Fadenfrei, Freitag 6.11.2026

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Wieder recht früh aufgewacht und Arbeitsaufgaben im Hirn gewälzt, dieses Mal schlief ich aber nicht wieder ein, sondern hörte dem Kater beim ersten (5:36) und zweiten (6:01) Reinkommen zu. Beim zweiten Mal ließ ich ihn auf die Dachterrasse und wartete dann noch 10 Minuten unter der Decke, während er draußen alles inspizierte (…die Dachterrasse müsste dringend winterfest gemacht werden) und die sehr kalte Luft ins Schlafzimmer strömen ließ. (Saukalt draußen.)
Dann frühe Morgenroutine, es gab außer Teekochen wenig zu machen: Küche war aufgeräumt und den Kater versorgte der Liebste. Bisschen Schmerzen im Fuß (…zusätzlich zu den normalen), ich machte mir etwas Sorgen wegen des wartenden Tages: nicht nur einen Riesensack voller Aufgaben zu erledigen, sondern auch ein beim Hausarzt am Morgen zum Fädenziehen. Aber: Dann sind die Fäden wenigstens draußen und ich hoffe sehr auf schnelle endgültige Heilung. Und dann Kräftigung und Muskelaufbau im Fuß und so, mittelfristig.

Erst einmal aber Morgen. Der Liebste musste früh gehen, deshalb ging ich nach einer ersten schnellen Tasse Tee direkt auch ins Bad, damit ich fertig war, solang er noch da war, und er mir meinen Fuß nach der Dusche frisch verpflastern konnte – die Stelle ist für mich allein total ungeschickt zu erreichen. Alles komplizierte Logistik. Auf jeden Fall frisches Pflaster, er verabschiedete sich und ging aus dem Haus, ich sah auf dem Esstisch seine Brille und sein Handy liegen und raste schnell nach draußen, um ihm hinterherzurufen. Erwischte ihn gerade noch so, bevor er unten um die Ecke verschwand. (…Kopf wie ein Sieb, der Mann.) Zurück ins Haus dann wieder mit ziemlichem Hinken, das schnelle Lossprinten hatte meiner Ferse tendenziell eher nicht so gut getan. Nun ja.

Mit einer Kanne Kräutertee ab halb neun am Schreibtisch. Dort wenig zu berichten, es war halt so wie schon die ganze Woche, dass das Riesenchaos des Katastrophenlieferanten wahnsinnig viel Zeit gekostet hatte und ich deshalb beim Aufarbeiten eines liegengebliebenen Riesenbergs war. Aber IMMERHIN mal etwas Positives: Der Lieferant meldete sich, hatte nachgearbeitet und ein offizielles Statement. Damit konnte ich tausend wartende Leute anschreiben und das Thema jetzt hoffentlich abhaken. (Waren natürlich nicht alle glücklich über die endgültige Entscheidung, ich bekam eine echt wütende Mail zurück, die bösen Rassismus hinter der ganzen Panne vermutete – ich kann ehrlich sagen: Rassismus war in diesem Fall nicht schuld, sondern eine Mischung aus tiefsitzender Inkompetenz und dämlicher Technikgläubigkeit beim Katastrophenlieferanten. Ist schon schlimm genug.)

Um elf hinkte ich los zum Hausarzt. Der Weg dahin ist nicht lang (normalerweise wäre ich zu Fuß in vier Minuten dort), aber er war echt unangenehm: Die blöden Plastikschuhe sind für richtiges gehen eigentlich nicht geeignet, vor allem wenn der Riemen hinten weggeklappt ist. Dadurch rutscht man im Fuß herum und hat null Halt, und überhaupt ist das ein Elend. Kein Wunder, dass mir der Fuß (nicht die OP-Wunde! Bänder und Gelenke) weh tat. Die Schuhe waren ja von mir ehrlicherweise auch nie als normale Schuhe zum Gehen gekauft worden, sondern eher so für den Garten oder so.

Anyway. Kurze Anmeldung und leichte Irritation bei mir, dass die Empfangsdamen alle mit Maske da saßen, aber kein Wunder, es ist halt mächtige Virenzeit im Moment. Ich hatte mir auch eine eingesteckt, aber da es nicht knallevoll war und ich mich gleich in einen extra Bereich setzen und das Wartezimmer umgehen konnte, brauchte ich sie nicht.

Dann also Fäden ziehen. Die junge, angestellte Ärztin war supernett, schaute sich erst den Arztbrief und dann die OP-Wunde an: Sieht alles sehr gut aus, ist schön verheilt, und dass der Fußrücken noch blau ist, ist durchaus normal. (Scheinbar passiert es häufig, dass sich das Eisen aus dem Blut um Gewebe ablagert und man noch Monate später eine Blaufärbung sieht. Okay.) Ich war natürlich etwas überängstlich und fragte, mimimi, nach einer örtlichen Betäubung für die Stelle, denn dass man aus dieser offenen (oder na ja, jetzt halt nicht mehr offenen, sondern ziemlich zugewachsenen, NOCH SCHLIMMER) Wunde Fäden herausreißt, stellte ich mir sehr unangenehm vor. Sie schaute sich das an und meinte gleich, es sei wirklich, wirklich nicht nötig – aber wenn ich vielleicht ein Eisspray wollte…? So wurde es gemacht, und was kann ich sagen: Völlig problemlos, es war innerhalb von fünf Minuten erledigt, und jedes Augenbrauenzupfen ist schmerzhafter als das. Ich bekam ein frisches Pflaster und ein paar Verhaltensregeln für die nächsten Tage (mit Duschen noch abwarten, Pflaster für die Polsterung vorerst weiter, ich merke selbst, wenn ich es nicht mehr brauche, genauso geschlossene Schuhe – das dauert noch ein bisschen). Spezielle Narbencreme empfahl sie eher nicht, aber so eine normale Vaseline oder so, klar – sobald der Schorf ab und die Wunde komplett geschlossen ist. Muss mich also noch ein bisschen gedulden.

Mit dieser Perspektive im Kopf hinkte ich direkt vom Arzt zum Supermarkt und dort zum Schuhladen und kaufte zwei Dreierpacks gepolsterte, kurze Socken (in erster Linie, weil sie im Angebot waren) und vor allem ein Paar wirklich schöne dunkelbraune Schuhe: hinten offen, ansonsten aber zu und mit richtigem Fußbett, viel Platz für die Zehen und den Fuß gut umschließend, sodass ich damit anständig laufen und den Fuß abrollen kann. Damit kann ich dann hoffentlich die nächste Woche ins Büro gehen und brauche die Plastikschuhe nicht mehr.

Daheim war es mittlerweile halb eins, also machte ich mir ein schnelles Stir Fry zum Mittagessen: ein kleiner Brokkoli, eine Zwiebel, eine Karotte, ein offenes, halbes Glas Bambusschoten, dazu ein paar Mie in den Wok, angebraten, abgelöscht mit einer Sauce aus Tamari, Sriracha-Mayo, Ahornsirup, Limettensaft und Sesamöl. War in 20 Minuten fertig und schmeckte ganz ordentlich. Danach ein Kaffee, bisschen Katerbespaßung, bisschen Rätsel.

Um zwanzig nach eins war ich wieder am Schreibtisch und arbeitete weiter bis zehn vor sieben, nur einmal unterbrochen vom Liebsten, der um vier nach Hause kam. Erfolgreicher Nachmittag: Nicht nur gab es endlich mal gute Nachrichten, ich konnte auch ansonsten eine ganze Menge wichtiger Sachen konzentriert wegarbeiten und sogar ein wenig nach vorne arbeiten (für die kommenden Wochen und sogar, man glaubt es kaum, für Januar-Februar). Als ich Schluss machte, war meine Inbox wieder einigermaßen okay und die Erlediliste… nun gut, nein, die ist immer noch wild und übervoll. Aber egal. Außerdem war klar, dass ich die Unterrichtsvorbereitung für die kommende Woche wieder aufs Wochenende schieben würde. Sei’s drum. Trotzdem erfolgreich.

Für den Abend hatte ich, Datumsnacht und so, „auswärts?“ auf den Wochenplan geschrieben, aber es war schnell klar, dass zu Fuß in die Stadt für mich noch deutlich zu weit wäre (Arzt und Supermarkt war schon das Maximum gewesen). Deshalb holte der Liebste uns zwei Portionen wunderbares afrikanisches Essen beim Imbiss drei Straßen weiter (und bekam prompt ein alkoholfreies Bier geschenkt). Damit also Datumsnacht daheim, mit gutem Essen, ausführlichem Gespräch, begleitet von zwei Gläsern Barbera Superiore. Die komplette Flasche tranken wir nicht, und auch vom Essen ließen wir etwas für den nächsten Tag übrig – wir sind ja vernünftig.

Restlicher Abend Netflix. Der Plan war, „mal wieder einen Film“ zu schauen, nur dass wir mittlerweile für Filme irgendwie keine Geduld mehr haben und ich auch keinen auf meiner Liste stehen hatte. Wir starteten also die spanische Miniserie El Problema Final, eine Art Sherlock-Holmes-Hommage, in den 50ern auf einer kleinen spanischen Insel spielend. Sehr, sehr nette Serie, und mit nur vier Folgen hätten wir sie sogar an einem Abend durchschauen können, wenn der Liebste nicht bei der dritten Folge tief eingeschlafen wäre und ich auch fürchterlich müde geworden wäre. Also halt um kurz vor zehn ins Bett und den Rest auf später verschoben. Generell finde ich das Miniserien-Konzept ja sehr überzeugend: Man hat keine tausend Folgen über -zig Staffeln mit irgendwann ausplätscherndem Ende, weil den Drehbuchautor:innen die Ideen ausgehen. Aber man hat andererseits doch genug Zeit, um eine Geschichte in Details zu erzählen, und muss nicht wie bei einem Film überall kürzen und straffen und weglassen. Und zwischendrin ins Bett gehen kann man auch.