Am Samstag eigentlich recht gut geschlafen, erstaunlicherweise. Mitten in der Nacht ging ein heftiges Gewitter nieder, ich wachte vom Regenprasseln auf. Zweites Wachwerden um zehn nach sechs durch lärmende Spatzenrabauken, und weil ich mich ausgeschlafen fühlte und es sowieso nicht für eine schlechte Idee hielt, einen etwas früheren Rhythmus anzutrainieren, stand ich auf. Und machte gleich mal den Arbeitswecker für die kommende Woche wieder an.
Gießen war nicht nötig, ich machte nur überall die Fenster auf und ging dann ins Wohnzimmer, wo ich zu meiner Freude den Nasenkater auf dem Sofa sah – ich vermute, er hatte bei dem Regen die ganze Nacht drinnen verbracht. Noch während des Lüftens überall verschwand er aber über den Balkon nach draußen und dort unter den Ziegenstall. Wir mussten ihn erst etwas zu uns herlocken, damit er wenigstens die Hälfte seiner Herzmedikamente nahm. Ich denke, dass ihn das schon etwas mitnimmt, dass Magi nicht mehr da ist. Appetit hatte er auf jeden Fall keinen und interagieren wollte er auch nicht. Wir ließen ihn deshalb recht schnell in Ruhe.
Für uns ein ruhiger Samstag, wir hatten keine großen Pläne und mussten uns selbst auch ein wenig sammeln. Der Liebste holte uns ein paar Brötchen vom Viertel-Lieblingsbäcker, damit ausführliches Frühstück, während die Roboter oben und unten fuhren. Vormittagsroutine: Ich machte mir eine Kanne Gunpowder und las das Internet leer, dann oben gründlichstes Putzen – da sich die Arbeit nähert, saugte und wischte ich neben Schlafzimmer und Bad auch mein Arbeitszimmer wieder durch. Dann duschen, bisschen schreiben, Küche aufräumen, damit war der Vormittag vorbei.
Zum Mittagessen die zweite Hälfte Soupe au Pistou und Salat, als Nachtisch natürlich Marmorkuchen, dann ein bisschen Siesta. Ich las ein paar Seiten im neu angefangenen Buch, so richtig rein zog es mich allerdings nicht: Die Evolution der Gewalt von Kai Michel, Harald Meller und Carel van Schaik. Von Michel/van Schaik hatte ich schon Die Wahrheit über Eva gelesen und mir deshalb auch dieses Buch gekauft, weil mich der interdisziplinäre Ansatz (Evolutionsbiologie trifft Verhaltensforschung trifft Archäologie trifft Anthropologie trifft Religionswissenschaft) eigentlich überzeugt und das Thema interessierte. Aber wie auch schon beim ersten Buch (wo es um die Entstehung von Frauenfeindlichkeit ging) zieht sich es auch bei diesem etwas – sie brauchen allzu lang, um ihre Schlussfolgerungen auszubreiten. Aber mal sehen, wie es sich entwickelt.
Gegen fünf dann Wocheneinkauf. Wir gingen zu Alnatura und dm (in beiden Läden sehr, sehr wenig los trotz Samstag: Hurra Sommerferien!), außerdem zu einem Schuhladen (eher so ein Schuh-Discounter) in der Nähe. Und da fanden wir tatsächlich beide Sandalen, der Liebste eine Art Birkenstock-Variante in braun (sehr Ökolatschen-mäßig, aber das passt ja zu uns) und ich stabilere Sandalen mit Klettverschluss in hellblau, die als Wandersandalen designt waren – echte Wandersandalen waren es wohl eher nicht, aber ich gehe davon aus, dass ich mit ihnen längere Strecken gehen kann. Daheim räumte ich das Zeug weg und warf gleich mal meine alten beigefarbenen Wandersandalen in den Müll.
Für den Abend hatten wir auswärts essen geplant, und da wir jetzt ja wieder beide mobil sind, radelten wir den Neckar entlang in Richtung Oststadt und gingen dort ins Riva, ein Restaurant, das man eigentlich als „Sportvereins-Restaurant“ (es gehört zum dortigen Fußballverein) ein bisschen übersehen könnte, das aber einen recht guten Ruf hat. Wir waren schon einmal dort gewesen und nicht so richtig begeistert, aber dieses Mal wurde es mehr als ausgeglichen: Alles wirklich prima.
Das Restaurant hat „mediterrane Küche“, also neben den üblichen italienischen Sachen auch spanische Tapas, und da nahmen wir uns eine vegane Kollektion aus vier Sachen (Patatas Bravas, Champignons in Knoblauchöl, Pimientos de Padron und gewürfelte Tomaten, Paprika, Zwiebeln als „Salat“). Dazu Pizzabrot (einziger Minuspunkt, das Brot war nicht sonderlich gut) und eine Schüssel gemischten Salat dazu. Alles sehr gut und eine sehr nette Abwechslung und auch genau die richtige Menge. Dazu hatten wir einen Prosecco als Start, dann jeder ein Glas leicht kühlen (bei den Temperaturen gute Idee) Bardolino, und als Abschluss einen Espresso und einen Digestif: Limoncello für den Liebsten, Birnenbrand für mich. Alles sehr gut. Wir konnten den gemeinsamen Abend richtig genießen.
Am Sonntag passierte dann nicht sehr viel. Nicht so supertoll geschlafen – ich lag einfach ewig, ewig wach. Gegen halb sechs nahm ich mir schließlich Ohrstöpsel, weil da gerade die Vögel zu piepsen begannen, und schlief prompt noch einmal ein bis Viertel vor neun. Das war natürlich nicht die Idee gewesen. Nun ja. Immerhin wachte ich kopfwehfrei auf.
Am Morgen ein englisches Frühstück, und dann typische Sonntagsroutine – wir hatten uns nichts „Besonderes“ für unseren letzten Urlaubstag vorgenommen. Ich ging irgendwann mal duschen und Haare waschen, und ansonsten war ich mehr oder weniger den kompletten Sonntag am Laptop: Las alte Blogeinträge über Magi nach, schaute mir viele, viele Bilder von ihm an und schrieb schließlich einen Text über ihn und postete ihn am Abend. Ich bin nicht so sicher, ob er mir gelungen ist – er fokussiert vielleicht zu sehr auf die Krankheiten und weniger darauf, was alles nett und lustig und besonders an diesem Tier war. Aber das ist sowieso sehr, sehr schwer darzustellen. Es war mir trotzdem wichtig, etwas zu schreiben und damit auch keine Wochen lang zu warten. Einfach um die tausend Gedanken im Kopf zu bündeln.
Ansonsten wusch ich drei Maschinen Wäsche und hängte sie teils auf der Dachterrasse, teils unten auf. Und den Dachterrassen-Teil abends auch schon wieder ab. Und ich machte einen richtigen Wochenplan für die kommende Woche – ich muss mich wieder umstellen, dass es abends schnelle Sachen sein müssen, die in den Arbeitsalltag passen (da reichen schon zwei Wochen, um das ein bisschen zu vergessen). Es soll außerdem heiß bleiben, also eher weniger Ofensachen.
Abends kochten wir gemeinsam eine Linsensuppe aus Puy-Linsen und Spitzkraut, Nachtisch der letzte Marmorkuchen. Dazu ein paar Folgen Stargate. Wir waren beide etwas depri drauf: Sonntagabend-Depression in der gesteigerten Variante der Urlaubsende-Depression, und das alles mit einem toten Kater im Kopf. Stimmung also nicht super. Wurde ein klein wenig besser, als der Nasenkater zu uns kam uns sich aufs Sofa schlafen legte. Gegen zehn ins Bett, allerdings – Schlafzimmertemperatur 25,6 Grad – noch nicht direkt zum Schlafen. Es soll heiß bleiben, und ganz ehrlich: Dieser verdammte Sommer kann sich von mir aus verziehen.