Ganz gute Nacht, das erste Mal (soweit ich mich erinnere) wachte ich ein paar Minuten vor sechs auf. Noch etwas liegen geblieben, zehn vor sieben stand ich auf und erntete erst einmal eine große Handvoll Tomaten von der Dachterrasse. Gute Ernte dieses Jahr!
Dann Küchenrunde, während der Liebste den Kater versorgte und ihm etwas Diät-Katzenfutter unters normale Futter mischte. Wurde natürlich sofort mit spitzen Zähnen aussortiert. Als wir aber eine Viertelstunde später mit zwei Tassen Tee am Esstisch saßen und langsam wach zu werden versuchten (der Kater war längst rausmarschiert), sah ich zu meiner Überraschung eine grau-weiße Katze seelenruhig das Futter fressen. Der Liebste hatte halt unten zum Lüften die Kellertür aufgelassen, und naja: Schüchtern ist der Nachbarskater offensichtlich nicht. Und mit Diätfutter hat er wohl auch kein Problem, zumindest solang es geklaut ist.
Ansonsten Morgenroutine, bisschen aufräumen, bisschen schreiben, englisches Frühstück. Außerdem überwies ich eine Tierarztrechnung: Die Vertretungsärztin hatte die Rechnung fürs Einschläfern von Magi Ende Juli geschickt. Etwas bizarr, den Vorgang so nüchtern buchhalterisch verzeichnet zu sehen („208 Euthanasie durch Injektion, Hund, Katze, Frettchen“, 46,17 plus Mehrwertsteuer), aber sehr nett (wenn auch durch den Kontrast noch bizarrer) war, dass sie einen netten, wenn auch leicht kitschigen Spruch unter diesen Kostenfaktor geschrieben hatten: „Was bleibt – Ein Tier, das uns verlässt, ist wie eine Sonne, die versinkt. Aber etwas von ihrem Licht bleibt immer in unserem Herzen zurück“
Okay, wirklich nicht meine Art des Ausdrucks von Emotionen. Aber die Geste fand ich berührend.
Wir hatten für den Tag hauptsächlich Haushaltskram (wie immer) und Friedhof geplant, deshalb blieb ich nach dem Frühstück nicht allzu lang mit Laptop am Esstisch (nur ein kleines bisschen Internet leergelesen, während die Saugroboter um mich herumsaugten). Dann Erdgeschoss gewischt, ausführliche Körperpflege, Wäsche sortiert und eine Maschine gestartet. Außerdem ein bisschen mit dem Kater im Garten. Damit war der Vormittag auch schon vorbei. Restliches Ofengemüse zum Mittagessen, als Nachtisch die Charentais-Melone aus der Urlaubsnachbarkiste – perfekt reif.
Nach dem Essen fuhren wir also in die Nachbarstadt zum Friedhof. Zuerst das Grab meiner Mutter: Zu meiner Überraschung sah es ziemlich gut aus, fast kein Unkraut, nur wenig verblühte Sachen. Wir pflanzten zwei Sonnenkörbchen, eine Fette Henne, eine Pflanze mit kleinen weißen Blüten (…Name vergessen) und einige Tulpen- und Narzissenzwiebeln ein und waren dann ziemlich zufrieden. Der Boden war auch sehr feucht, man musste nicht gießen. Meine Vermutung ist, dass in den letzten Wochen mal jemand da war und gejätet und vielleicht auch gegossen hat.
Etwas anders bei meinem Bruder: Auch dort war der Boden schön feucht, aber es gab deutlich mehr Unkraut (vor allem der bescheuerte Schachtelhalm, der sich dort überall ausbreitet). Trotzdem sah es ganz in Ordnung aus, vor allem weil die Sommerstauden sehr gut wuchsen und dann weil der Zwergginko jetzt so richtig in Fahrt kommt und ziemlich groß geworden ist (er bedeckt locker ein Viertel des Grabes). Steht auch sehr schön im Laub, gefällt mir richtig gut. Nur müssen wir ihn vielleicht zum Herbst doch ein kleines bisschen zurückschneiden. Auf jeden Fall pflanzten wir dort die zweite Weißblütenpflanze und noch ein paar Zwiebeln in die Erde (außerdem zwei Herbstpflanzen in das Nachbargrab der jungen Frau, um das sich offensichtlich – außer uns – niemand mehr kümmert).
Gegen halb fünf waren wir wieder daheim. Kurze Katerversorgung, dann kümmerte ich mich um die restliche Wäsche und goss noch ein letztes Mal bei den Urlaubsnachbarn. Der Liebste machte uns währenddessen eine Eismaschinenladung Schokoladeneis und schnippelte das Gemüse fürs Abendessen. Die restlichen Haushaltssachen (Bad gründlich putzen, Wochenplan) ließ ich bleiben – ich hatte das Gefühl, den ganzen Tag rumgerannt zu sein. Und wirklich warm war es auch wieder geworden (es geht nach wie vor nachmittags fast bis auf 30 Grad hoch).
Stattdessen gemütliches Kochen. Das Rezept (aus einem alten VF&L-Heft) nennt sich Kitchari und ist so eine Art One-Pot-Curry: Zucchiniwürfel werden angeschmort, dann mit Ingwer, Chili und einer Tonne Gewürze vermischt, Vollkornreis und eingeweichte halbierte Kichererbsen dazu (laut Rezept halbierte gelbe Erbsen, aber mit Kichererbsen geht es prima), einen guten Liter Gemüsebrühe drauf, fertig. 40 Minuten simmern lassen, und kurz vor Ende noch ein bisschen Blattgemüse – eigentlich Blattspinat, wir nahmen Pak Choi stattdessen. Mit Koriandergrün abgerundet, einen Esslöffel Kokosjoghurt obendrauf: Super Essen. Ich bin ja immer misstrauisch gegenüber One-Pot-Gerichten, aber das funktionierte tatsächlich gut.
Noch während des Kochens hatte der Guardian mir via Push-Nachricht die erste Hochrechnung von der Landtagswahl Sachsen-Anhalt aufs Handy geschickt. Um sieben las ich noch die etwas aktuelleren Zahlen auf dem Spiegel nach: Beim BSW ein Hin und Her mit der 5-Prozent-Hürde, ansonsten (unironisch) sehr gut gemacht SPD, Linke und Grüne, und: SUPI, CDU! WELL DONE! Oder wie es der Postillon kommentierte: „Ups! Kanzler Merz halbiert versehentlich falsche Partei“.
Es war natürlich keine Überraschung (die ganzen Statements von wegen „wir sind geschockt“ finde ich ja so was von dämlich, WAS HATTET IHR DENN GEDACHT WAS PASSIERT), aber es ist einfach so traurig. Und macht mich wütend: Mir fehlt komplett das Verständnis für Leute, die dieses braune Pack wählen. Da braucht mir wirklich keiner mit „besorgte Bürger“-Schwachsinn kommen. Das sind einfach Leute, die die Welt brennen sehen wollen, weil die Realität nicht ihrer Anspruchshaltung entspricht.
Auf jeden Fall schauten wir keine Wahlberichterstattung (das Allerletzte, was ich sehen wollte, war eine Hackfresse, die ihr feixendes Gesicht in die Kamera hielt), sondern gingen stattdessen den restlichen Abend durchs Sternentor. Um neun dann die ersten beiden Becher Schokoeis, auch wenn es noch nicht komplett durchgefroren war: Schmeckt extrem schokoladig, ein bisschen wie eine Art halbgefrorene Mousse au Chocolat. Wirklich SEHR gut.
Um zehn ins Bett und noch ein paar Seiten gelesen. Das ist zwar mit dem USA-Thema auch kein Stimmungsgarant (weg von einer implodierenden (Bundesland-)Demokratie, hin zur nächsten), aber es liest sich immerhin wirklich gut und geht für mich angenehm in die Tiefe (nicht zu tief, sodass ich es abends noch lesen kann). Sorgt vielleicht nicht gerade für einen sorgenfreien Schlaf, aber – naja. Das Thema ist sowieso durch.