Um den Kater, der mich um fünf aufweckt, weil es für ihn durch die Zeitumstellung gefühlt schon sechs ist, hätte ich mir keine Sorgen zu machen brauchen: Er machte bereits ab halb drei (alte Uhrzeit)/halb vier (neue Uhrzeit) Rabatz. Der Honk. Um sechs ließ ich ihn auf die Dachterrasse, was er völlig inakzeptabel fand, weil es draußen stürmte und regnete. Ich war erstaunlich müde und blieb deshalb noch liegen bis halb sieben, und der Liebste klapperte unten und lockte damit den Kater zu ihm. Insgesamt Tag 2 nach der OP: Eher anstrengend, weniger wegen der OP-Wunde, sondern weil sämtliche anderen Baustellen (Hüften, Nacken, rechtes Knie WTF) durch das Herumgeliege weh zu tun begannen und natürlich die Reizung der Achillessehne(n) immer noch da ist. Ich hinkte also ausgesprochen angestrengt. War aber vernünftig und nahm gleich morgens eine Ibu, bevor sich der Schmerz so richtig festbiss. Schon alles recht mühsam.
Der Plan für den Tag war also: Sofa, Bein hochlegen, ausruhen, und das machte ich mehr oder weniger. Morgens ein bisschen schreiben, englisches Frühstück durch den Liebsten, und dann in die Horizontale. Den restlichen Vormittag lag ich dort, las das Internet leer, machte Rätsel und las, begleitet durch den Liebsten und vor allem durch den Kater, der fast den ganzen Tag im Haus pennte. Draußen ungemütliches Wetter, allerdings waren Massen an Regen vorhergesagt, und die gab es nicht, nur immer mal wieder Regenphasen und Windböen – wir bekamen nur die allerletzten Ausläufer der Atlantik- und Schwarzwald-Stürme ab. Trotzdem drinnen deutlich gemütlicher als draußen.
Mittags restlicher brasilianischer Kokos-Bohneneintopf, danach Kaffee und ein bisschen Nusszopf. Und dann war ich ein ganz, ganz tapferer Mensch und entschloss mich, es mit der Thrombosespritze noch einmal zu versuchen. Das haben ja schließlich andere schon vor mir geschafft, so schwer kann es ja nicht sein und überhaupt, „tut gar nicht weh!“, dieser kleine Pieks. Und insgesamt war ich halt schon fast ausschließlich auf dem Sofa.
Also hinkte ich nach oben, desinfizierte eine Stelle rechts vom Bauchnabel und piekste mir dann diese blöde Spritze in die Hautfalte. Zwei direkte Erfahrungen: Wenn man nur so ein bisschen die Spitze reinsteckt, dann geht es nicht, die Spritze muss schon komplett rein, was sie nach dem ersten Anfangswiderstand auch problemlos macht. Das Zeug muss nämlich unter die Hautschicht (subkutan), also: Haut durchstupfen. Und die zweite Erfahrung: Auch wenn man langsam spritzt, dann merkt man es trotzdem. Sorry, aber „tut gar nicht weh“? Das kann ich nicht bestätigen, ich fand es vor allem danach ziemlich schmerzhaft, die Stelle schmerzte bestimmt für zehn Minuten. Mäh. Vielleicht weil ich am Anfang eben mit dem Pieksen zu zaghaft war, dann erschrocken bin und das Medikament dann doch zu schnell gespritzt habe, keine Ahnung. Es ist auf jeden Fall aushaltbar, das schon. Aber ich hätte doch gern vorher gewusst, dass es nicht schmerzfrei sein wird. Nun ja.
Nachmittags weiter auf dem Sofa, nur einmal unterbrochen von Körperpflege (wieder sitzend in der Badewanne abgeduscht, sodass der linke Fuß nicht nass wurde) und Haare waschen (vornüber gebeugt über die Badewanne, was erstaunlich gut ging – der Liebste assistierte und reichte mir Duschkopf, Shampoo und Handtuch an).
Ansonsten lesen. Mein Bergretter-Erfahrungsbuch hatte ich bald durch und fing ein neues an: Die Scharfseherin von Jürgen Wertheimer, Troia goes Popkultur oder so. Die ersten Kapitel schon einmal ziemlich vielversprechend, auch wenn ich es hilfreich fand, die allerwichtigsten Protagonist:innen und Elemente der Mythologie parallel auf Wikipedia nachzulesen. (Ilias und Odyssee grundsätzlich schon vertraut, aber ist halt lange her.)
Um halb sechs klingelte es bei uns an der Tür und es passierte etwas, womit ich ja sehr wenig Erfahrung habe: Nämlich dass die Internet-Welt-Menschen und die Echte-Welt-Menschen (IRL, sozusagen) eine Überschneidung bekommen. Und zwar hatte jemand auf Mastodon geschrieben: Ob wohl irgendwer ein GrapheneOS-fähiges oder alternativ ein altes Fairphone zum Abkaufen hätte? Sein Sohn bräuchte so langsam eins für die Schule (da gibt es wohl einen Klassenchat, von dem er sonst ausgeschlossen wäre) und nachvollziehbarerweise wollten sie nicht unbedingt ein neues kaufen müssen. Naja, und bei mir lag ja mein Fairphone 4 im Arbeitszimmer rum. Das hatte ich zwar eigentlich als mein neues Geschäftshandy geplant, aber so richtig nötig war es nicht, denn das alte iPhone funktioniert als Geschäftshandy grundsätzlich prima, nur der Akku schwächelt halt, aber was soll’s. Ich fand diese Variante (dass das Fairphone wirklich noch richtig benutzt wird) deutlich sinnvoller. Und noch dazu wusste ich, dass der schreibende Mensch hier in der Region wohnt. Also antwortete ich auf Mastodon, wir schrieben ein paar DM’s hin und her, und um halb sechs klingelte er bei uns und holte es ab. Für umsonst, denn das Ding ist vier Jahre alt und hat ein paar Macken in der Hülle, da wollte ich kein Geld für, aber er brachte eine Tüte mit selbst gebackenen Keksen. SEHR nett! Ich hatte das Handy vorher noch auf Werkseinstellungen zurückgesetzt, damit ist alles an meinen Daten weg, und jetzt hoffe ich, dass es noch ein bisschen Laufzeit in sich hat. Denke aber schon. Und bei mir liegt ein To-do weniger auf dem Schreibtisch.
Zum Abendessen machte der Liebste uns einen Gemüseeintopf mit Pilzen, Brokkoli, Lauch, Ingwer und (schon wieder, aber why not) Kokosmilch, und damit verbrachten wir den Abend auf dem Sofa und schauten ein paar Folgen von den Rookies. Bis es mir zu wild und zu komplex wurde (noch ein Twist und noch ein Twist) – die Folgen werden etwas anstrengend, wenn man allzu viele hintereinander schaut. Also noch ein bisschen Blaulichtquatsch zum Abschluss, und um halb zehn hinkte ich nach oben, ließ mir vom Liebsten einen neuen Verband machen (sieht immer noch echt wüst aus, der ganze Fuß ist links blau und geschwollen, aber es tut nichts an der Wunde weh) und ging dann schlafen. Vor mir eine Woche mit, na ja, mal sehen wie viel Arbeit. Dem Kollegen habe ich schon geschrieben, dass er zumindest am Montag meinen Präsenztermin vertritt, denn dass ich ins Büro hinke, sehe ich jetzt doch nicht. Da war ich vielleicht ein kleines bisschen zu optimistisch.