Raus in die Natur, Samstag 18.9.2021

  • Beitrags-Kategorie:Tagebuch / Wandern

Ich stand um Viertel vor acht auf, zu spät für meinen Geschmack, aber irgendwie wurde ich im Bett nicht so richtig wach. Da wir keine konkreten Pläne für den Tag hatten (außer den hunderttausend Plänen, die wir sowieso immer irgendwie auf der Liste stehen haben), war das im Endeffekt egal, und ich ließ mir Zeit zum Aufwachen. Die Zeitung schenkte ich mir, stattdessen ein wenig Bloglesen und -schreiben und ein ausgiebiges englisches Frühstück. Beim Duschen dann ein wenig Lage-Podcast, zum ersten Mal hörte ich das Format „Lage live“: Ist das tatsächlich so, dass die beiden einfach auf der Bühne sitzen und ununterbrochen labern, so wie sie das auch normalerweise in ihrem Podcast machen? Und fünfzig Leute sitzen davor und hören ihnen beim Labern zu? Und haben dafür auch noch Eintritt bezahlt?? Denn vom Applaus am Anfang mal abgesehen habe ich wenig Interaktion mit dem Publikum gehört. Bin aber auch noch nicht durch.

Da wir nach dem Frühstück die restlichen Lebkuchen gegessen hatten, hatten wir beide keinen großen Hunger auf ein üppiges Mittagessen. Durch das Spontankochen am Abend vorher war nichts übrig, außerdem musste Salat verbraucht werden, also machten wir zwei große Schüsseln Salat als Mittagessen: Eine Schüssel Blattsalat mit Tahindressing, eine Schüssel Rohkostsalat mit geraspelten Möhren, Pastinaken und Kohlrabi und Joghurt-Senf-Dressing. Parallel steckte ich den Brotteig in den Ofen: Gleich mal die neue Brotbackform einweihen. Meine Mutter hat mir vor Jahrzehnten zwei wundervolle Emaille-Backformen geschenkt, die ich immer noch habe, etwas in dieser Qualität suche ich seitdem auch als Brotbackform. Mal schauen, ob es mit dieser was wird. Die „alte“ Brotbackform, die wir bestimmt noch keine fünf Jahre haben, die aber nicht mehr sauber wird und zu rosten beginnt, sortierten wir schweren Herzens für den Metallschrott aus.
Nach dem Essen Espresso und eine zweite Packung Lebkuchen, weil wir völlig unersättlich sind (aber nicht komplett leergemacht, wir sind zwar verrückt, aber nicht so verrückt). Danach dann Salatkoma auf dem Sofa, ich setzte mich irgendwann noch an den Laptop und tippte VF&L-Rezepte in unsere Datenbank.

Um kurz nach drei hatten wir dann genug rumgelegen. Sämtliche Einkäufe waren ja schon am Freitag erledigt, das Wetter war auch wunderbar (sonnig, aber nicht so heiß), und der Kopf des Liebsten hatte sich beruhigt: Wir beschlossen zuerst, einen kleinen Spaziergang zu machen, und dann, vielleicht doch eine richtige Wanderung in Angriff zu nehmen. Der Liebste hatte mir vor einer Woche eine Mail weitergeleitet, in der von seinem Arbeitgeber zur Teilnahme an Spenden-Wanderungen aufgerufen wurde, der Spendenzeitraum war zwar schon vorbei, aber die vorgeschlagenen Wanderrouten existieren ja noch. Wir suchten eine raus, bei der wir von daheim aus los konnten und die uns aus der Stadt raus am Fluss entlang und dann in den Wald führte, eine Strecke, die ich tatsächlich noch nie gegangen war. Wir packten also einen Rucksack, entstaubten die Wanderhose und gingen um halb vier los.

Ich habe das Wandern, das richtige, richtige Wandern, schon sehr vermisst. Warum machen wir das eigentlich nicht öfter, fragt man sich da. Eine mehrtägige Tour war aus verschiedenen Gründen (einige davon Corona-bezogen) nicht möglich, aber wir haben sonst auch mehr Eintagestouren gemacht (wobei ich ja schon am aller-allerliebsten eine Streckenwanderung habe). Es war auf jeden Fall sehr schön. Super Bedingungen (schönes Wetter, nicht zu warm, wenig Leute, prima Landschaft) und auch nicht zu anstrengend. Schlauerweise hatte ich die Wanderstiefel weggelassen und stattdessen Laufschuhe angezogen, das war eine gute Idee (bei den Wanderstiefeln hätten wahrscheinlich entweder meine Schienbeine oder meine Achillessehnen oder beides irgendwann aufgegeben).
Wir liefen Richtung Osten aus der Stadt eine ganze Zeit am Fluss entlang (und zwar linksseitig, bisher kannte ich nur den Radweg rechts vom Fluss, der aber viel weniger schön und, naja, halt ein Radweg ist). Interessanterweise ist der schmale, geschotterte Wanderweg früher (ganz, ganz früher) die alte Bundesstraße gewesen. Das konnte ich erst kaum glauben, bis wir über die Gemarkungsgrenze kamen und der Nachbarlandkreis die Straße nicht zurückgebaut, sondern einfach sich selbst überlassen hatte. Mitten im Wald also halb zugewucherte Asphaltstreifen, gerade breit genug für zwei Personen (links und rechts drängten die Pflanzen), teilweise konnte man noch weiße Farbmarkierungen auf dem Boden erkennen. Bizarr.
Nach ungefähr sechs Kilometern ließen wir den Fluss rechts liegen und bogen links ab in Richtung Wald. „Naturpark“ Schönbuch, aber ganz offensichtlich ein Wirtschaftswald und mit einer breit geschotterten Wanderwegs-Autobahn, naja. Leider dementsprechend auch viel von Mountainbikern mit Motor frequentiert.
120 Höhenmeter weiter und ungefähr auf der Hälfte der Strecke machten wir eine kleine Pause für Wasser und einen Apfel und freuten uns ein bisschen. Ab da ging es mehr oder weniger eben weiter, wir kamen bald aus dem Wald heraus und an den Rand eines Dorfes, um das wir schon ein paar Mal herumgewandert sind (und mit dem Motorrad vorbeigefahren, weil eine Landstraße in schönen Kurven hochführt, das Dorf liegt auf einem Hügel oberhalb der Stadt). Wir gingen am Dorfrand am Neubaugebiet und am Sportplatz vorbei und auf der anderen Seite wieder in den Wald zurück. Hier dann wieder Wald, wie man ihn sich wünscht, mit schmalen Wanderwegen und relativ naturbelassen.

Wald. Wie man ihn sich wünscht.


Recht bald kamen wir an eine Wanderhütte des Schwäbischen Albvereins. Dort war sehr viel los, mehrere Familien saßen mit Essen und Getränken zusammen und drinnen schien auch jemand zu sein. Wir sahen uns also ein bisschen um und überlegten, ob wir etwas zu trinken bekommen könnten, bis wir angesprochen wurden: Wir sähen uns so suchend um, ob man weiterhelfen könnte? Wie sich herausstellte, war die Hütte eigentlich so nicht bewirtschaftet, sondern es war eine geschlossene Gesellschaft – aber da es eine Wanderhütte war und wir wanderten, bekamen wir trotzdem was zu trinken. Mit zwei alkoholfreien Hefe setzten wir uns mit etwas respektvollem Abstand zur Feiergesellschaft auf eine Bank zur zweiten Pause. Sehr schön.
Danach dann noch etwas weiter durch den Wald, bis wir schließlich an Pferdekoppeln vorbei durch Streuobstwiesen und kleinen Nutzgartengrundstücken (Gütle oder Stückle, wie man so sagt) wieder den Berg hinunter und zurück Richtung Stadt gingen. Das Wetter war immer noch wunderbar, viele Leute waren in ihren Gärten (oder bei ihren Pferden…), fast alle grüßten, alles war ganz super.
Das letzte Stück dann durch ein Wohngebiet, bis wir um halb acht wieder daheim waren.

Die Tour war mit 12 Kilometern (und 120 Höhenmetern) ausgeschrieben, wir hatten allerdings noch 6 Kilometer zusätzlich von daheim bis zum Startpunkt (und zurück), sodass wir am Ende 18 Kilometer unterwegs waren (die Tracking-App des Liebsten sagte 18,36 km, 19068 Schritte, 1057,6 Kalorien…). Ziemlich ambitionierte Runde, auf dem letzten Kilometer tat mir ein bisschen das linke Knie weh. Trotzdem waren wir daheim super zufrieden und sehr stolz. Von aller Bewegung und Natur mal abgesehen, hatten der Liebste und ich uns auch prima unterhalten. Ist ja auch nicht selbstverständlich, jemanden zu finden, mit dem man einfach so 18 Kilometer durch die Gegend laufen kann, gleiches Tempo und alles.

Für den Abend hatten wir eigentlich geplant, auswärts essen zu gehen, aber wir wollten definitiv keinen Schritt mehr machen. Also bestellte Pizza, schon wieder, aber egal. Dazu machten wir eine Flasche portugiesischen Rosé auf (beließen es aber bei einem Glas für jeden) und schauten uns dazu erst einmal Rezos letztes Zerstör-Video und dann etwas Raumstation an. Das Rezo-Video fand ich dieses Mal etwas weniger stark als die anderen beiden – das könnte aber traurigerweise daran liegen, dass ich von den vorgestellten Korruptionsskandalen quasi über jeden einzelnen schon Bescheid wusste und… naja, CDU und Korruption, das ist das Muster spätestens seit Kohls schwarzen Koffern, oder? Da erwartet man schon nichts anderes mehr. Meine Wahlentscheidung habe ich sowieso schon getroffen.