Erstaunlich gut geschlafen, nach der halben Flasche Wein und dem Espresso am Abend nicht unbedingt zu erwarten. So kurz nach sechs war ich das erste Mal wach, „richtig“ stand ich aber erst um halb acht auf. Da war dann wenig überraschend keine Katze zu sehen. Also erst einmal Blick auf die Dachterrasse und das Hochbeet, ich klaubte wieder zwei Minischnecken zwischen den Pflanzen hervor und sah, als ich die obere feuchte Erdschicht etwas wegkratzte, das erste Mal millimetergroße, weiße Fädchen, die sich leicht bewegten – der ganze Erdboden war voll davon. Vermutlich waren das die Eier oder Larven oder keine Ahnung? Nun ja. Also entweder müssen wir die Erde noch einmal komplett austauschen (seufz) oder darauf hoffen, dass das Schneckenkorn seine Wirkung tut – neue Fraßschäden habe ich keine mehr gesehen. Im übrigen könnten es auch Nematoden (also Fadenwürmer) gewesen sein, die sind ja auch nur millimetergroß. Und wären ja definitiv Nützlinge.
Ich machte das Vogelbad sauber und sah dann den Nasenkater auf dem unteren Balkon stehen und herumzappeln, also ließ ich ihn rein und machte die erste Runde Katzenmaintenance mit einem Tier. Von Magi keine Spur. Ich lief den Garten ab (der Liebste hatte die Wege gemäht, man konnte also gut gehen, ansonsten aber alles am Wuchern, hohes, grünes Gras, der Garten produziert mal wieder Biomasse ohne Ende) und schaute auf dem Kohleweg: Und da lag Magi dann schließlich auf einer Terrasse (auf einer Art Kartoffelsack oder Pferdedecke oder keine Ahnung, ich frage mich, ob man das extra für ihn hingelegt hat), und zwar nicht in der Studenten-WG, sondern eins links davon bei der alten Nachbarin. Offensichtlich sucht er sich überall seine Schlafplätzchen zusammen. Er wackelte aber eifrig mit mir nach Hause, der Nasenkater kam noch bis zu unserem Garten mit und legte sich dann aufs Schattendeck. Und Magi ließ sich Medikamente geben, fraß einen kompletten Beutel Frischfutter und ging dann aufs Sofa zum Pennen. Und ich war ein zufriedener Mensch.
Gründliche Küchenrunde, Tee – mittlerweile war es zehn nach acht – und ein bisschen schreiben, den Liebsten ließ ich noch etwas schlafen. Draußen leichte Federwölkchen und frisch, aber nicht kalt, es versprach ein schöner Tag zu werden.
Das hinderte uns allerdings nicht daran, den gesamten Vormittag mit „rumhängen“ zu verbringen, wie geplant. Der Liebste machte uns, als er um Viertel vor neun schließlich aufgestanden war, ein Englisches Frühstück mit sehr scharfer Räuchertofuwurst von Taifun (es steht schon „scharf“ auf der Packung, aber die Schwankungen im Schärfegrad sind bei diesem Produkt schon enorm), Pilzen und erstmalig in diesem Jahr gebratenen Tomaten. Dazu eine Kanne Bancha, eine Kanne Kaffee, um zehn dann noch quasi als zweites Frühstück die ersten Erdbeeren des Jahres mit etwas Schlagsahne und Quark (sehr gut, auch wenn den Erdbeeren noch etwas die Sonnensüße fehlt). Und den restlichen Vormittag verbrachte ich damit, ausführlichst das Internet leerzulesen. (Da schreiben irgendwelche Leute immer wieder neue Sachen rein.)
Um kurz nach zwölf schon gemeinsames Mittagessen kochen. Am Samstag waren wir ja spontan auswärts essen gewesen, deshalb waren jetzt noch einige Sachen übrig, die verbraucht werden mussten. Aus einem Bund grünem Spargel (SO gut!!!), ein paar Schalotten, einer Chili und einem riesigen Berg Pilze (Champignons, Austernpilze, Shiitake) machten wir eine ganz einfache geschmorte Pfanne, die ich eigentlich mit ein paar Spirelli hätte ergänzen wollen (Toastbrot oder Reis hätte auch gut gepasst), aber da das Frühstück ja noch nicht lang her war, ließen wir das einfach weg. War auch so genug. Die zweite Hälfte Erdbeeren mit Quark hinterher, und damit waren wir sehr satt.
Dann schnelle Dusche und um zwei aus dem Haus, wir hatten für den Nachmittag nämlich Pläne. In der Stadt war nicht nur ein Kunsthandwerkermarkt, die örtliche Feuerwehr hatte auch zum Tag der offenen Tür gerufen. Und da mussten wir natürlich hin.
Erst einmal Feuerwehr. Wie erwartet bei dem schönen Wetter (zwar recht schwül – für den Spätnachmittag waren Gewitter angesagt – aber trotzdem angenehm warm, wir waren in T-Shirt und mit Sonnenbrille unterwegs, und die Jeans war eigentlich schon zu viel) war viel los. In erster Linie viele, viele Familien mit Kindern, außerdem sehr viele Feuerwehrmitglieder von anderen Wehren, erkennbar an der stolz getragenen Kleidung. Überall dementsprechend recht lange Schlangen, vor allem wo man mitmachen konnte (einige coole Mitmachstationen aufgebaut) oder irgendwo reinklettern konnte (in die aufgestellten Fahrzeuge vor allem). Das ließ ich alles bleiben, war für mich auch nicht so wichtig (Fahrzeuge habe ich mir schon ein paar angeschaut). Stattdessen ließen wir uns die Schlauchwerkstatt und die Atemschutzwerkstatt zeigen, schauten uns die Räume für die Atemschutzgerätetauglichkeitsprüfung an (inklusive Endlosleiter und Käfig) und natürlich auch eine Vorführung, denn logischerweise wurden auch Sachen vorgeführt. In diesem Fall ein „Wohnungsbrand mit Menschenrettung“ (sie zündeten aber keine echte Wohnung an).
Das war dann auch die Station, an der ich meine Kollegin sah, die ich schon bei mehreren Feuerwehrveranstaltungen getroffen hatte – immer noch leicht lustig. Aber wir hatten offensichtlich schon beide damit gerechnet, deshalb keine große Überraschung mehr. Sie hatte halt immer noch den besseren Grund dabei, hier zu sein, nämlich in Form ihres mittlerweile zwölfjährigen Sohnes.
Noch ein bisschen im Gebäude umgeschaut, unter anderem in den Sozialräumen, wo Kaffee und Kuchen serviert wurde (und es Hafermilch zum Kaffee und zwei Sorten veganen Kuchen gab – nämlich Zitronentarte und Marmorkuchen – sodass wir natürlich etwas bestellen mussten). Jede Menge Memorabilia dort aufgestellt, teilweise bis ins 19. Jahrhundert (die Wehr besteht seit 1847 durchgehend), es gab also viel anzuschauen. In einer Vitrine war die letzte, noch rußverschmierte Einsatzkleidung und einige Fotos von zwei Feuerwehrmännern ausgestellt, die 2003 nur ein paar Straßenzüge von uns entfernt bei einem Brand ums Leben gekommen waren. Nach den beiden sind zwei Straßen dort benannt, und ich denke sehr häufig daran, wenn ich an den Straßenschildern vorbeikomme.
Gegen halb fünf hatten wir genug Feuerwehr angeschaut und gingen noch zum Kunsthandwerkermarkt um die Jakobuskirche. Das ist ein sehr schöner, kleiner Markt, allerdings mit einem Angebot an Produkten, die alle zwar sehr schön, aber entweder eher unnötig sind (hübsch, aber wo stellt man das hin) oder sehr, sehr teuer oder beides. Wir kauften aber eine schöne Keramikvase, und als wir am Rand des Marktes noch einen Bürstenmacherstand fanden, war das ein echter Glücksgriff: zweimal Pfannenreiniger, einmal Nagelbürste, ein Ersatzkopf für die Spülbürste.
Noch ein bisschen durch die Stadt mäandert, wir stoppten beim liebsten Altstadtrandbistro für einen Crodino Spritz und schauten uns die vielen gut gelaunten Menschen an, und gegen halb sieben waren wir schließlich daheim, gerade mit den ersten Gewitter-Regentropfen.
Den restlichen Abend blieben wir also daheim, während es draußen schüttete (wobei wir nur den Gewitterrand abbekamen). Kurze Ruhepause, Katerversorgung, dann gemeinsames Kochen, ein neues VF&L-Rezept: eine Suppe (als „stew“ bezeichnet, da nicht glatt püriert) mit Kidneybohnen, Mais, Kokosmilch, Kresse und gebratenen Tempehwürfeln. Klingt nach einer wilden Mischung, war aber ausgesprochen gut.
Sofazeit mit Blaulichtcontent, und um halb zehn mit Buch ins Bett. Guter Tagesausklang.