Viel zu kurze Nacht, logisch. Da der Yogakurs am Morgen ausfiel, stellte ich den Wecker aus, aber um zwanzig vor sieben war ich trotzdem wach (wenn auch nicht „wach“) und krabbelte aus dem Bett. Der Liebste hatte schon den Kater versorgt und goss gerade im Garten die Staudenbeete und Büsche, und ich ging zu ihm und wässerte noch ein klein wenig mit dem Schlauch die Wiesenfläche. Zwar nur wenig, weil Trinkwasser (im Gegensatz zu den Beeten, die Wasser aus den Regenfässern bekommen – diese sind allerdings fast leer), aber ein bisschen wollte ich gern gegen die Wüste im Garten tun. Wenn auch nur, quasi im wahrsten Sinne des Wortes, ein Tropfen auf den heißen Stein.
Müsli zum Frühstück, ausführliche Körperpflege, um kurz vor neun am Schreibtisch. Ich hatte nur einen halben Arbeitstag geplant, und das war auch okay: Es war alles recht ruhig. Ein bisschen Kommunikation, einiger Orgakram von den hinteren Plätzen der Erlediliste, ein Spontanmeeting mit dem Kairokollegen, Zeug für den nächsten Aufenthalt absprechen. Dazu ein bisschen Tee und viel Kaffee. Vielleicht ein bisschen zu viel, ich bekam irgendwann etwas Kopfweh davon (keine Ahnung, ob der Kaffee wirklich schuld war).
Dann war es halb eins, also schnelle Mittagspause mit Kartoffelsalat – der Liebste hatte einen Rest von seiner Grillfeier mitgebracht. Er selbst kam zur Mittagspause auch nach Hause, wir sahen uns also noch kurz, bevor ich um zehn nach eins aus dem Haus ging. Draußen wieder sehr heiß, komplett blauer, wolkenloser Himmel und deutlich über dreißig Grad.
Mit dem Bus in die Nordstadt zur Tropenklinik: Dort hatte ich einen Impf- und Beratungstermin wegen der nächsten Indienreise. Ich war ja letztes Jahr schon dort und habe mich impfen lassen, aber damals stand noch Mexiko im Vordergrund und deshalb hatte ich (berechtigt, wie sich herausstellte) die Vermutung, dass für Indien nicht alles abgedeckt wurde. Außerdem muss man manche Sachen sowieso nach einem Jahr nachimpfen. Also Reisesprechstunde.
Wie schon beim letzten Mal: Ich war deutlich zu früh und meldete mich an, aber weil dort wenig los war, wurde ich mehr oder weniger gleich dran genommen und war auch schnell wieder draußen: Um 14:10 wäre der Termin gewesen, da war ich schon fertig. Aber trotzdem sehr ausführliche Beratung. Fazit:
– Tollwut wurde ich ein drittes Mal geimpft, das entspricht der Empfehlung und ich habe damit jetzt lebenslangen Schutz. (Kann also ab jetzt mit Straßenhunden kuscheln, harhar.)
– Hepatitis A zweite Impfung, damit habe ich 30 Jahre Schutz („also quasi auch lebenslang“, wie der Arzt meinte).
– Neu und beim letzten Mal nicht gemacht (wegen Mexiko statt Indien): Typhus. Leider nur drei Jahre Schutz, aber superwichtig, auch wenn ich natürlich nur in Hotels und so unterwegs bin. Trotzdem.
Außerdem bekam ich noch ein bisschen Informationen zu Dengue (könnte man off-label impfen, braucht man aber nicht zwingend, Mückenschutz beachten), Japanischer Enzephalitis (nur bei längeren Aufenthalten nötig) und Chikungunya (kurz vorher Ausbruchssituation checken und ggf. kurzfristig impfen). Und dann marschierte ich dreimal gepiekst wieder den Berg nach unten und fuhr mit dem Bus nach Hause.
Daheim ein bisschen Siesta, ich war ziemlich müde (und so nach einer Stunde begann mir auch ganz schön der Arm weh zu tun, wenig überraschend). Um Viertel nach vier arbeitete ich dann noch ein wenig – erstaunlicherweise war eine ganze Reihe Nachrichten gekommen. Bisschen was zu tun bis halb sechs, dann machte ich Feierabend. Wir hatten schließlich einen Programmpunkt am Abend.
Schnelles Abendessen, um das sich der Liebste in erster Linie kümmerte (ich bespaßte so lange den Kater und ging außerdem Zeugs im Supermarkt nebenan holen), Ramen mit Pilzen, Brokkoli, Edamame, Frühlingszwiebeln, Auberginen und Gyoza. Sehr gutes Essen. Allerdings hatten wir nur Zeit für eine Portion, dann mussten wir ziemlich eilig los. Schließlich gab es am Abend eine partielle Sonnenfinsternis, und ein bisschen was wollte ich von der schon zu sehen bekommen.
Also zweites Mal Bus fahren, dieses Mal in die Nordstadt an den Stadtrand. Eigentlich war ich nicht so wirklich fit (Arm tat ziemlich weh, ziemlich schlapp – drei Impfungen, kein Wunder), aber egal, eine Bedeckung von fast 90%, da bleibe ich nicht daheim. Allerdings hatte ich mir den Termin zwar schon vor vielen Wochen in den Kalender geschrieben, aber dann einfach nicht daran gedacht, dass man sich ja vielleicht mal eine Schutzbrille hätte besorgen können. So dermaßen typisch verpeilt, seufz. (Ich erinnere mich daran, dass ich 1999 auch erst ganz kurz vor knapp zwei Tage vorher noch eine ergattern konnte, und zwar bei einem Zeitschriftenhändler in einem etwas obskuren Astronomiemagazin, wo die Brille als Gimmick beilag.) Wir hatten also keine Brillen, fuhren also trotzdem nach oben, weil ich hoffte, da vielleicht irgendwo eine „leihen“ zu können.
Zuerst standen wir ein bisschen doof rum. Fast alle anderen waren etwas besser vorbereitet und hatten entweder Brillen oder irgendwelche Sichthilfen mit Kartons und anderen selbst gebastelten Sachen, außerdem hatten einige Leute Picknickdecken und Sektflaschen und so mitgebracht, es war offensichtlich ein kleines Event. So von halb acht bis acht sahen wir also nichts, denn in die Sonne schauen wäre halt maximal dämlich gewesen. Um kurz nach acht sprach ich aber ein älteres Paar an, das sich gerade schon wieder auf den Rückweg machte, ob wir mal kurz durch ihre Brille schauen dürften? Durften wir, und: ja, schon spektakulär. Hatte sich auf jeden Fall gelohnt. Wir gingen dann noch an einen anderen Standort, wo noch mehr Menschen waren und ich eine ehemalige Nachbarin von mir traf, und die hatte auch eine Brille dabei, die wir leihen durften. Wir bekamen beide also genug zu sehen. (Ich muss das gar nicht eine Stunde lang mit allen Schikanen und Fernrohr und allem sehen, aber so ein bisschen halt schon.)
Sehr cool, das alles. Übrigens auch toll: Es war ja schon Abend und die Sonne warf einen tiefen Schatten, und man sah den Schattenwurf von den Bäumen an den Hauswänden. Und dort konnte man die Sichelform der Sonne im Schatten TOTAL gut sehen. Ganz erstaunlicher Effekt, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte. Kein Foto (ich wollte keine fremden Privathäuser fotografieren), aber auf jeden Fall ziemlich spektakulär.
Gegen halb neun machten wir uns wieder auf den Rückweg und fuhren nach Hause. Dort waren wir natürlich noch nicht wirklich müde, deshalb aßen wir noch ein bisschen Suppe, warteten darauf, dass es abkühlte (den ganzen Abend mit Shirt, kurzen Hosen, Sandalen unterwegs) und gingen gegen elf schließlich schlafen. Sehr müde. Aber schöner Tag.