Ein Konzert, Baby! – Freitag 22.10.2021

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Um fünf Uhr nach doofen Träumen aufgewacht und nicht mehr eingeschlafen, um sechs stand ich schließlich auf. Ist ja klar, dass ich ausgerechnet an dem Tag, an dem wir abends seit MONATEN wieder mal auf ein Konzert gehen, ab fünf nicht mehr schlafe. Nerv. Naja, auf jeden Fall war ich wach und trank Tee und plante einen entspannten Tag. Ein Müsli zum Frühstück, dann überlegte ich ein bisschen, ob ich neben der Arbeit daheim schon mal Wäsche abhänge und die Schmutzwäsche vorsortiere und vielleicht wäre ja sogar Zeit für etwas Yoga zwischendrin – bis mir siedend heiß einfiel, dass ich ja am Nachmittag unterrichten musste. Damit waren meine entspannten Pläne dahin.

Ab halb neun am Schreibtisch, ich kümmerte mich erst einmal um eingegangene Mails und hatte dann ab Viertel nach neun einen Einzelunterricht (dort etwas gedrückte Stimmung). Der Rest des Vormittags war eine Mischung aus administrativen Dingen und Unterrichtsvorbereitung für den Nachmittag. Ich war nicht so richtig zufrieden mit der vorgegebenen Thematik und mir fehlte auch etwas die Kreativität, das anders aufzuziehen, aber oh well – man kann nicht immer zu Höchstleistungen auflaufen. Um Viertel nach zwölf machte ich auf jeden Fall Mittagspause mit restlichem Eintopf (gut, aber Riesenportion), miauendem Kater (heute wieder sehr schwer zufriedenzustellendes Tier) und etwas Kaffee (nur halb lecker).

Ab Viertel nach eins startete ich im Arbeitszimmer meinen Rechner und hatte von halb zwei an Unterricht. Das war insgesamt dieses Mal eher anstrengend, die Leute waren müde, ich war nicht so ganz fit und der Inhalt war ziemlich zäh – vor allem, weil die zunächst vorgeschaltete Wiederholung eines bekannten Themas sich auch schon als ziemlich kompliziert und gar nicht so richtig bekannt erwies. Also gab es vor der eigentlichen Einführung einer komplexen neuen Struktur eine Einführung (eigentlich Wiederholung) eines ebenfalls komplexen Themas, das eigentlich als Basis für das kommende hätte dienen sollen. Nicht so optimal. Sie werden es verkraften, am Montag schaue ich mal, wie die Übungen dazu funktioniert haben.

Mit Nachbereitung und letzten Mails fuhr ich um halb sechs den Rechner runter und machte Feierabend (um fünf hatte ich schon dem Kater eine Schüssel Futter hingestellt, weil der mal wieder um halb fünf mich im Arbeitszimmer hatte reden hören und deshalb versucht hatte, ein Loch in die Tür zu kratzen). Der Liebste kam ungefähr um diese Zeit heim und wir hatten eine Stunde: kurzer Austausch, umziehen, Tasche packen und Essen in der Mikro warm machen – ich hatte morgens zwei vorgekochte Portionen aus der Tiefkühltruhe geholt, bei denen ich eigentlich mit einem Kartoffelgratin gerechnet hatte, es stellte sich aber als Kartoffel-Pilz-Linsenauflauf heraus. Keine Ahnung wann wir den mal gemacht haben. Lecker auf jeden Fall.

Um halb sieben waren wir mit Essen und allem fertig und gingen los zum Konzert (übrigens: Maren Kroymann und Band mit ihrem Programm „In My Sixties“). Es war im Sudhaus (das erste Mal für uns im neu angebauten und vergrößterten Saal), also gingen wir die knappe halbe Stunde zu Fuß hin, ein schöner Weg bei kaltem und klarem Wetter.
Dort angekommen, dann eine Premiere für uns: Das überhaupt allererste Mal wurde bei uns beiden das Impfzertifikat nicht nur angeschaut, sondern auch der Code eingescannt und dann auch noch mit unseren Persos abgeglichen. Großes Lob. Außerdem Kontaktdatenverfolgung per Luca (mäh) oder Zettel, immerhin konnten wir einen Zettel gemeinsam ausfüllen als ein Haushalt. Es waren richtig, richtig viele Leute mit Namensschildchen der Stadtverwaltung da (das Konzert war die Auftaktveranstaltung der Queeren Woche, die von Kulturamt, Stadtmuseum und Stadtarchiv in Kooperation organisiert worden ist), so ging das Scannen und Einsammeln und Erklären und Prüfen auch schnell.

Das Konzert war ausverkauft, deshalb eine Menge Leute und nicht wirklich viel Abstand (im Saal waren dann auch alle Stühle ohne Abstand besetzt). Da ja aber 3G wirklich konsequent kontrolliert wurde und auch für alle Zuschauer auf dem ganzen Gelände Maskenpflicht herrschte (an die man sich auch hielt), fühlte ich mich ziemlich wohl (vielleicht Augenwischerei, keine Ahnung). Die Masken störten beim Konzert übrigens null, schon eher die Bestuhlung, man hätte bei der Musik gut auch tanzen können. Wir holten uns vor der Veranstaltung einen Sekt und freuten uns ein bisschen, dass wir endlich, endlich mal wieder bei einer kulturellen Veranstaltung sind.

Sehr schönes Konzert. Maren Kroymann hat eine tolle Ausstrahlung und ist einfach auch sehr, sehr lustig (Comedian, wen wundert’s), darüber hinaus aber hat sie auch eine fantastische Stimme – damit hätte ich gar nicht gerechnet. Musik der Sechziger Jahre ist ja nicht gerade ein Bereich, bei dem ich mich auskenne, husthust, ich traue es mich kaum zu sagen, aber Dusty Springfield, die beim Konzert eine große Rolle spielte, war mir vorher nicht so wirklich ein Begriff. (Das wurde nur noch getoppt vom Liebsten, der vor dem Konzert sagte „Maren Kroymann, wer ist das denn eigentlich?“ – aber ihm fiel dann doch wieder ein, dass er sie schon gesehen hatte.) Die Songs waren aber sehr schön und, noch viel wichtiger, die ganze Show fing die Atmosphäre der Sechziger sehr gut ein. Inklusive dem Schmalz, dem Kitsch und auch den Zwängen, Restriktionen, Einschränkungen und der Frauenfeindlichkeit (Maren Kroymann ist ja nicht dafür bekannt, Glittergold über unbequeme Tatsachen zu pudern). Der Abend schaffte eine tolle Balance zwischen Nachdenklichkeit und Beswingtheit, ohne in Nostalgie abzurutschen. Das Publikum war dementsprechend begeistert und holte die Band für drei Zugaben auf die Bühne zurück. (Ach ja, die Band: Was für tolle Musiker. Ist ja auch nicht ganz unwesentlich.)

Wir gingen sehr gut gelaunt nach Hause und dort um halb zwölf immer noch zu einer akzeptablen Zeit, aber für unsere Verhältnisse sehr spät ins Bett.
Richtig schön, endlich mal wieder unterwegs gewesen zu sein, das sollten wir wieder mehr ins Auge fassen. Vielleicht das nächste Mal ins Theater, der Tübinger Intendant propagiert 2G, weil er auf Impfverweigerer keine Lust hat. Klingt doch nach einer Option.