Anstrengende Nacht, in erster Linie, weil mal wieder über längere Zeit ein Hubschrauber über unserem Viertel kreiste – in zwei Etappen, so wie ich das wahrnahm, also zwischendrin weggeflogen und wieder zurück, sodass ich wieder einschlief und noch ein zweites Mal aufwachte. Dementsprechend müde am Morgen, durch Weckerpiepsen wach geworden. Warm war es im Zimmer im Übrigen auch wieder, von wegen Sommer vorbei, und überhaupt mäh. Stechmücken. Nacken weh. Kater laut. Alles anstrengend.
Am Morgen dennoch guter Laune, denn ich hatte nur einen Weiterbildungstag vor mir und war ansonsten auf einem guten Stand, was die Arbeit anging. Erst einmal ein Blick auf die Dachterrasse, wo ich eine Handvoll Tomaten erntete und unter den Blättern eine riesige Zucchini entdeckte, die sich irgendwie in den letzten 36 Stunden dort aufgepumpt haben musste. Es gibt noch einige Blüten und insgesamt drei kleine Zucchini, aber was sage ich, „klein“ am Donnerstag um 6:40 Uhr. Ich wage keine weiter in die Zukunft gehenden Aussagen zu machen.
Auf jeden Fall Katzenmaintenance, ausführliche Küchenrunde, Vogelbäder auffüllen, Tee, Blick in die Zeitung. Der Liebste machte uns ein Porridge zum Frühstück, dann Körperpflege und um neun saß ich pünktlich am Schreibtisch, früh genug, um noch meine Mails durchzugehen, bis um halb zehn der zweite Tag der Weiterbildung begann.
Der Liebste war um Viertel vor neun mit Lenchen los, um endlich den verschobenen TÜV-Termin wahrzunehmen, war aber quasi schon vor dem Start wieder umgedreht, weil sie nicht ansprang. Er verschob also den Termin noch einmal (auf Freitag) und bastelte ein bisschen herum, leise vor sich hin schimpfend. Dann sprang sie doch an und er beschloss eine Runde zu fahren, einfach um sie warm zu kriegen und die Batterie zu laden und so. Ich hörte ihn um neun losfahren und wartete immer mit halbem Ohr nach draußen, während ich in meiner Weiterbildung war. Erst nur ein bisschen, aber gegen zehn wurde ich unruhig, wie lang dauert so eine Runde? Ans Telefon ging er nicht, hm. Ich hatte etwas die Sorge, dass das Motorrad ihm wieder ausgegangen wäre und er blöd am Straßenrand stand, aber dann hätte er sich ja wohl selbst gemeldet. Aber: Wir haben ja Bump auf unseren Handys, und da konnte ich ihn orten und sah Lenchen mit 50 km/h durch die Nachbarstadt fahren. („Kleine Runde.“) Zehn Minuten später war er wieder da und ging eine neue Batterie holen, denn die Reparatur hat wohl generell geklappt, aber die Batterie ist halt leider doch futsch. Jetzt hoffe ich mal, dass der nächste Versuch TÜV-Termin erfolgreich ist.
Ich war währenddessen den zweiten Tag in meiner Weiterbildung, wieder sehr intensiv (es ist schon erstaunlich, wie anstrengend reine Kopfarbeit sein kann) und dieses Mal zu großen Teilen zu einem Thema, das ich generell nicht so wahnsinnig mag (eine didaktische Methode, die mir weniger liegt). Aber hey: Man kann sich Sachen ja trotzdem mal anschauen, und eine Menge interessanter Anregungen waren definitiv dabei.
Parallel ein bisschen Orgakrams, es hielt sich aber in Grenzen, sodass ich die beiden Kaffeepausen und die einstündige Mittagspause (mit dem Liebsten, restliches Ofengemüse) als richtige Pause machen konnte. Um halb fünf waren wir durch und ich arbeitete noch ein bisschen, telefonierte mit einer Kollegin und machte um fünf Feierabend.
Kurze Katerbespaßung und Austausch mit dem Liebsten, dann ging ich los ins Fitness. Wir hatten es erstaunlich gut hinbekommen, die Räume im Haus kühl zu halten, denn die ganze Weiterbildung hatte ich mit langer Hose bestritten, aber als ich rausging, traf mich fast der Schlag, wie heiß es war. 32 Grad, dazu aber Bewölkung und unangenehm schwüle Luft, sehr anstrengendes Wetter.
Zum Glück war es im Fitness angenehm klimatisiert und dieses Mal hatte auch niemand wie ein Idiot die Fenster aufgerissen. (Idioten gab es trotzdem, und zwar in Form von Mutter und Tochter, wo zuerst die Tochter sich vordrängeln wollte und von mir weggeschickt wurde und fünf Minuten später die Mutter – „oh sorry, wir haben eine andere Reihenfolge“ – äh ja, aber dann stellt man sich halt hintenan, wenn man die Trainingsrunde nicht einhält, es gilt nicht ohne Grund das Zirkeltrainings-Prinzip. Dann auch noch frech ins Gesicht gelogen, „es ist sowieso mein letztes Gerät“, danach aber weitertrainiert – was soll ich sagen: Blöde Kuh.)
Das Training war grenzwertig anstrengend. Ich hatte dieses Mal einen Podcast auf den Ohren (Der Rest ist Geschichte zum Thema Mond), um mich so ein wenig abzulenken, aber das klappte nur so halb. Ich weiß, dass in dieser Phase das Maximum ausgereizt werden soll, um den Muskeln einen Wachstumsreiz zu geben, aber ist halt schon sehr weit außerhalb meiner Komfortzone. Und Spaß macht es definitiv ü-ber-haupt keinen. Nun ja. Noch drei Mal, dann wechselt es wieder.
Um halb sieben schweißgebadet nach Hause – ich hatte die kurze Trainingshose einfach angelassen (in langer Hose wäre ich auf dem Heimweg wahrscheinlich einfach verdampft). Der Liebste hatte uns währenddessen daheim ein Haselnusseis angesetzt und ging die Urlaubsnachbarkiste holen, als ich kam (und die Eismaschine durchgelaufen war), und ich duschte schnell und machte dann das Abendessen. Einfaches, aber gutes Essen: Brokkoli und Kirschtomaten in einer Sahnesauce, dazu Spaghetti.
Statt Nachtisch gingen wir um kurz vor acht noch einmal aus dem Haus (…dieses Mal in kurzer Hose), zum Open Wine House beim Weinhändler des Vertrauens im Nachbarviertel. Eigentlich machen wir das ja nicht, wenn wir am nächsten Tag beide arbeiten müssen, aber erstens muss ich ja nicht so richtig arbeiten, und zweitens ist das vermutlich die letzte Sommer-Gelegenheit für uns (die Veranstaltung ist nur einmal im Monat, und im September klappt es schon mal nicht, Oktober vielleicht auch nicht).
Wir gingen also anderthalb Stunden lang Wein probieren, für jeden drei kleine Gläser – wir hielten uns zurück. Aber was für tolle Weine das waren! Wenn wir nicht gegangen wären, hätten wir echt was verpasst. Wir starteten mit einem badischen Riesling für den Liebsten (den Winzer kannten wir schon, für Rieslingtrinker super, halt nicht so mein Fall) und einem supersupertollen Grillo für mich. Danach ein wieder badischer Rosé für den Liebsten (gut, solide) und ein UNFASSBAR interessanter Sauvignon Blanc für mich. Der Wein ist im Barriquefass ausgebaut, und es war einfach hochinteressant: Wenn Whiskys im Virgin Oak-Fass reifen, dann haben sie häufig ein leicht süßliches Aroma und einen intensiven Vanilleduft und -geschmack, das kommt von der frischen Eiche. Und dieser Wein, ich konnte es kaum glauben, schmeckte tatsächlich ganz leicht nach Vanille! Obwohl es unverkennbar ein trockener, schwerer, herber, öliger Weißwein war. Ein toller Wein, den ich aber nicht zum Essen trinken würde, sondern eher „für sich“, ich glaube, er verträgt keine Partner, sondern bügelt sie weg.
Als dritten Wein nahm der Liebste für sich ebenfalls den Sauvignon Blanc (war auch sehr angetan) und ich einen Rosé aus dem Luberon, der sicher ein schöner, leichter Sommerwein ist, nach dem Sauvignon Blanc aber etwas verblasste. War als Abschluss aber schon okay. Und wir waren vernünftig und schlossen tatsächlich ab, nahmen von dem Sauvignon Blanc noch eine Flasche mit (für irgendwann die nächsten Wochen) und gingen um kurz vor halb zehn nach Hause. Immer noch warm.
Daheim noch zwei Folgen durchs Sternentor, damit deutlich später ins Bett als sinnvoll war, aber erstens waren wir halt noch nicht müde und zweitens ist diese blöde Netflix-Binge-“Nächste Folge“-Funktion echt gefährlich. Um elf aber trotzdem ins Bett und dort unter die dünne Decke. Das war jetzt dann vermutlich – hoffentlich – der letzte richtig knallheiße Sommertag.