Ganz okay geschlafen, den Kater morgens tapfer ignoriert (um zehn nach sechs durfte er auf die Dachterrasse und ich konnte noch bis kurz vor sieben liegen bleiben). Aufgestanden bei kühler Luft und komplett bedecktem Himmel – die Wolken lösten sich im Lauf des Vormittags aber mehr oder weniger auf. Eigentlich ein sehr schöner Herbstmorgen, wenn man die Tatsache verdrängte, dass erstens ein Großteil der braunen Blätter im Garten kein normales Herbstlaub, sondern offensichtliche Dürreschäden sind (man sieht den Unterschied deutlich) und dass es zweitens in allen Zimmern mindestens 22 Grad hatte. Ich machte erst einmal überall die Fenster auf. Die Zentralheizung läuft zwar im Haus schon wieder, da aber überall die Heizkörper noch auf 0 gedreht sind, heizen wir faktisch noch gar nicht. …so spart man wenigstens Geld, harhar.
Küchenrunde, Katzenmaintenance, Tee und direkt, da der Liebste mittlerweile auch wach war, ein englisches Frühstück. Dieses Mal ohne angebratene Pilze (wir hatten ja am Samstag nicht einkaufen gehen können), stattdessen mit einer aufgetauten veganen Quatschwurst aus dem Supermarkt nebenan (Lebensmittelretter-Regal, ganz okay, aber etwas zu fettig und weniger gut als unsere normale Bio-Tofuwurst) und außerdem einer Portion Baked Beans auf Toast. Sehr üppiges Frühstück.
Nach dem Frühstück ein bisschen administrative Lebensverwaltung: Ich räumte meine privaten E-Mails auf. Löschte tonnenweise altes Zeug, klickte Anfragen weg, die bereits veraltet waren (ich werde regelmäßig zu wissenschaftlichen Studien eingeladen, die aber nur für eine bestimmte Zeit gültig sind), bezahlte eine Bücherrechnung, bestellte für den Kater Diät-Medikamentenpulver, schaute nach möglichen Grippe-Impfterminen (aktuell aber alle voll), lud die Versicherungsscheine für beide Motorräder herunter und bezahlte die Rechnungen bis Jahresende, loggte mich bei meiner Bank ein und schaute nach den Nachrichten dort.
Leicht genervt übrigens von der Versicherung, die mir ja den Versicherungsschein ursprünglich über die App, dort aber als (nicht lesbares) PDF zur Verfügung gestellt hatte UND in der App einen QR-Code, damit ich gleich bezahlen kann. Halt bissle blöd, wenn man den QR-Code auf dem Gerät angezeigt bekommt, mit dem man ihn eigentlich scannen müsste. (Über solche Sachen könnte ich mich stundenlang aufregen.) Aber immerhin klappte der Login alternativ auf der Versicherungsseite im Browser, und dort konnte ich die PDFs runterladen, auf unserer Cloud speichern und dann die QR-Codes scannen und über die Banking-App bezahlen.
Ein etwas größeres Fass machte ich mit der nächsten Mail auf: Meine Krankenkasse hatte mir geschrieben, dass eine Nachricht auf mich im Postfach wartete. Der Link leitete mich zu ihrer Webseite, wo ich mich in mein Benutzerkonto einloggte und die Nachricht las (etwas sinnlos: Die Nachricht war eine Werbemail „haben Sie bereits die ePA aktiviert?“ – habe ich längst). Das Problem kam vor dem eigentlichen Login, denn da informierte mich die Seite, dass ab November der Login nur noch über einen Passkey möglich ist.
Hm. Also Passkey. Das ist ja ein Thema, mit dem ich mich bis jetzt noch nicht so richtig beschäftigt habe, aber ich dachte, vielleicht ist jetzt mal ein guter Zeitpunkt. In der FAQ der Krankenkassen-Webseite zu Passkeys stand ja brav drin, dass man das natürlich eigentlich über Face ID oder ähnliches benutzen sollte (Windows Hello wurde angeboten), aber wenn man das nicht wollte (will ich nicht, und an meinem privaten Laptop läuft ja sowieso kein Windows), dann ginge es auch über eine PIN. Für Linux-Rechner beispielsweise. Einrichtung „ganz einfach!“, auch wenn nicht so wirklich erklärt wurde, wie die Einrichtung funktioniert. Aber ich dachte mir, okay, probiere ich aus, eine PIN kann ich ja in meinem Keepass speichern. Klickte also auf weiter und bekam sofort ein Fenster eingeblendet: „Sicherheitsschlüssel nutzen“, inklusive Biometrie-Symbol. Auf meinem Linux-Rechner! Was für ein Quatsch. Irgendeine andere Option fand ich nicht. Ich brach das also ab, loggte mich oldschool ein und wieder aus und verschob das Problem des Krankenkassen-Logins auf später. Die Kasse will sowieso, dass man am besten alles über die App macht. Und lädt einem dann PDFs in die App, harhar. (Digitalisuerungsstand bei der Kfz-Versicherung und der Krankenkasse: ungefähr gleich weit.)
Ein bisschen fuchste mich das aber, dass ich beim Thema Passkeys so hinterher war. Also machte ich LeChat auf und fragte nach einer einfachen Erklärung: Was sind Passkeys? Anwendungsmöglichkeiten? Vorteile und Nachteile? Und lies mir ein paar Informationen geben.
Soweit ich das jetzt sehe, habe ich, wenn ich Passkeys benutze, keinen wahnsinnig großen Vorteil gegenüber meiner aktuellen Passwort-Nutzung: Passwortmanager, eigene Cloud, alle wichtigen Seiten mit 2FA abgesichert. Wenn es jetzt aber natürlich Seiten gibt, die neben Passkeys keine andere Login-Möglichkeit mehr erlauben, dann MUSS ich mich halt damit auseinandersetzen, hilft ja nix.
Ich gab LeChat also meinen Kontext (Laptops einmal Windows, einmal Linux, Smartphone mit Android, Browser Firefox, Keepass als Passwortmanager, eigene Cloud) und den absoluten Wunsch, NICHT von Google (kein Google Passwortmanager) oder Windows (kein „Windows Hello“) abhängig zu sein und schon gar kein Face-ID zu nutzen. Und biometrische Anmeldung nutze ich zwar auf dem Handy, aber an den Laptops funktioniert das eh nicht. Was er ausspuckte, war die Antwort, dass ich eigentlich schon ziemlich gut aufgestellt bin, vor allem da Keepass Passkeys unterstützt. Ich bräuchte aber die neueste Version von Keepass und müsste dann ein paar Sachen sowohl dort als auch auf dem Smartphone einrichten, damit ich Passkeys nutzen könnte.
Naja, und das wurde dann etwas kompliziert, denn wie sich herausstellte, hatte ich nicht die neueste Version, und um sie herunterzuladen, brauchte ich die Hilfe von LeChat und vom Liebsten, der mir jeweils erklärte, was die einzelnen Befehle bedeuteten, die LeChat mir für die Konsole ausspuckte. (Ich ließ mir anschließend von LeChat eine Aufstellung der wichtigsten Linux-Befehle machen, denn: Das will ich alles selbst wissen.)
Es kostete uns ungefähr 20 Minuten Arbeit mit verschiedenen Versuchswegen, dann hatte ich ENDLICH die richtigen Pakete gefunden, heruntergeladen und entpackt und die neueste Version installiert, und nun ja, das war mal ein erster Ausflug in die eher anstrengenden Seiten der Linux-Welt, denn wenn die Sachen nicht mit ein paar Klicks oder über Browserseiten verfügbar sind und man mit der Konsole arbeiten muss, dann ist es halt gleich, na ja, „intuitiv“ wäre kein passender Begriff. Und so ganz habe ich auch jetzt noch nicht verstanden, woran es genau gehakt hat, aber glücklicherweise ist der Lösungsweg ja in LeChat aufgeschrieben und ich kann mir das in Ruhe nachlesen. Nur nicht jetzt. Und die Passkey-Aktivierung verschob ich auch auf später, ich hatte erst einmal genug Nerd-Zeit gehabt.
Restlicher Vormittag: Ausführliches Internet-Leerlesen, dazu ein Blick auf YouTube. Und ich überlegte ein bisschen hin und her und upgradete dann meinen Mistral- (also LeChat-) Zugang auf Pro. Zwar wieder so ein blödes Abo-Modell, dass so nebenher tickert und sich irgendwann summiert und Geld, Geld, Geld kostet (Tidal… Netflix… Amazon Prime…), aber ich glaube, es macht Sinn, beim Thema KI nicht völlig die Augen zu verschließen, sondern zu lernen, es sinnvoll anzuwenden, inklusive aller Limitierungen. (Die halt teilweise schon absurd sind: Vor ein paar Tagen fragte ich nach dem Mindestalter für 125er in Deutschland, die Antwort: mit Führerschein A1 ab 16, mit Führerschein B quasi ab 21, denn man braucht nach dem Autoführerschein mit 18 noch 5 Jahre Fahrpraxis. Aha, schrieb ich zurück, wie er denn auf 21 Jahre komme, bei 18 + 5 käme bei mir was anderes raus. Oh ja hoppla, Rechenfehler, Tschuldigung, war die Antwort.
Ich hoffe sehr, dass man niemals KI zum Fliegen von Flugzeugen oder Durchführen von Operationen einsetzt. Oder zum Feuern von Waffen. Aber ich fürchte, das wird bereits gemacht.)
Zum Mittagessen frische Pasta mit restlicher heller Sauce, danach ein Stück Apfelkuchen. Dann Haushaltszeug: Ich ging duschen, anschließender Badputz und Wäschedreiklang (sortieren, waschen, aufhängen) von zwei Maschinen. Etwas Bügeln kam noch dazu, begleitet vom neuesten Streitkräfte & Strategien-Podcast und dem neuesten Blätter-Podcast. Dieser bezieht sich auf das Oktober-Blätterheft, das seit drei Tagen bei uns im Esszimmer liegt. Schade, dass damit das Sommer-Abo schon wieder vorbei ist, aber natürlich habe ich noch nicht mal alles, was mich interessiert, aus dem August-Heft gelesen und mit dem September-Heft noch nicht einmal angefangen. Es macht also komplett keinen Sinn, dass wir das dauerhaft im Abo haben. (Es fühlt sich nur so schön „intellektuell“ an. Und erfrischend analog!)
Außerdem machte ich den Wochenplan für die kommende Woche (etwas eingeschränkt, da sowohl der Liebste als auch ich an ein paar Tagen auswärts essen werden), bestellte die Biokiste und stellte die Pläne für die nächsten Tage noch etwas um. Um sechs gemeinsames Kochen: Ein Grund des Umstellens war, dass uns beim Einkaufen am Freitag zwei der neu gekauften Fleischtomaten beim Transport aufgeplatzt waren und dringend verbraucht werden mussten. Dazu hatte ich einen abgelaufenen Naturtofu entdeckt, und wir haben natürlich die drei geschenkten, offenen Rotweinflaschen im Kühlschrank: Das alles organisiert sich quasi von selbst zu einer Bolognesesauce zu Spaghetti. Auch wenn wir erst zweimal hintereinander Pasta hatten, das ficht uns nicht an.
Sehr gutes Abendessen, Nachtisch Mandel-Orangenblüteneis. Und dann zu den Rookies aufs Sofa für den restlichen Abend. Früh ins Bett, da auf uns eine volle, anstrengende Woche mit frühen Aufstehzeiten wartet. Aber immerhin mit angekündigt etwas niedrigeren Temperaturen.