Freitag 31.7.2026, Abschied nehmen
In Anbetracht der Umstände (warm im Zimmer, Alkohol) recht gut geschlafen. Allerdings wachte ich um kurz nach sechs mit irgendwie halbschlechter Laune auf – jede Menge Arbeitsgedanken, das nahende Urlaubsende macht sich bemerkbar. Wirklich ausgeschlafen war ich auch noch nicht. Ich döste deshalb noch eine ganze Weile und stand um halb acht schließlich auf, gerade als draußen ein rauschender Regenschauer runterkam. Allerdings nur für fünf Minuten und damit noch nicht mal ansatzweise genug, um den Pflanzen irgendwie zu helfen (aber genug für anschließend unangenehm schwüle Luft).
Der Liebste hatte die Nasen schon versorgt und war wegen Magi etwas besorgt: Er hatte gar nichts fressen wollen und auch die Medikamente nur widerwillig genommen. Immerhin verschwand er nicht sofort bei den Nachbarn, sondern legte sich zum Schlafen aufs Schattendeck.
Kurze Küchenrunde, dann schaute ich aufs Handy und sah, dass die Tierheimleiterin wegen des Kuchens geschrieben hatte: Ja, Kuchenspende auf jeden Fall gern, bis jetzt ist ein Kirschkuchen da, alles andere würde passen. (Keine Kollisionen hier von meiner Seite, lol – es gibt nichts Schlimmeres als Kirschen.) Und wir könnten ihn am Nachmittag bringen. Passte alles super. (Dachte ich.)
Noch vor dem Frühstück (und vor dem ersten Tee!!) ging ich deshalb zum Supermarkt nebenan, ein paar Sachen holen, die wir für einen einfachen Marmorkuchen mit Schokoüberzug brauchten. Auf dem Rückweg wurde ich von der Nachbarin angesprochen: Ob ich schon entdeckt hätte, dass wir in der Nacht Besuch hatten? Und tatsächlich waren alle mittlerweile drei Gelben Säcke, die bei uns vor dem Haus lagen, aufgenagt worden und der Inhalt verteilte sich auf dem Gehweg. SO ärgerlich. Wir packten also alles wieder in neue Säcke ein und räumten diese dann wieder ins Haus zurück – ich glaubte nicht mehr, dass da noch eine Abfuhr kommen würde (der nächste reguläre Termin ist kommende Woche), und es macht ja keinen Sinn, das Zeug weiter liegen zu lassen.
Anyway. Tee, Frühstück (Brot mit Mandelfrischkäse und Marmelade), dann in die Küche. Vorher rief ich aber noch bei der Tierärztin an (die gerade im Urlaub ist), und schrieb mir von ihrer Bandansage die Nummer der Vertretungstierärztin auf – für alle Fälle. Dann also Kuchenbacken, und ich sag mal: Ich habe mich auch schon souveräner dabei angestellt. Irgendwie brauchte ich für jeden Arbeitsschritt ewig, keine Ahnung warum. Rührte auch prompt einmal viel zu viel Milch mit dem Kakao zusammen und musste deshalb einen Teil neu machen, und überhaupt. Als der Kuchen um kurz nach halb elf endlich in den Ofen kam, war ich wirklich froh. Gut aussehen tat er auf jeden Fall.
Der Liebste hatte währenddessen im Garten noch einmal nach Magi geschaut und war reichlich besorgt wieder reingekommen: War sehr apathisch, Augen verklebt, Nase deutlich angeschwollen, wollte überhaupt nichts fressen. Er rief bei der Tierärztin an und bekam einen Termin gleich in einer Dreiviertelstunde. Was bedeutete, dass ich nicht mitgehen konnte, weil ja gerade der Kuchen im Ofen war. Schlechtes Timing.
Der Liebste sammelte Magi also ein und fuhr mit ihm in die Praxis (im Nachbardorf), aber vorher besprachen wir noch kurz, was denn unsere Linie wäre, wenn die Tierärztin eine schlechte Prognose hätte. Wir waren uns einig: Es ging ihm die ganzen letzten Wochen schleichend schlechter, man konnte zusehen, wie er immer mehr abbaute, und diese offensichtliche neue Infektion könnte man zwar eventuell mit Medikamenten und Infusionen (er trank auch fast nichts mehr) noch behandeln, aber wenn die Tierärztin keine völlig andere Einschätzung hatte, dann würden wir ihn nicht noch über eine lange Behandlung quälen. Ich schaute also noch einmal kurz nach ihm, wie ein Häuflein Elend in seiner Box liegend, und hatte schon die Befürchtung, dass ich mich hier gerade von ihm verabschiedete.
Und so war es dann auch. Gegen zwölf (da hatte ich den Kuchen gerade aus dem Ofen geholt) rief der Liebste an, um sich von mir mein letztes OK zu holen: Die Tierärztin hatte, vor allem in Anbetracht des schlechten Gesamtzustandes (sie vermutete ein Nierenversagen in den nächsten zwei Tagen), zum Einschläfern geraten. Uns beiden kamen natürlich erst einmal am Telefon die Tränen. Wir überlegten kurz, ob ich mir ein Auto buchte und auch noch ins Nachbardorf in die Praxis kam, aber das fand ich ehrlich gesagt nicht sinnvoll – warum sollte er noch eine Stunde lang dort herumliegen. Das machten wir also nicht. Auch dass die Tierärztin zu uns kam (was eigentlich meine Präferenz gewesen wäre), war heute nicht mehr möglich, rein terminlich, und wir wollten ihn erst recht nicht mehr einen Tag lang unnötig leiden lassen. Wir entschieden also, dass der Liebste ihn direkt in der Praxis einschläfern ließ, bei ihm auf dem Schoß und ohne lange Wartezeiten.
Völlig überraschend kam das natürlich nicht, wir hatten mehr oder weniger darauf gewartet – und ich bin sehr froh, dass wir ihm einen ruhigen Tod bereiten konnten und er nicht irgendwo unter einem Busch krepierte oder einem Marder über den Weg lief und wir ihn eines Morgens nicht mehr finden würden, ohne eine Ahnung, was passiert ist. Auch sehr froh, dass wir mit dem Daheimbleiben im Urlaub die richtige Entscheidung getroffen hatten.
Trotzdem war ich erst einmal ziemlich bedröppelt. Was vermutlich mit ein Grund war, dass mir der Kuchen komplett in zwei Teile zerbrach, als ich ihn aus der Form löste. SO bescheuert, die ganze blöde Backerei umsonst. Oh well. Ich ging duschen und auf den Liebsten warten.
Der kam um Viertel vor eins und wir weinten erst einmal ein bisschen zusammen. Und gingen dann mit Magi in den Garten, wo wir ihn an seine Lieblingsstelle legten: Er hatte sich eine kleine Kuhle im schattigen Gras zurechtgedrückt, weil es dort schattig war und er gut schlafen konnte, und an diese Stelle legten wir ihn, auf einem Handtuch, und lockten erst einmal den Nasenkater zu uns. Die Idee war, dass er an Magi schnuppern und sozusagen „kapieren“ konnte, dass er jetzt tot war. Keine Ahnung, ob das so klappte – er war ziemlich unsicher, schnupperte zwar in der Luft, aber roch vermutlich die Medikamente oder keine Ahnung, auf jeden Fall hielt er Distanz und legte sich neben mich an die Katzenminze. Und verschwand irgendwann wieder unter dem Ziegenstall.
Der Liebste hob währenddessen ein Grab unter dem alten Fliederbusch aus (unter Mühen, der Boden war sehr hart), und dort begruben wir ihn und legten ein paar schöne Natursteine auf die Stelle, die vom Terrassenlegen noch übrig waren. Mittelfristig werden wir dort vielleicht eine Katzenminze anpflanzen oder so. Es ist auf jeden Fall ein schöner Ruheplatz.
Den restlichen Tag über passierte nicht mehr viel. Zum Mittagessen (es war schon zwei) eine große Schüssel Salat und ein paar angebratene Maultaschen, dann ging ich zum Bäcker ums Eck und kaufte einen Marmorkuchen mit Schokoüberzug, und weil dieser ein bisschen klein war, noch einen Nusskuchen dazu. (War natürlich leider nicht vegan, SO ärgerlich, ich hätte sehr gern einen veganen Kuchen ins Tierheim gebracht.) Dann gründliches Staudengießen – es hatte wieder über 30 Grad und war sehr schwül. Um vier radelten wir zum Tierheim und gaben die Kuchen ab.
Wieder daheim holte der Liebste den selbst gebackenen Kuchen aus der Form – er war natürlich super geworden, nur einmal quer durchgebrochen. Nun ja. Hatten wir halt Kuchen fürs Wochenende. Er machte noch einen Schokoguss drauf und verarbeitete außerdem die falsch angerührte Kakaomilch zu einem Schokoladeneis. Und ich begutachtete und las ansonsten im Internet herum.
Aber EINE gute Sache passierte an diesem Tag dann doch noch: Irgendwann am Nachmittag hörte ich plötzlich ein Müllauto fahren, und als ich nachschaute, war es die Firma, die den Gelben Sack abholt. Es hatten sich offensichtlich also genug Leute mittlerweile beschwert. Ich war natürlich maximalst angenervt, denn wir hatten ja am Morgen die Gelben Säcke wieder vom Straßenrand weggeräumt. Aber wir hängen die vollen Säcke normalerweise an einen Haken neben der Haustür (damit sie nicht auf dem Boden stehen) und räumen sie am Abholtag nach vorn – und als ich nachschaute, waren die Säcke tatsächlich weg. Die Müllleute waren also extra in den Vorgarten bis zur Haustür gekommen und hatten die Säcke vom Haken gelöst und mitgenommen. Das machen sie normalerweise nicht (müssen sie auch nicht), aber in diesem Fall war ich über den Extraservice sehr froh. Ich hätte mich EXTREM geärgert, wenn wir die Abfuhr verpasst hätten. (…über eine Woche zu spät, aber nun ja. Jetzt sind sie weg.)
Eigentlich hatten wir für den Abend auswärts essen geplant (Datumsnacht), aber uns war beiden überhaupt nicht danach: beide traurig, beide keine Lust auf Interaktion mit anderen Leuten, und furchtbar klebrig fühlten wir uns auch (mittlerweile war es bewölkt und windig, man sah Wetterleuchten, aber es war heiß – 35 Grad – und unfassbar schwül). Ich öffnete mir deshalb ein Kochbier, startete einen Podcast und zog das für Samstag geplante Abendessen vor. Richtig schnell war ich nicht – es wurde Viertel nach acht, bis wir essen konnten – aber egal, ich machte uns eine wunderbare Soup au Pistou, mit viel frischem Gemüse (Zucchini, grüne Bohnen, Kartoffeln, Cherrytomaten) und selbst gemixtem Pesto. Sehr lustig übrigens: Als ich für das Pesto Basilikum von der Dachterrasse holte, sah ich zu meiner Überraschung eine ziemlich große Zucchini, die da gestern eigentlich noch nicht gewesen war. Und als ich ein bisschen goss (…denn natürlich regnete das Gewitter mal wieder woanders ab), entdeckte ich hinter dem Bewässerungsbecken noch eine zweite, viel größere, die wir einfach übersehen hatten. Und ich hatte mich schon gewundert, warum wir keine Zucchini mehr ernten.
Restlicher Abend sehr gutes Essen, Schoko-Marmorkuchen als Nachtisch (perfekt geworden, er ließ sich halt nur nicht mehr in Scheiben schneiden), dazu Star Gate. Um halb zehn kam der Nasenkater zu uns aufs Sofa und schlief friedlich neben uns ein – keine Ahnung, ob er Gesellschaft wollte oder einfach nur wegen der Gewitterluft draußen reingekommen war. Ich freute mich auf jeden Fall. Recht früh ins Bett, bei 25 Grad im Schlafzimmer. Na ja.