Nervklamotten, Samstag 12.9.2026

  • Beitrags-Kategorie:Motorrad / Tagebuch

Eigentlich ziemlich gut geschlafen, es war kühl im Zimmer und ich erinnere mich an keine Wachliegephase. Nur kurz war die Nacht, weil um Punkt sechs der Kater laut miauend ins Zimmer kam. Immerhin hielt er sich dann sehr zurück und ließ mich bis Viertel nach sechs schlafen, bevor er zappelig wurde und ich ein Einsehen hatte.
Besonders leise Morgenroutine, weil ich den Liebsten noch schlafen lassen wollte (es gibt ja keinen Grund, dass das Tier uns beide aus dem Bett wirft, und dass der Kater seit Magis Tod wieder zuverlässig ausschließlich zu mir kommt und mich weckt, liegt bestimmt daran, dass er mich viel lieber hat, harhar), schnelle Küchenrunde und gemütliches Schreiben. Ich bin SO froh, dass wir die Augentropferei jetzt hinter uns haben, und auch sonst hoffe ich auf ein bisschen normalen Alltag, insbesondere auch nach der OP, wenn ich hoffentlich einfach viel am Schreibtisch sitzen und Zeug wegarbeiten kann. Das wäre halt schon sehr schön.

Kurz nach sieben war der Liebste auch wach und kümmerte sich um Kaffee und Frühstück: Brot mit Frischkäse und Marmelade. Für mich Rhabarber, und der Liebste probierte eine selbst gemachte Mirabellenmarmelade, die er aus den geschenkten Urlaubsnachbarkistenmirabellen gekocht hatte. Leicht improvisiert, wir hatten nämlich keinen Gelierzucker mehr da, er hatte deshalb normalen Zucker und ein pflanzliches Geliermittel auf Basis von Agar Agar genommen. Das Resultat war eine Marmelade, die so fest war, dass man sie eigentlich fast in Scheiben schneiden konnte. Dazu ein kräftiges Orange und geschmacklich wirklich nicht schlecht (sagte er, ich war morgens noch nicht experimentierbereit und probierte nicht).

Restlicher Vormittag ohne berichtenswerte Vorkommnisse: Ich las ausführlichst das Internet leer, putzte gründlich das obere Stockwerk, erntete eine Schüssel Tomaten von der Dachterrasse, widmete mich intensiv der Körperpflege. Und kleines Erfolgserlebnis: Ich schaffte es, bei meinem neuen Handy die Swipe-Tastatur zu aktivieren. Sie war eigentlich laut Einstellungen „an“, funktionierte aber nicht, und erst nach längerem Googeln fand ich (…in einem australischen Reddit-Forum, ich war nicht die erste Person mit dem Problem) die Lösung: Man muss erst noch „Sprachpakete“ für die automatische Spracherkennung herunterladen. Warum die nicht schon voreingestellt sind, also zumindest eines, erschließt sich mir nicht. (Und auch nicht, warum das nirgendwo auf der offiziellen Samsung-Hilfeseite steht.) Aber egal, jetzt funktioniert es.
Damit war es schon halb eins. Zum Mittagessen eine große Schüssel Salat (Blattsalat, Gurke, Cherrytomaten). Auf weiteres Essen verzichteten wir, stattdessen der Plan, am Nachmittag unterwegs Kaffee und Kuchen oder so zu organisieren.

Erst einmal sortierten wir unsere alten Motorradklamotten. Meine Bilanz: In die Textilkombi (Hose und Jacke) passe ich nicht mehr rein, das wusste ich aber eigentlich schon (eigentlich ist alles mehr oder weniger okay, nur mein mittlerweile dicker Bauch stört am Hosenbund und unten an der Jacke). Helme sind okay, aber halt alt – eigentlich sollte man sie regelmäßig austauschen. Handschuhe, Halstuch und Nierengurt sind okay (Gurt gerade so). Blöd sind die Stiefel: Da passt der rechte Stiefel nämlich problemlos, aber der linke ist zu eng, und zwar nicht nur hinten an der Ferse, sondern auch vorn an den Zehen. Wie bescheuert. Nun fährt man ja mit den Stiefeln und läuft nicht groß rum, aber ein bisschen störend ist es schon. Ansonsten wären sie nämlich in Ordnung. Beim Liebsten war es ähnlich, ihm passen zwar alle seine Sachen noch, aber sie sind jetzt halt teilweise 15 Jahre alt (und mehr genutzt als meine), und so langsam löst sich die Polsterung, die Reißverschlüsse halten nicht mehr so richtig und so weiter. Plan für heute: Sehr viel Geld ausgeben.

Wir fuhren also in die Nachbarstadt zum Louis, guter Dinge. War ja schließlich ein großer Händler und eine große Filiale und so.
Seufz. Kurz zusammengefasst: Es war ein sehr, sehr unbefriedigendes Einkaufserlebnis. Ich mag ja Klamotten kaufen sowieso nicht (das blöde Gefummel, die Sachen von den Stangen und den Bügeln zu kriegen, das ständige Aus- und Anziehen, die engen Umkleidekabinen, das fürchterliche Licht), und Motorradklamotten kaufen toppt das alles noch. Einmal ästhetisch: Es sind einfach 80% dieser Kleider UNFASSBAR hässlich. Ganz ehrlich, was denken sich die Designer denn dabei, wenn sie diese Dinger entwerfen? Oder wurde das einfach ohne Design aus dem Baukasten zusammengestückelt? Seriously.
Und dann sind die Sachen extrem unbequem. Teilweise liegt das in der Natur der Sache: Die Kleider müssen einigermaßen eng anliegen (damit während der Fahrt nichts flattert oder sich aufplustert), und die eingenähten Schutzelemente an Schulter, Ellenbogen, teilweise Rücken, Hüfte und Knie machen alles sehr schwer, unflexibel und steif. Lässt sich also nicht ganz vermeiden. Aber trotzdem: Wieso zwickt das Zeug so dermaßen, lässt sich nicht richtig einstellen, die Knöpfe gehen teilweise nicht zu (wie kann man Knöpfe produzieren, die sich nicht schließen lassen??), und überhaupt die Proportionen passen nicht. Ich probierte gefühlt 50 Jacken an, aus der Damen- und der Herrenabteilung, und keine einzige funktionierte wirklich. Zumal das Anprobieren auch dadurch erschwert wurde, dass die Größen völlig random sind und mit normalen Kleidergrößen sowieso scheinbar nichts zu tun haben. SO nervig. Dem Liebsten ging es nur unzureichend besser: Die einzige Jacke, die bei ihm okay war, war halt leider die teuerste im ganzen Laden.

Ich war schon kurz davor, eine Lederjacke zu kaufen, weil die einigermaßen passte (wenn auch nicht super) und wenigstens nicht hässlich war, aber halt: Leder. Blöd, blöd, blöd. Aber dann fand ich am Ende doch noch eine einzige Textiljacke, die okay saß und keine halbe Niere kostete. Immerhin. Bei Hosen war meine Geduld dann allerdings am Ende, ich probierte drei Stück an, alle drei Katastrophe, und ließ es dann bleiben. Stattdessen kaufte ich Knieschoner für über oder unter die (normale) Hose. Ich brauche die Sachen ja aktuell für die 125er, da ist eine komplette Vollausstattung wirklich nicht so wichtig.

Für Helme hatten wir beide keine Nerven mehr, auch weitere Klamotten ließen wir bleiben (der Liebste ließ auch die teure Jacke da). Schuhe probierten wir kurz an, aber die Auswahl war sehr mager und es gab halt einfach nichts Passendes. Wir kauften nur noch neue Handschuhe für den Liebsten (das war wichtig, in seinen aktuellen Handschuhen schlafen ihm die Finger ein) und er suchte noch eine Handyhalterung für den Griff aus, inklusive Vibrationsschutz und keine Ahnung, während ich mir aus dem Kühlschrank dort eine Cola Zero holte und quasi auf ex trank. Zweieinhalb Stunden waren wir insgesamt in dem Laden gewesen und am Ende durstig, müde, hungrig und reichlich genervt. Auch interessant: Die ganze Zeit waren wir von keinem einzigen Mitarbeiter angesprochen worden, und wir hatten auch fast niemanden gesehen, den wir hätten fragen können. Ich mag es ja eigentlich sehr, in Läden in Ruhe gelassen zu werden, aber das war schon das andere Extrem. Oh well. Immerhin funktionierte an der Kasse meine Kundenkarte noch, der alte Gutschein allerdings nicht mehr. (Hatte ich auch nicht erwartet, er war wirklich ziemlich alt.)

Gegen halb sechs waren wir wieder daheim, ein bisschen frustriert und müde (und komplett Kaffee-und-Kuchen-los). Eine schnelle Scheibe Brot und etwas Wasser, kurze Katerbespaßung, dann gingen wir zum Wocheneinkauf zu Alnatura und Supermarkt. Brauchten zum Glück nicht viel. Meine Laune war zu dem Zeitpunkt ziemlich im Keller, alles mäh, Klamotten blöd, Hersteller blöd, alle blöd.

Der Abend wurde dann aber ziemlich schnell besser. Erst einmal ausführliches gemeinsames Kochen, Ofengemüse (Kartoffeln, Mais, Paprika, Pilze) mit Hummus. Und während das Gemüse im Ofen war, setzte der Liebste noch das nächste Eis für uns an: „Earl Grey Orange“. Allerdings war weder Orangenöl noch Bergamotteöl drin, weil man beides in den normalen Läden nicht kriegt, aber ich hoffe, dass normaler Earl Grey-Tee und Orangenschale genug sind für den Geschmack.
Dann Rückzug aufs Sofa mit großartigem Essen, einem Glas Weißwein und ein bisschen Sternentor. Um halb zehn gingen wir ins Bett, sehr früh, aber wir waren einfach SO sehr müde. Bisschen Schlaf aufholen, dringend nötig.