Recht gute Nacht und die erste seit langem, in dem es wirklich (mit offener Dachterrassentür) richtig kühl wurde im Schlafzimmer. Meine Güte. Morgens Viertel nach sechs mit Weckerlicht aufgestanden, zu einem wartenden Kater (der große Teile der Nacht bei mir gewesen war, sich aber sehr manierlich verhalten hatte). Übliche Morgenroutine, Katzenmaintenance, Küchenrunde, Tee, alles mit Blick auf die Uhr: Der Liebste musste früh zur Arbeit und ich auch nicht allzu viel später: Vor mir lag ein voraussichtlich langer Tag im Klinikum. Bisschen Nervosität deshalb bei mir, nicht wegen des Vorgangs an sich (nur die Vor- und Aufklärungsgespräche), sondern wegen der ganzen Logistik drum herum, angefangen bei der Busfahrt. Ich bin schon mal gespannt, wie das kommende Woche wird, wenn dann die eigentliche OP ansteht. (Bis jetzt denke ich noch gar nicht so viel direkt dran, weil so viel anderes Zeug drumherum zu organisieren ist.)
Zügiges Müsli zum Frühstück, dann ging der Liebste aus dem Haus. Ich räumte ein bisschen auf, packte meine Sachen, duschte und folgte ihm um Viertel vor neun mit dem Bus hoch auf den Berg. (Sehr froh übrigens mal wieder über mein Deutschlandticket, obwohl es eigentlich für mich viel zu teuer ist, aber es ist einfach SO sehr praktisch, in jeden Bus ohne Fahrkarte einsteigen zu können.)
Oben traf ich mich mit dem Liebsten, der seinen ersten Termin bereits hinter sich hatte und mich zur orthopädischen Ambulanz brachte. Das letzte Mal hatte er mich nämlich auch gebracht, und zwar auf dem kürzesten Weg, inklusive, I kid you not, durch ein offenes Fenster klettern (das Fenster dient gleichzeitig als Notausgang und ist deshalb mehr oder weniger ebenerdig, aber – trotzdem) und ähnliche Schleichwege. Deshalb kannte ich den eigentlichen Weg nicht und musste mich halt wieder bringen lassen. Das änderten wir jetzt aber, wir gingen „offiziell“ und ich schaute mir die Schilder an. Da ich im Lauf des Tages mehrfach hin und her musste, bin ich jetzt ziemlich sicher, dass ich den Weg auch allein finden würde.
Erst einmal aber Ambulanz, wo ich vorhatte, mich am Schalter anzumelden. So weit kam es nicht: Wir standen gerade vor dem Schalter und wollten uns orientieren, da kam ein älterer Weißkittel-Mensch auf uns zu, der sich als Ärztlicher Direktor der Orthopädischen Klinik herausstellte. Da der Liebste ja mit seinem technischen Arbeitsthema in alle Kliniken und mehr oder weniger alle Abteilungen kommt, ist er dementsprechend bekannt und wurde vom Arzt sofort angesprochen: Ob er heute als Patient hier sei? Nein, meine Frau, wegen Vor-Aufnahme und Aufklärung und so. Aha, da seien wir aber vermutlich falsch. Ob er mal meine Zettel sehen könne?
Ich drückte sie ihm in die Hand, er warf einen Blick drauf, telefonierte kurz mit irgendwo und sagte: Ich bringe Sie hin. Also marschierten wir ihm hinterher durchs halbe Gebäude und ein Stockwerk nach oben, wo er mich in einem Aufnahmebüro ankündigte – ich habe hier Frau S, die hat heute die Voraufnahme, Papiere habe ich hier, sehen Sie mal zu, dass sie eilig drankommt – und sich dann noch kurz mit dem Liebsten über arbeitsbezogenes Zeug unterhielt, bevor er wieder auf Station verschwand. Ich bin es ÜBERHAUPT nicht gewöhnt, im medizinischen Bereich so gepampert zu werden, also schon anständig behandelt, aber halt auch sehr anonym, so als Nummer, bei der man selbst dafür Sorge tragen muss, dass man nicht zwischendrin im Getriebe vergessen wird. (Diese Sonderbehandlung – geht es so normalerweise Privatpatienten?) War leicht peinlich berührt, aber unfassbar nett fand ich es natürlich auch.
Nach kurzer Wartezeit also Orgakram im Aufnahmebüro, dann ging ich in ein Behandlungszimmer zur orthopädischen Aufklärung. Dort traf ich den Direktor wieder, er machte die Aufklärung nämlich selbst, allerdings nicht allein und er war auch nicht wegen mir da, sondern in erster Linie wegen der jungen Assistenzärztin (sehr aufgeregt, recht gestresst), die die Aufklärung inklusive körperlicher Untersuchung und Blutabnahme eigentlich übernahm. Halt angeleitet, mehr oder weniger („jetzt machen Sie mal, und ich schaue zu“ – nach 30 Sekunden der erste Tipp zur Verbesserung). Für mich bedeutete das eine etwas lustige Mischung aus eigentlich zwei Ärzten, die sich um mich kümmerten, die aber gleichzeitig auch ganz schön viel mit sich selber beschäftigt waren, also zuhören, erklären, ausprobieren, neu machen. War für mich aber recht interessant. Zumal die Tipps, die sie bekam, noch auf einem Level waren, dass ich sie ihr auch hätte geben können: „Schauen Sie mal, da oben haben Sie ja ‚Diagnose Achillessehnenverknöcherung linker Fuß, Behandlungsform OP Abtragung‘ schon geschrieben, dann brauchen Sie es zwei Zeilen weiter unten nicht wörtlich zu wiederholen“ oder „Sie könnten sich die Untersuchung einfacher machen, wenn Sie die Patientin auf der Liege liegen statt sitzen lassen“ (ich saß auf der Liege, meine Füße baumelten nach unten und die Ärztin lag mehr oder weniger fast auf dem Boden, um meine Achillessehne anzuschauen). Oder auch: „Wenn Sie die Hände zuerst mit Desinfektionsmittel einsprühen, kriegen Sie die Handschuhe danach nie mehr drüber.“ Lol.
Nach der Aufklärung verabschiedete der Chefarzt sich, die Ärztin machte noch ein paar letzte Haken auf ihrer Liste (sie hatte eine Checkliste mit Punkten zu möglichen Komplikationen, und die las sie mir alle-alle vor, weil es da halt so stand – Ärzte arbeiten gern Listen ab, ist so) und ich ging wieder ins Aufnahmebüro. Ich war morgens ja schon verwundert gewesen, dass ich mir den eigentlichen Startort (ein Stock tiefer, am Schalter Orthopädie) so falsch gemerkt hatte. Wie sich herausstellte: Das wäre schon richtig gewesen, denn ich hätte mich erst komplett anmelden müssen. Jetzt war ich nicht im System und hatte deshalb keinen Laufzettel und meine Namensschildchen für die Akte waren auch nicht angelegt und ausgedruckt und überhaupt, alles in der falschen Reihenfolge. Und das nur, weil der Chef sich eingemischt hatte! Die Sekretärin schwankte zwischen Amüsement und „was mach ich denn jetzt?“ Schickte mich dann aber einfach einen Stock nach unten, inklusive Akte (vorläufig mit Kuli beschriftet, „wir machen das jetzt einfach ohne Kleber, ging ja früher auch“), zum Anmelden und dann zur Anästhäsie-Aufklärung, die war sowieso direkt gegenüber.
Beim Schalter war man erst einmal maximal verwirrt, schon wieder, falsche Reihenfolge, aber Sie haben doch jetzt Ihre Akte schon, warum, wie, hä? Aber dann kriegte man die Anmeldung doch hin. Ab da der „normale“ Ablauf. Bisschen Wartezeit, dann das Aufklärungsgespräch in der Anästhesie (der dortige Arzt war etwas erfahrener und sicherer und sehr nett). Wieder nach oben, weitere Wartezeit, bis meine Laborwerte da waren. Da war es dann schon halb eins und der Liebste kam aus dem Büro, um mit mir gemeinsam Mittagspause zu machen und Nudelsalat zu essen. Und um kurz nach eins waren dann auch die Laborwerte da, alles in Ordnung, und ich konnte wieder gehen. Um halb zwei war ich wieder daheim.
Dort erst einmal kurze Pause, ich holte mir einen großen Kaffee im Supermarkt nebenan, dann ein bisschen Haushaltskram (Spülmaschine, neuen Brotteig ansetzen, dem Kater Augentropfen geben). Ich freute mich, dass der Kater seinen Frischfutternapf wirklich bis auf den letzten Krümel leergefressen hatte, eher ungewöhnlich, bis ich feststellte, dass der Liebste vergessen hatte, das Fenster zum unteren Schlafzimmer zu schließen. Damit also Tag des offenen Fensters für den Nachbarskater, und der hatte offensichtlich den Napf komplett geleert. Super.
Nachmittags noch ein bisschen Arbeit, Orgakram und Kommunikation auf den neuesten Stand bringen. Um fünf machte ich Schluss und kochte mit dem Liebsten gemeinsam, der gerade heimgekommen war, einen großen Topf Soljanka. Den schafften wir dann zwar nicht mehr zu essen, aber das ist bei dem Essen ja egal: Soljanka verträgt langes Durchziehen hervorragend.
Wir ließen den Topf stehen, packten den Kater in die Box und fuhren um kurz nach sechs mit ihm zur letzten Augenkontrolle zur Tierärztin. Dort ENDLICH das erwünschte Resultat: Die Hornhaut ist wieder komplett verheilt, man sieht zwar noch die große Narbe, aber es ist nichts mehr offen. Damit keine Augentropfen mehr, kein Nerven mehr alle paar Stunden, und überhaupt hoffentlich wieder ein bisschen einfach nur normaler Alltag. In der Hoffnung, dass der Kater sich die nächsten Monate oder Jahre oder überhaupt einfach generell gar nicht mehr verletzt. Das wäre doch großartig.
Um acht daheim und endlich Feierabend. Soljanka zum Abendessen, Ananasquark hinterher, dann Sternentor, irgendwann sogar mit dem Kater, der nur anderthalb Stunden brauchte, bis er uns die blöde Box und Auto und alles verzieh und wieder reinkam. Und um zehn ins Bett, ohne Buch und mit einem sehr vollen Kopf nach einem vollen Tag.