazu Sneaker in den (regendicht eingepackten) Rucksack gepackt, Gummistiefel, Regenjacke und Regenschirm, und damit kam ich trocken an. Und noch nicht einmal verschwitzt, denn es war wie gesagt wirklich frisch.

Den Nachmittag über noch ein bisschen Orgakram, ein Beratungstermin und ein längeres Gespräch mit dem Chef. Gemeinsam bastelten wir an einer Lösungsmöglichkeit, und wenn alles gut geht (es muss noch endgültig festgeklopft werden), dann werde ich vermutlich für den Termin im Oktober ersetzt werden können. Ich würde dann stattdessen wahrscheinlich im November fliegen. Von der Ersatz-Kollegin bekam ich tatsächlich kurz vor dem Wochenende auch noch ein halbes Okay. Damit immerhin ein kleines bisschen vorsichtige Erleichterung bei mir.

Um fünf hatte ich dann noch Unterricht. Sehr ungewöhnlich für mich am Freitagabend (und den Yogakurs musste ich deshalb auch ausfallen lassen), aber der Kollege ist halt krank (nächste Woche hoffentlich wieder am Start), also sprang ich ein. Und hatte beim Unterrichten einfach wieder sehr viel Spaß, auch wenn meine Planung nicht so ganz passte, aus diversen Gründen, aber egal. Nette Leute, und so mit einer Gruppe zu interagieren ist einfach schön. Wenn die Gruppe passt, aber das tut sie meistens.

Um sieben war ich endgültig fertig und wurde vom Liebsten für unsere Datumsnacht abgeholt. Der Regen hatte aufgehört, und meine Strickjacke packte ich in den Rucksack: Mit Regenjacke und vor allem den Sneakern an den Füßen war mir ziemlich warm. Etwas blödes Wetter, wo man sich wieder nicht richtig anziehen kann. (Aber sehr froh insgesamt über die Abkühlung.)
Zum Essen gingen wir zum Asiaten in der Wilhelmstraße. Dort für den Liebsten ein bisschen Sushi, für mich ein Thai Curry, dazu ein Bier. Wir waren beide vom Mittagessen noch recht satt, deshalb keine Vorspeise, kein langes Gedöns. Irgendwie waren wir auch beide angespannt: Stressige Woche hinter uns, stressige Woche vor uns, Laune eher im Keller. Das besserte sich ein bisschen im Lauf des Abends (gutes Essen, gut unterhalten).

Daheim machten wir uns eine Flasche Sauvignon Blanc auf und zogen uns damit aufs Sofa zurück. Ein paar Minuten, nachdem wir zurück waren, fing es draußen wieder in Strömen zu regnen an, was den Kater dazu brachte, zu uns ins Haus zu kommen. Also eigentlich ganz gemütlich. Bisschen Sternentor, ein Glas Weißwein (…oder zwei), und um halb elf bei wirklich angenehmen Schlafzimmertemperaturen ins Bett.