Deutlich vor Weckerklingeln wach gewesen – so viel früher um genau zu sein, dass ich dem Dunkel draußen zuschaute, wie es langsam heller wurde, während die Vögel zwitscherten und der erste Verkehr auf der Bundesstraße rollte (meistens so gegen fünf). Um kurz nach sechs stand ich schließlich auf, ich fühlte mich ausgeschlafen. Katzenmaintenance und kurze Diskussion mit dem Kater, der sein Lieblingsversteck auf der Dachterrasse – unter der Abdeckung der Balkonmöbel – wieder für sich entdeckt hat und von mir mit sanfter Gewalt drunter hervorgezerrt werden musste.
Schnelle Küchenrunde, dann machte ich uns ein Müsli, das der Liebste – früher Termin für ihn – einpackte und mitnahm. Ich selbst hatte etwas mehr Zeit und konnte deshalb in Ruhe frühstücken, außerdem schreiben und einen Blick ins Internet werfen. Vor mir drei Tage Weiterbildung, auf die ich mich wieder richtig freue (immer noch die leichte Sorge, dass es doch aber jetzt so langsam mal zu einfach und langweilig und doof werden wird, aber nachdem die ersten beiden Module schon prima waren, ist die Wahrscheinlichkeit nicht mehr so hoch.)
Ab neun am Schreibtisch, so hatte ich noch eine halbe Stunde für E-Mails (es war ein bisschen was aufgelaufen) und sonstige Nachrichten. Außerdem eine Kanne Bancha, der mir mit jeder Tasse besser schmeckt: So ein erstaunliches Aroma!
Der Vormittag begann mit einer Überraschung, denn der eigentliche Dozent wurde von einer Professorin vertreten, die gleichzeitig die Programmleiterin ist. Natürlich brachte sie extrem viel Erfahrung mit (und war auch sehr sympathisch), nur war es insgesamt so ein bisschen unstrukturiert (die begleitende Präsentation wurde etwas zu spät hochgeladen, dann fehlten ein paar Folien, für eine Gruppenarbeit hatten wir erst das falsche Begleitmaterial, solche Sachen) und inhaltlich schwankte ich auch etwas zwischen „okay, das ist tatsächlich komplett neu“ und „…oder ist das vielleicht nur altbekanntes Zeug mit neuem Label?“ (Was übrigens nicht nur an mir lag, sondern ein Eindruck war, der von der Gruppe geteilt und von der Dozentin teilweise bestätigt wurde, man konnte dem betrachteten Konzept durchaus kritisch gegenüberstehen.) So gesehen war es tatsächlich phasenweise… naja, aber interessanterweise nicht, weil ich alles schon kannte.
Mittagspause mit restlichen Krautnudeln und dem restlichen Bananenbrot/Schokokuchen, von den Katern war nichts zu sehen (draußen strahlend blauer Himmel und nach morgendlicher Kälte ging die Temperatur auf 18 Grad hoch, die beiden hatten also am Garten viel mehr Interesse als am Haus). Während des Essens (schlechte Angewohnheit, aber ich habe das als Kind schon gestartet und gewöhne es mir jetzt nicht mehr ab) startete ich ein neues Buch: Lyneham von Nils Westerboer. Ein Science Fiction, der dem Liebsten extrem gefallen hatte – ich sehe ja Science Fiction sehr gern im TV, lese es aber nicht so furchtbar gern, also mal sehen. Es startete zumindest recht spektakulär.
Ich nutzte die Mittagspause außerdem für ein paar administrative Sachen, Mails, ein Telefonat, so etwas – alles gut nebenher machbar. Und um Viertel vor zwei ging es weiter.
Der Nachmittag war dann eher nicht so berauschend: Das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte, das hat mir jetzt inhaltlich eigentlich gar nichts gebracht. Es ging viel um „Lehrerpersönlichkeit“ und „Rollenverständnis“ und so Zeugs, und diese Art von Nabelschau finde ich immer ziemlich sinnbefreit. Dazu hätte man es didaktisch deutlich besser aufbereiten können (wobei man im Kopf behalten muss, dass die Dozentin eben als Vertretung eingesprungen war), es waren für mich deutlich zu lange Phasen im Sinn von „jetzt denkt ihr mal allein drüber nach (ich war nach vier Minuten fertig) und dann reflektiert ihr in der Gruppe (liebe Güte)“. Immerhin waren wir 20 Minuten vor dem Zeitplan fertig, ich hatte also noch Zeit übrig und konnte bis fünf meine normale Arbeit abschließen. Es würde mich extrem stressen, wenn bei der Arbeit tausend Sachen parallel zur Weiterbildung auflaufen würden, aber das ist bis jetzt nicht der Fall. (Ach ja: Unser QM-Audittermin ist auch ein bisschen nach hinten verschoben.)
Um fünf also Feierabend, ich versorgte die Kater mit Medikamenten (sie ließen sich von draußen reinbitten) und ging dann ins Fitness. Mit hellgrünem Wollpulli und weißer Windjacke, was sich als viel zu warm herausstellte – in meinem Arbeitszimmer ist es einfach kühl, aber draußen war es mittlerweile richtig warm und der Pulli definitiv falsch. Nun ja.
Eine Stunde Training am Limit, meine Güte ist dieses Programm anstrengend! Ich war nur froh über die begleitenden Podcasts auf dem Ohr (einmal BR Radiowissen zur Geschichte der Anästhesie, ein Feuer&Flamme-Podcast (ja, da gibt’s auch einen Podcast) zum Thema Laienreanimation – bisschen ein Zufall, dass beides medizinische Themen waren), ansonsten hätte ich die ganze Zeit im Kopf gewehklagt, wie anstrengend das doch alles ist, ich armer, armer Mensch. So war ich abgelenkt genug und kam flüssig durch. Schon ein bisschen stolz.
Der Liebste war mittlerweile heimgekommen und hatte uns schon das Abendessen gemacht, einen Salat mit roter Bete, Kichererbsen und Rucola, von mir noch mit Kürbiskernen ergänzt. Sehr gutes Essen. Gemütlicher Abend auf dem Sofa (die Kater kamen recht bald rein und belagerten uns, es wird abends ziemlich schnell ziemlich kalt) mit Blaulichtquatsch. Und großer Müdigkeit, um kurz nach acht schlief ich für zwanzig Minuten auf dem Sofa ein – sehr ungewöhnlich. (Dabei hatte ich extra in einer Nachmittagspause einen Kaffee gekocht.)
Trotzdem hielt ich noch bis zehn nach neun durch und las dann sogar noch bis zehn, einfach weil das Buch so spannend war. Sehr dystopisches Szenario, was ich ja eigentlich gar nicht haben kann (ich finde unsere Gegenwart ehrlich gesagt dystopisch genug), aber der Liebste versichert mir, dass es sich toll entwickelt. Nicht unbedingt, dass alles gut ausgeht, aber… es entwickelt sich halt. Wir werden sehen.