Heute ist mal wieder der Monatsfünfte und ich mache mit bei „Was machst du eigentlich den ganzen Tag“, wo diverse Tagebuchblogs (wenn sie möchten) ihre Einträge bei Frau Brüllen sammeln. Bei mir ein recht inhaltsarmer Feiertag:
Ganz okay geschlafen, in Anbetracht des Alkohols am Abend davor überraschend, und aufgewacht um zwanzig nach sechs. Ich blieb noch bis sieben liegen, bis es draußen endgültig hell und Tag war. Beim Öffnen der Fensterläden hörte ich das „Halleluja“ von der freikirchlichen Gemeinde im Nachbarviertel (erstaunlich, dass der Gesang so weit trägt) und fragte mich, ob die Anwohner das eher nett finden, so als Zeichen der christlichen Auferstehungshoffnung an einem schönen Ostersonntagmorgen, oder ob sie eher den Kopf ins Kissen drücken und auf diese nervigen ultrareligiösen Nachbarn motzen…? Ich war auf jeden Fall froh, dass man den Gesang bei geschlossenem Fenster nicht mehr hörte.
Nach dem Aufstehen erst einmal Katzenmaintenance (beide etwas mäkelig bei der Futterauswahl, Nervkatzen) und ausführliche Küchenrunde, ich hörte den Lage-Podcast weiter, verlas eine Portion Haferkörner und bestäubte das gebackene Osterlamm mit Puderzucker. Wir haben ja sonst quasi keine Ostertraditionen (noch nicht einmal Tulpen im Haus, weil wir auf dem Rückweg aus der Stadt nicht mehr am Blumenhändler vorbeigekommen waren), aber ein Osterlamm muss schon jedes Jahr dabei sein. Dann Tee, etwas schreiben, irgendwann quälte sich auch der Liebste aus dem Bett, nicht so ganz auf der Höhe: Es zeichnete sich schon ab, dass wir einen eher ruhigen Tag verbringen würden. War völlig okay.
So war es dann auch. Gegen halb neun machte der Liebste uns ein englisches Frühstück (wir toasteten das blöde Sauerteig-Roggenbrot, damit ist es erträglicher – noch einmal essen, dann ist es weg), und den restlichen Vormittag verbrachte ich mit ausführlichstem Internet-Leerlesen, YouTube-Videos schauen, rumdaddeln. Dazu Musikhören, zwei von meinen eigenen Playlists, danach Vorschläge von Tidal. Wir hatten eigentlich ja Friedhof geplant, beschlossen aber stillschweigend, das auf den Montag zu verschieben: Wir brauchten beide dringend einen Rumhängetag. Auch keine großen Putzaktionen oder so, einfach nur mal faul sein. Immerhin ging ich irgendwann mal duschen.
Um halb eins bekamen wir langsam Hunger aufs Mittagessen, ich hatte allerdings nichts geplant (am Vortag hatten wir ja quasi für anderthalb Tage gegessen). Machte aber nichts: Wir hatten ja ein Osterlamm. Das schnitten wir also an und aßen es im Lauf des Mittags komplett auf (es war nicht so wahnsinnig groß), und ich muss sagen: Das war dieses Jahr das beste Osterlamm bisher. Der Bisquitteig komplett fluffig, schön fein nach Mandeln und Zitrone schmeckend, nicht zu süß. Großartig. Der Grund ist eventuell, dass der Liebste es dieses Mal komplett allein gemacht hat (obwohl er mir da widersprechen würde). Sehr gut war die Idee, die Backform nicht nur einzufetten, sondern etwas mit Semmelbröseln auszustreuen, damit bekamen wir es nämlich überhaupt erst unfallfrei aus der Form (und das Auge isst bei solchen Sachen ja mit). Super auf jeden Fall.
Den Nachmittag über ein bisschen weiter herumgehangen, Zeitungsrätsel, ein paar Mails gelesen, aber einen Haushaltspunkt erledigte ich immerhin noch: drei Maschinen Schmutzwäsche sortieren, waschen, aufhängen, bügeln. Damit war die Leine im Wäschekeller voll und wir haben für die kommende Woche auf jeden Fall wieder saubere Wäsche. (Und es ist nicht alles auf den Montag verschoben.)
Während der Wäsche hörte ich den Lage-Podcast zu Ende (neben anderem Zeug). Leicht genervt von einem Detail: Seit ungefähr einer Woche gibt es von der Lage der Nation eine eigene App (groß gelauncht im Rahmen ihres Live-Jubiläums). Diese ist aber nur für iPhones verfügbar, was natürlich zu zahlreichen Anfragen führte: Leute, was ist mit Android-Telefonen? Jetzt die Antwort: Eine Android-App gibt es nicht, wird es auch nicht geben, weil einer der beiden Hosts (Ulf Burmeyer) die App selbst programmiert hat, und er ist halt Apple-Jünger und kann nur iOS. Fair enough. Ein bisschen blöd aber, wenn man ein Plus-Abo von ihnen hat, was sie ständig bewerben, denn wo kann man das dann hören? Ihr super Workaround, den sie in der Folge vorstellten: Entweder auf der Lage-Webseite, wo man „demnächst“ die Plus-Folgen unter dem eigenen Account eingebettet hören kann (lol, also Browser öffnen, einloggen, dann abspielen, sehr komfortabel, naja), oder, noch viel besser: „Ihr könnt die Plus-Folgen jetzt auch auf Spotify hören!“ Denn da sind sie ab demnächst verfügbar.
Was zum Geier? Keine Option für alternative Podcastplayer, man muss quasi zu Spotify gehen (wo im Übrigen, wenn man dafür nicht zahlt, auch ständig nervige Werbung eingespielt wird, so viel also zu „Plus-Folgen werbefrei“)? Als würde es die ganze Diskussion um DIDay und alles nicht geben, ich fand es schon enttäuschend. (Dabei hat die Lage erst kürzlich noch groß Werbung für das Fediverse und Signal gemacht.) Nun ja. Ich habe kein Plus-Abo, unter anderem weil ich mich immer gefragt habe, wie ich dann die Folgen in der AntennaApp (die ich nutze) hören kann, und so wie es aussieht, wohl eher gar nicht. Schade.
Gegen sechs gemeinsames Kochen (federführend der Liebste, weil ich zwischendrin mit Wäsche beschäftigt war), ein neues Rezept aus dem Januar-Heft Vegan Food & Living (für die kommende Woche muss ich mal das Februar-Heft durchblättern). Das Rezept ähnelte einem veganen Shepherd’s Pie, mit einer Füllung aus geschmorten Pilzen, Linsen und Tofu, aber nicht mit einer Haube aus Kartoffelbrei abgedeckt, sondern mit Kartoffelscheiben (vorgedämpft, dann fächerförmig ausgelegt und mit etwas Olivenöl bepinselt). Das war ein absolut großartiges Rezept, für mich quasi das Beste aus zwei Welten: Ich liebe ja Bratkartoffeln, und ich liebe so herzhafte, deftige Eintöpfe (Linsen, Pilze, klasse), und die Kombination war einfach super. 30 Minuten im Ofen, dann noch 4 Minuten unter den Grill: Perfektion.
Den restlichen Abend ließen wir den Bildschirm aus (hatten wir ja den Tag über genug gehabt), stattdessen las ich mein Buch zu Ende: Richard Osman, The Impossible Fortune, der fünfte Band der Thursday-Murder-Club-Reihe. Und das war wieder ein großer Wurf – es war wohl eine gute Idee, dass er mit der Reihe ein Jahr pausiert hat. Die Geschichte ist spannend, nicht zu überladen, auch wenn es zwei große Handlungsstränge gibt, die sich aber am Ende gut ineinanderfügen. Es ist extrem witzig, sprachlich ganz wunderbar britisches Englisch, und einigermaßen logisch ist die Krimihandlung auch. Einziger winzigkleiner Kritikpunkt: Ein bisschen zu viel emotionales Heitatei am Ende. (Unter anderem beschließt ein Mann Anfang 80, seinem besten Kumpel zu sagen, dass er ihn lieb hat, und das ist genauso awkward, wie es sich hier liest – das gleichzeitig gefühlig und leichtfüßig zu halten, gelingt Osman hier nur bedingt.) Ist aber egal, war trotzdem sehr nette Unterhaltung. Und löste ihn mir wieder stark den Wunsch nach einem längeren England-Aufenthalt aus. Seufz.