Anstrengende Nacht, in der ich erst wegen eines blöden Hustenreizes ewig nicht einschlafen konnte – der Liebste hörte mich husten und kam irgendwann mit einer Flasche Wasser ins Schlafzimmer, das half ein bisschen. Führte natürlich nur dazu, dass ich dann nachts aufs Klo musste, na ja, aber egal – morgens um Viertel vor sechs von selbst aufgewacht und wenigstens einigermaßen ausgeschlafen. Ich hatte ja die Nacht ohne extra Schmerzmittel versucht (das letzte gegen sieben am Vorabend genommen) und das hatte auch ganz gut geklappt, aber beim Aufstehen merkte ich schon noch, dass es ganz ohne über den Tag nicht gehen wird. Also mit einer Ibu für den Vormittag nachgelegt und dann nach dem Kater geschaut, Küchen- und Aufräumrunde. Alles eher minimalistisch, mit eher wenig Rumlaufen. Raus wollte der Kater sowieso nicht, denn draußen sehr herbstliches, nasses Wetter, wenn auch (noch) ohne Regen.
Blick in die Zeitung, dann Blick in die Timeline und vor allem zu den Guardian-Pushnachrichten, die über Nacht gekommen waren, und da endlich mal Frohes zu verkünden: Sowohl in Brasilien als auch (noch hoffnungsvoller und beeindruckender für mich) in Serbien haben die ultrarechten Kräfte die Wahlen deutlich verloren. SO gut! Und macht wirklich Hoffnung: Es ist halt kein Automatismus, dass der Rechtsnationalismus sich überall breit macht, sondern er kann – mit demokratischen Mitteln! – auch zurückgedrängt werden. Jetzt hoffe ich, dass es dort, in Serbien vor allem, positiv weitergeht. Es ist auf jeden Fall kein kurzer Weg.
Müsli zum Frühstück, dann machte der Liebste sich auf den Weg zu seinem Auswärtstermin und ich ging ab halb neun an den Schreibtisch. Eigentlich schwebte mir vor, nur meinen Autoresponder auszuschalten und kurz nach dem Rechten zu sehen, dann beim Hausarzt anzurufen und mir für Freitag und vielleicht auch Montag und Dienstag eine Krankmeldung zu holen – na ja. Irgendwie so.
Klappte natürlich null: In der einen Urlaubswoche waren so viele dringliche Sachen aufgelaufen, dass ich den ganzen Vormittag nur mit Nacharbeiten und Sortieren und Informieren beschäftigt war. Dass meine Urlaubsvertretung ab Mittwoch auch krank gewesen war, half nicht wirklich. Dazu meldete sich der Chef noch für einen kurzen Call, um Informationen auszutauschen, und ab elf hatte ich ja meinen Skandinavierkurs. Und beim Hausarzt war ich zwischendrin natürlich auch nicht durchgekommen. Aber immerhin positive Nachricht vom Chef: Er veranlasste beim Lohnbüro, dass ich auf jeden Fall für den Freitag als krankgeschrieben eingetragen bin und dafür keinen gelben Schein brauche. Das Gedöns kann ich mir also sparen. Werde trotzdem noch einmal hin müssen (spätestens, um die Fäden ziehen zu lassen), aber für jetzt war es erst einmal egal.
Längere Pause von halb eins bis drei auf dem Sofa. Ich merkte nämlich irgendwann schon, dass „Fuß hoch“ kein Fehler wäre, aber mit dem Hocker, den ich mir zu diesem Zweck an den Schreibtisch gestellt hatte, ging das nur bedingt. Deshalb nach der Mittagspause mit dem restlichen Gemüseeintopf (und mit dem Liebsten, der nach seinem Termin wieder ins Home Office gekommen war und mir Sachen durch die Gegend trug) also aufs Sofa und dort Zeugs gelesen. Das tat auch meiner Stimme gut: Nach dem Husten in der Nacht und dem vielen Reden am Vormittag war ich ziemlich heiser.
Von drei bis sechs arbeitete ich dann noch einmal konzentriert (war sehr froh, dass der Kollege meinen Abendkurs ab sechs übernahm, den hätte ich definitiv nicht unterrichten können) und war dann wieder auf einem ganz guten Stand: Mailbox einigermaßen durchgearbeitet, die wichtigsten Sachen abgehakt, Termine geklärt und so. Und auch positiv: Nach der Ibu am Morgen hatte ich keine weiteren Schmerzmittel gebraucht.
Nicht so positiv allerdings der zweite Versuch Thrombosespritze um sechs. Also einerseits schon, weil es klappte, ich kriegte das Medikament in die Bauchfalte gespritzt (und das eigentliche Spritzen ist auch kein Thema, die Nadel ist superdünn und geht quasi schmerzfrei durch die Haut, wenn man nicht lang rummacht, sondern einfach zusticht), aber der Schmerz danach war echt unangenehm. Keine Ahnung, ob man das noch optimieren kann oder ich etwas falsch mache oder so. Auf jeden Fall tat es bestimmt eine Viertelstunde lang ziemlich weh. Und ich war etwas beleidigt.
Anstrengender Tag so insgesamt, die Mischung aus Arbeit und Körperlichkeiten, deshalb war ich zum Feierabend ziemlich durch: Ich parkte mich auf dem Sofa und ging dort nicht mehr weg. Der Liebste machte uns das Abendessen (Rote Bete, Radicchio, Zwiebeln und Orangenspalten in der Ofenform mit Feto und ein paar Gewürzen). Interessantes Abendessen, die Mischung aus süßlich (Rote Bete), sauer (Orange), salzig (Feto) und bitter (Radicchio) passte erstaunlich gut zusammen. Nur der Radicchio war ein bisschen sehr bitter (aber das ist ja bestimmt supergesund oder so).
Restlicher Abend Nachrichten (mehr zu Brasilien und Serbien, viele feiernde Menschen, dazu der moralische Totalausfall des mit Faschisten kuschelnden Audi-Chefs, aber naja, wer hätte an dieser Position auch „Moral“ erwartet), dann ein paar Folgen Rookies und ins Bett um zehn. Ziemlich genau richtig müde, wie jedes Jahr: sehr zufrieden mit der Zeitumstellung. Von mir aus darf es jetzt Spätherbst werden.