Heimreise entspannt, Mittwoch 21.10.2026

Gute letzte Nacht (wieder heiß, aber ich bildete mir ein, dass es mit offener Schlafzimmertür etwas weniger schlimm war, zumindest war mein Shirt nicht durchgeschwitzt), ich wachte um Viertel vor acht auf. Wir hatten einen ruhigen Morgen vor uns, dachten wir zumindest: Auschecken um zehn, davor noch bisschen zusammenpacken, aber wirklich viel zu tun war nicht. Deshalb eine erste Tasse Tee und ein bisschen Blog-diktieren, danach ausführliches Frühstück: Der Liebste machte uns eine Kanne Kaffee, dazu das am Vortag gekaufte Schwarzbrot mit Rügenwalder Salami und Erdnussbutter, die zweite Hälfte wurde zu belegten Broten für die Fahrt. Wir leerten den O-Saft und teilten uns einen Becher Vanillequark: Damit waren wir sehr satt und der Kühlschrank war wieder leer.

Noch etwas Kaffee, und ich nahm mir zwanzig Minuten und las mein Buch zu Ende. Das Buch, Smoke and Whispers von Mick Herron, ist der vierte Band der Zoë Boehm-Reihe, und durchgehend sehr spannend. Es tauchen ein paar Protagonisten aus den ersten beiden Bänden wieder auf, und wie schon im ersten Band spielt die Namensgeberin der Reihe, Privatdetektivin Zoë, recht lang keine oder nur eine sehr indirekte Rolle, stattdessen steht ihre Freundin Sarah Tucker im Mittelpunkt. Da die beiden sehr unterschiedlich charakterisiert sind und ich mich mit Sarah insgesamt mehr identifizieren kann als mit Zoë (…sie ist normaler, irgendwie), war das eine gute Konstellation. Auch einigermaßen nachvollziehbare Storyline mit logischem Ende (und recht überraschendem, aber passendem Twist). Mochte ich insgesamt gern. Nur der pseudo-philosophische Tonfall, der mir schon bei Band 3 etwas auf die Nerven gegangen war (und der den Slough House-Bänden fehlt), ist hier wieder da. Etwas unnötig. Trotzdem gern gelesen, auch wenn es wahrscheinlich besser wäre, man hätte zwischen den einzelnen Bänden weniger Pause, als ich es hatte – es werden halt ein paar entscheidende Fäden wieder aufgegriffen, die man noch im Kopf haben sollte.

Nach dem Frühstück Küche in Ordnung bringen, Dusche, dann anziehen und nebenher ernstliches Packen. Mittlerweile war es Viertel nach neun. Dementsprechend überrascht waren wir, als es klopfte und ein irritierter Putzservice vor der Tür stand: Wir würden doch heute auschecken? Check-out wäre um neun, warum wir noch da seien?
Der Putzmensch rief die Fewo-Verwalterin an, eben jene, die am Anreisetag zum Liebsten etwas pampig gewesen war. Das war sie zu mir nun gar nicht, im Gegenteil: Sie war ziemlich zerknirscht. Wie sie erklärte, gibt es wohl Mitarbeiter einer Firma, die meinen Namen trägt (kein sehr seltener Familienname), und diese würden ihre Wohnungen regelmäßig buchen und seien immer schon vor neun weg. Das habe sie leider einfach verwechselt. Das war für uns kein Problem: Wir waren quasi fertig mit Packen und sie konnten von uns aus schon rein. Letzte Sachen durchschauen, letzter Kontrollgang, um kurz vor halb zehn hatten wir alles und machten uns auf die Socken.

Ich hatte für uns ja einen Zug am Nachmittag gebucht, weil ich irgendwie „noch einen halben Tag was unternehmen!“ im Kopf hatte – der Urlaub war sowieso so kurz. Aber nun hatten wir ja das Gepäck, und klar hätten wir das im Bahnhof einschließen können, aber außerdem war ab dem späten Vormittag Regen vorhergesagt (es war jetzt schon komplett bewölkt, die Berge sah man quasi nicht mehr) und überhaupt zog es uns nach Hause. Diesen Denkfehler mache ich immer wieder, dass ich denke, wir müssten „den letzten Tag noch ausnutzen!“ und dann klappt das nie, einfach weil wir beide die innere Ruhe und Muse nicht haben und eher auf die Strecke kommen möchten.

So machten wir es also, wir nahmen den Zug um 10:07. Was sich als sehr gute Entscheidung herausstellte: Er fuhr zwar mit zehn Minuten Verspätung los, aber wir bekamen trotzdem unseren Anschluss in Pasing und fanden dort einen halbleeren ICE vor, der uns entspannt nach Stuttgart brachte. Ruhig, sauber, ich konnte ein neues Buch starten und die ganze Strecke lesen. Essen hatten wir dabei, zwei Tassen Kaffee aus dem Bordbistro gab es zwischendrin auch, alles super. Zehn Minuten Verspätung in Stuttgart, trotzdem bekamen wir den geplanten Anschluss nach Tübingen noch (und eine Viertelstunde später wäre der nächste gefahren) und waren pünktlichst um drei Uhr daheim. Eigentlich hatte ich um 15:07 erst losfahren geplant, und die Bahn-App begann prompt Nachrichten aufs Handy zu schicken: Erst einmal „Ihre Reise geht los“ und sehr bald dann schon „ICE fällt aus“ und „Verbindung nicht mehr fahrbar“ und „bitte Alternativen-Suche benutzen“. Haha. (Es hätte Alternativen gegeben, aber halt trotzdem nervig, und… naja. Wir hatten es auf jeden Fall entspannter.)

Daheim ein ruhiger Nachmittag für mich. Ich schaute nach dem Kater, der uns freudig begrüßte (war auf dem Schattendeck, kam aber bald rein – kein Wunder, der angekündigte Regen war tatsächlich da, der komplette Tag war grau und nass), kochte uns eine Kanne Earl Grey, sortierte und wusch zwei Maschinen Wäsche und lag ansonsten auf dem Sofa und las. In Garmisch hatte ich ein Buch mitgenommen, Am Berg, Erfahrungsberichte von Rettern der Bergwacht, und das passt halt am allerbesten in so ein Urlaubssetting. (Wir reden nicht von Weltliteratur.) Deshalb restlichen Tag auf dem Sofa, vom Kater begleitet.

Der Liebste hatte einen weniger entspannten Nachmittag: Das PHP-Sicherheitsproblem, das am Mittwoch bekannt geworden war, betraf ihn auch, oder besser gesagt die diversen Webseiten für Vereine und so weiter, die er betreut (auch den Blog indirekt, da auch WordPress PHP nutzt). Er war also einige Stunden damit beschäftigt, Sicherheitsupdates einzuspielen. Jetzt sollte aber alles safe und geschlossen sein. (Ich bekam das Drama ja nur mit, weil ich auf Mastodon davon las, der Liebste hatte aber ein paar warnende E-Mails von seinem Provider bekommen. Immerhin.)

Am Abend ein bisschen Blaulichtquatsch auf dem Sofa, dazu ein paar Spaghetti mit dem restlichen Pesto. Außerdem ein letztes kleines Glas Rioja, um die angebrochene Flasche aus dem Kühlschrank leer zu bekommen, und einen Fingerbreit Fettercairn hinterher. Das war dann ein ausgesprochen gemütlicher Urlaubsabschluss: Im Ofen ein Feuer, der Kater mit uns auf dem Sofa, und wir beide insgesamt ziemlich zufrieden mit der Gesamtlage. Das ging zwar nur, weil ich eine ordentliche Verdrängungsleistung vollbrachte, was die kommende OP und überhaupt die nächsten Wochen betrifft, aber damit habe ich ja mehr oder weniger Übung.