Um halb acht aufgewacht, nach recht guter Nacht (nachdem den größten Teil des Tages und die ganze Nacht das Fenster im Hotelzimmer gekippt war, war die Temperatur auch endlich okay). Schnelle Dusche, kein Kaffee, weil wir die Kapseln alle verbraucht hatten und (über das Hotel-Tablet) angegeben hatten, dass man bis Mittwoch unser Zimmer nicht zu reinigen bräuchte – es kam also auch niemand mehr. Stattdessen gingen wir zum Alnatura bei uns ums Eck, holten dort zwei Packungen veganen Aufschnitt und gingen so bewaffnet wieder zum Bäcker Riegler ums Eck für ein ausführliches Frühstück. Sehr gute Idee, das mit dem Aufschnitt, zusammen mit zwei Körnerbrötchen und einem Hafermilchkaffee war ein ganz hervorragendes Essen. (Es hätte auch vegane belegte Brötchen und Sandwiches gegeben, aber das wollte ich nicht – unter anderem ist das immer so anstrengend zu essen, weil die Hälfte rausfällt).
Kleine Überraschung, als wir wieder im Hotelzimmer waren: Es war jemand da gewesen, hatte das Bett gemacht, die Handtücher ausgetauscht (…die am Haken hingen) und die Kapseln aufgefüllt. So viel zum Hotel-Tablet, naja. Immerhin hatten wir jetzt wieder Kapseln, haha.
Der Plan für den Tag war einmal „Natur“ in Form von Königsstuhl, wir gingen also recht bald los und zum Bismarkplatz. Auf den Königsstuhl kann man mit einer Schrägbahn fahren (man könnte auch laufen, aber das traute ich uns und vor allem mir nicht zu), die Bahn wird aber aktuell gewartet (kurz vor Hauptsaison-Beginn) und war deshalb außer Betrieb. Es fuhr aber ein normaler Stadtbus nach oben, nämlich die Linie 39, mit Stopp an zwei Reha-Kliniken und vor allem am MPI für Nuklearphysik (die MPIs haben immer die schönsten Standorte in Halbhöhenlage). Dementsprechend war er recht voll. Ich mag es ja eigentlich sehr, die „normalen“ Öffis zu nehmen, mit denen die normalen Leute zu ihren Arbeitsplätzen fahren, anstatt die Touristenbahnen. War also ganz zufrieden im Bus (…wir hatten Sitzplätze).
Am Königsstuhl ein bisschen herumgelaufen und ein paar Fotos gemacht (spektakulärer Blick natürlich, die zwei Kraftwerke hätte es allerdings nicht gebraucht), und dann sah ich das Hinweisschild, dass es zu Fuß nur 35 Minuten bis zum Schloss und 50 Minuten bis in die Altstadt wären, und ich dachte mir, naja, so schlimm kann das ja nicht sein. Probieren wir aus.
Kurz gefasst: Sehr schlimm, und zwar deshalb, weil die kurze Gehzeit dadurch zustande kommt, dass man nicht einen Wanderweg in Serpentinen, sondern den direkten Stich nach unten geht, auf großen, steinernen Naturtreppenstufen. Das war innerhalb kürzester Zeit extrem anstrengend für die Oberschenkel. Ich trainiere zwar brav Beinbeuger und Beinstrecker im Fitness, aber es war halt trotzdem echt viel – nach einer Viertelstunde begannen mir so sehr die Beine zu zittern, dass ich Mühe hatte, meine Tritte sicher zu setzen. Deshalb waren wir froh, als irgendwann ein Wanderweg die Treppen kreuzte: Der dauerte zwar länger (weil er halt in Serpentinen verlief), aber war deutlich angenehmer zu laufen.
Was mich dazu brachte, wieder einen normalen Schritt zu gehen, in schnellerem Tempo („das muss doch gehen, setz die Füße einfach normal auf“), und prompt über einen verborgenen Stein zu stolpern und hinzufallen. NA TOLL. Zum Glück sehr weicher Waldboden, sodass ich mich zwar kurz erschreckte, mir aber nicht weh tat. Das Blödeste waren die schmutzigen Hände und die dreckige Hose (ich war froh, eine zweite Hose eingepackt zu haben). Trotzdem waren wir froh, als wir ungefähr nach der halben Strecke aus dem Wald kamen und dort (am Kohlhof) eine Bushaltestelle mit wartendem Bus sahen. Genug Naturerfahrung, wir fuhren den Rest nach unten.
…Abgesehen von diesen Kleinigkeiten war es aber tatsächlich sehr schön und ich merkte, wie gut mir nach zwei Tagen Innenstadt so ein bisschen Natur tat, und wenn es nur der Stadtwald war.
Den restlichen Vormittag gingen wir noch ein bisschen durch die Altstadt, und zwar explizit nicht durch die Touri- und Einkaufsstraßen, sondern durch die Nebengassen. Es ist da schon alles sehr, sehr schnuckelig (nicht so viel anders als Tübingen, aber halt, naja, trotzdem eine andere Stadt). Mittagessen im Franz Soupmarine, ein vegetarischer Imbiss, der sich auf Suppen spezialisiert hat, alles türkisch-arabisch angehaucht (wir hatten eine wunderbare Suppe aus roten Linsen und Koriander, dazu Fladenbrot). Sehr viel Sonne, sehr warm: Wir nahmen einen Kaffee im Südwerk, ein sehr niedliches Café mit Blick auf den Neckar, wo wir wunderbar draußen sitzen konnten. Dort noch einen Zimtknoten und einen Kardamomknoten (wie Zimtknoten, nur mit Kardamom – muss ich mal daheim ausprobieren, extrem lecker), und damit waren wir satt.
Zurück ins Hotel und längere Pause bis halb vier – ich fing endlich das mitgebrachte Buch an, Dead Beat von Val McDermid, den ersten Band der Kate Brannigan-Reihe (1992 erschienen).
Um halb vier gingen wir wieder aus dem Haus. Eigentlich hatten wir irgendwie Bistro/Kneipe/Bar im Sinn, holten uns dann aber erst einmal im Aldi ums Eck zwei Flaschen Wasser und eine Tafel Nussschokolade und saugten diese auf einer Parkbank quasi ein. (Nachdem ich die Nussschokolade erst an der Selbstkassier-Kasse vergessen hatte und noch einmal zurücklaufen musste – der nette Security-Mensch hatte sie schon entdeckt und für mich zur Seite gelegt.)
Noch etwas durch die Stadt mäandert, einen Blick in den Rollenspiel-Laden in der Nähe des Hotels (dafür sind wir aber dann doch zu wenig Nerds, wie wir schnell feststellten), schließlich landeten wir im Hörnchen, einer Kneipe in der Altstadt, aber etwas abseits der Hauptstraßen und damit nicht so überlaufen. Und da saßen wir einfach mal für anderthalb Stunden: Hatten zwei Portionen Chips, dazu drei Radler, blinzelten in die Sonne und lasen. Sehr gemütlich.
Zum Abendessen gingen wir ins Moschmosch an der Hauptstraße, weil wir beide Lust auf asiatisch hatten (außerdem wollten wir nicht lang rumsuchen,wir merkten den Alkohol durch die drei Radler ziemlich und wollten den Bauch gern füllen).
Das Essen war dann so naja. Das Moschmosch ist so ein Mode-Pseudoasiate mit allem, was die europäischen Hipster gern an asiatischem Essen sehen, aber so richtig super oder gar „authentisch“ war es nicht. Der Liebste hatte Ramen, ich eine Art Thai Curry mit Tofu, und es war schon okay, aber ich habe das alles schon mal besser gegessen (sogar schon besser selber gekocht, um ehrlich zu sein). Haute uns also nicht so vom Hocker. Aber egal, wir waren satt und es war okay und nicht zu teuer.
Kurz nach neun schon zurück ins Hotel, wir waren beide nach dem langen Tag (wieder mit sehr vielen Schritten auf der Uhr) ziemlich müde. Deshalb daheim noch etwas Blaulichtquatsch, ich las ein bisschen (Buch machte von Anfang an Spaß) und wir schliefen recht bald ein.