Unters Messer, Freitag 23.10.2026

Ziemlich ausführlicher Krankenhaus-Bericht hier, in erster Linie, damit ich mich später dran noch erinnere – für andere Leute vielleicht nicht soooo wahnsinnig spannend zu lesen. Aber halt zu Dokumentationszwecken.

Relativ unruhige Nacht mit viel Wachliegen (und um halb vier noch zwei große Gläser Wasser trinken, solang ich noch durfte!), aber immerhin zu ein paar Tiefschlafphasen kam ich. Aus der letzten wachte ich einigermaßen erholt auf, überlegte ein bisschen wegen Liegenbleiben (schön warm) oder doch aufstehen und aufs Klo, und als ich den Wecker anmachte, war es exakt 6:00 Uhr. Was natürlich ganz toll war, denn ich hatte den Wecker auf 6 gestellt, er hätte also um 5:45 Uhr den Lichtzyklus starten und um 6 piepsen müssen. Gerade mal rechtzeitig wach geworden! Und auf den Kater, der sonst ja ab halb sechs rumlatscht, konnte ich mich an diesem Tag halt auch nicht verlassen.
Nun ja. Viel zu tun hatte ich ja nicht: Ich stand auf und ging direkt Zähne putzen und duschen (mit mildem Waschgel statt Seife, um die Haut nicht so auszutrocknen – cremen war ja verboten). Der Liebste versorgte währenddessen den Kater und trank eine Tasse Tee, während ich ihn neidisch beobachtete. Wenn ich die genaue OP-Uhrzeit gewusst hätte, hätte mir direkt morgens vielleicht noch eine Tasse gereicht – 2 Stunden vorher nichts trinken hieß es – aber ich hatte halt nur 7 Uhr Ankunft auf dem Zettel. Aber es gibt Schlimmeres, auch das verpasste Frühstück, weswegen ich mir vorher noch Gedanken gemacht hatte, war mir irgendwie egal. Um zwanzig vor sieben gingen wir los zur chirurgischen Klinik im Nachbarviertel.

Alles noch recht dunkel da, es kamen so langsam die ersten Leute vom Personal, und wir saßen ein bisschen vor dem Patienteneingang im zweiten Stock herum (hatten einmal geklingelt, aber vorher schon die Info bekommen, dass dort vermutlich nicht direkt morgens um sieben geöffnet würde). Etwas Small Talk mit einer anderen Patientin, ein bisschen jünger als ich, die auch um sieben einbestellt war („bei mir Knie, Sie?“ – „Achilles“ – „ach, auch schön“). Und um Viertel nach sieben ging die Tür auf und ich wurde reingerufen. Der Liebste ließ noch seine Telefonnummern da und ging dann wieder heim, frühstücken und auf den Anruf mittags warten.

Für mich begann eine lange Zeit mit wenig zu tun. Ich gab den unterschriebenen anästhetischen Aufklärungsbogen ab, beantwortete noch ein paar Fragen, dann zog ich mich bis auf die Unterhose aus und bekam ein Flügelhemd und ein paar Plastik-Überzieher für die Füße und eine Haube für die Haare, und damit legte ich mich in ein Bett und wartete. Ziemlich lang, die mit mir einbestellte Knie-Frau wurde nach mir reingeholt, kam aber vor mir in den OP (ihre war wohl etwas komplexer, erforderte eine tiefere Narkose und eine längere Aufwachphase). War für mich etwas doof, weil ich zweimal aufstehen und aufs Klo musste (obwohl ich morgens nichts getrunken hatte!!), und kalt war es trotz Decke auch. Egal.

Um Viertel vor neun kam eine OP-Assistentin zu mir, um mir EKG-Pads auf den Brustkorb zu kleben und mir einen Zugang für das Narkosemittel zu legen. Normalerweise sind ja Blut abnehmen, Spritzen, venöse Zugänge und so kein großes Thema für mich (gute Venen, alles easy), nur leider versuchte die junge Frau erst einen Zugang direkt auf dem Handrücken, und da klappte das halt überhaupt nicht: Es tat höllisch weh, sie bekam die Nadel nicht vorgeschoben und schließlich platzte natürlich die Vene. SUPI! Sie entschuldigte sich tausendmal, ich schlug die Vene in der Armbeuge vor, wo es dann problemlos ging, und ich hatte die erste kleine Panne schon hinter mir. Und arbeitete daran, nicht abergläubisch zu sein („schlechtes Ohmen“). Zu ihrer Ehrenrettung sei gesagt, dass es bei dem kalten Wetter (ich hatte eiskalte Finger) und ohne getrunken zu haben etwas schwierig ist mit dem Venensuchen.

Viertel nach neun war ich als zweite schließlich dran. Der Anästhesist (einer von der Clown-gevespert-Fraktion) schob mich in den OP-Saal, ließ mich dort auf den Bauch liegen (…wenig überraschend bei einer Achillessehnen-OP) und musste dann erst einmal die EKG-Pads alle vom Brustkorb auf den Rücken kleben, lol. Dann Schlauch in den Mund, ich bekam ein bisschen reinen Sauerstoff zu atmen, es wurde das erste Medikament über den Zugang gespritzt (vom Flüssigkeit-Reinlaufen merkte ich übrigens gar nichts), dann das zweite, der Anästhesist sagte pragmatisch „dann mal gute Nacht“, mir wurde schwindlig und fertig. Alles ruckizucki. (Für mich trotzdem hochspannend, da meine letzte Vollnarkose Jahrzehnte her ist, also ziemliches Neuland.)

Aufwachen: Ich lag halb auf dem Bauch in meinem Bett, hatte Halsweh, mir tat scheußlich der linke Fuß weh, ich fühlte mich sehr kaputt, ohne müde zu sein, und Kopfweh hatte ich auch. Außerdem schweinekalt. Gegen alles das hatten die Pflegekräfte, die gleich nach mir schauten, Gegenmittel. Halsweh: ja, kommt durch den Tubus (an das Entfernen hatte ich keine Erinnerung, obwohl man da eigentlich etwas mithelfen – nämlich Mund aufmachen – muss), hier Wasser. Zweite Decke natürlich gegen Kälte. Schmerzmittel als Saft, und als das nicht gut half („auf einer Skala von 1 bis 10…?“ gab ich 4-5 an), bekam ich nochmal The Good Stuff über die Vene. Damit pennte/döste ich noch einmal ein bisschen.

Als ich so richtig wach wurde, war es halb eins. Ich bekam noch etwas Wasser und Traubenzucker, der Anästhesist schaute noch einmal nach mir (aber alles im grünen Bereich, ich fühlte mich auch erstaunlich gut), und dann wurde der Zugang gezogen und ich durfte mich vorsichtig (alles etwas wackelig) anziehen. Letztes Abschlussgespräch mit der Assistenzärztin, ich bekam eine Tonne Rezepte für Medikamente und Krücken (die ich allerdings nicht zwingend brauchte, sie hatten nämlich an der eigentlichen Sehne nichts machen müssen, wirklich nur den Knochenhöcker abhobeln – also gute Nachrichten) und war damit entlassen.
Draußen rief ich den Liebsten an, damit er mich abholen kam, und wartete dann auf dem Sofa im Eingangsbereich, mit Fuß hochgelagert und Tür zum OP-Bereich offen (die Pflegekräfte schauten immer mal wieder nach mir, bis der Liebste kam). Gegen eins kam dann auch der Chirurg, schon umgezogen für den Feierabend, und stoppte noch einmal kurz bei mir, um zu fragen, ob alles in Ordnung sei. Insgesamt fühlte ich mich sehr gut betreut, muss ich sagen, und dass es zwar die Ärzte vom großen Klinikum waren, aber die Umgebung vom kleinen Krankenhaus (also sehr überschaubar – neben mir wurden an diesem Freitag noch drei oder vier weitere Patient:innen operiert), fand ich auch sehr angenehm.

Vom Liebsten heimgefahren, ins Haus gehinkt (gehen ging besser als ich dachte, aber weit entfernt von gut) und dort aufs Sofa. Wo ich mehr oder weniger den restlichen Tag verbrachte, von gelegentlichem Aufstehen für Tee oder Klo mal abgesehen. Der Liebste machte mir die restlichen Ofenkartoffeln in der Pfanne warm (danach ein Becher Zitronenjoghurt – ich hatte Hunger) und ging dann für mich die Medikamente in der Apotheke einlösen (zwei verschiedene Schmerzmedikamente, einmal Magenschoner, außerdem Krücken, die wir aber nicht holen mussten, weil der Liebste von seinem Wadenbeinbruch noch welche übrig hatte). Von den Schmerzmitteln nahm ich zwei nach dem Essen, hatte dann wieder Hunger (…das ausgefallene Frühstück) und aß zwei Scheiben Schokobrot, und dann wurde mir ziemlich warm und wohlig und ich schlief ein paar Stunden tief und fest.

Gegen vier wachte ich wieder auf und beschäftigte mich den restlichen Tag mit Rätsel, Internet, Lesen. Irgendwann fummelte ich meinen Verband vom Zugang am Arm weg (mühsam, weil sich der Zellstoff mit dem Blut auf der Wunde verklebt hatte) und nahm noch einmal eine Ibu 600. Und ruhte mich ansonsten aus, nur einmal unterbrochen von ein bisschen Krückenlaufen-üben.
Zum Abendessen eine Auflaufform Penne, Tomatensauce, Spinat und gekauften veganen Käse, also die Schnellversion, aber sehr gut. Und dann verbrachten wir den Abend mit Blaulichtquatsch und Rookies auf dem Sofa. Ich war schmerzfrei (wenn ich nicht Treppen gehen musste) und insgesamt ziemlich guter Dinge.

Der letzte kleine Rückschlag kam dann kurz vorm zu Bett gehen. Ich hatte zusätzlich zu den Schmerzmitteln noch Thrombosespritzen zum Selbstspritzen verordnet bekommen, mit dem Hinweis, dass ich sie eigentlich nur bräuchte, wenn ich mich wenig bewegen würde, nur in den ersten Tagen. So wie die Ärztin mir die Anwendung erklärte, stellte ich mir eine Art Pen vor, den man auf die Hautfalte am Bauch aufsetzt und dann oben auslöst („bis es deutlich hörbar klickt“, war die Aussage).
Tja, aber was da aus der Packung kam, war ganz offensichtlich eine normale Spritze, also natürlich schon mit Medikament aufgezogen, aber vorne unter der Schutzkappe eine normale Nadel und alles. Und das war mir dann leider, nach diesem doch eher emotional anstrengenden Tag, etwas too much an Überwindung. Mir selbst diese (natürlich riesig aussehende) Nadel in den Bauch stechen? Nein, das ging nicht. Sorry. Überhaupt keine Chance. Der Liebste schlug vor, dass er es übernehmen könne, aber das war auch keine Option. Ich hielt mich also daran fest, dass ich ja den Tag über immer wieder durch die Bude gehinkt war (wenn ich einen normalen Home Office-Arbeitstag habe, bewege ich mich auch nicht viel mehr), und ließ die Thromboseprophylaxe bleiben. Ob ich das die nächsten Tage doch noch mal angehe – mal schauen. Im Moment sehe ich das für mich eher nicht.