Ausflug, Freitag 10.7.2026

Recht okay geschlafen, nur etwas kalt wurde es irgendwann (keine Klage von mir). Am Morgen erst einmal gründlich die Dachterrasse gegossen, der Liebste übernahm die Staudenbeete im Garten: Es hat einfach schon wieder eine ganze Weile nicht mehr geregnet und sieht auch aktuell nicht danach aus. Zumindest war der Himmel am Morgen blau und komplett wolkenfrei.
Wenig Zeit am Morgen: Wir hatten Firmen-Betriebsausflug und starteten diesen mit einem gemeinsamen Frühstück um halb neun. Etwas blöd, dass ich ausgerechnet schon um sieben richtig Hunger bekam, aber nun ja. Auf jeden Fall hatten wir beide die Uhr im Blick. Eine Tasse Tee, schnelle Dusche, Katerversorgung, Sachen zusammengepackt (in meinem Fall mit Nachdenken und ohne Autopilot, weil ich ja für einen „Wandertag“ packen musste), und um Viertel nach acht gingen wir aus dem Haus. Natürlich fiel mir nach 50 Metern ein, dass ich meine Kappe vergessen hatte, aber wir drehten nicht mehr um, wir waren sowieso schon spät.

Ich bin ja gegenüber Socialising-Arbeitsterminen immer etwas ambivalent eingestellt, ich bin halt etwas außerhalb meiner Komfortzone bei so Gruppensachen. In diesem Jahr war es aber ausgesprochen schön. Angefangen beim gemeinsamen Frühstück, das zwar (eher ungewöhnlich für mein Arbeitsumfeld) sehr unvegan war – ich hatte zwei trockene Brezeln und zwei Tassen Hafermilchaffee, das war’s – bei dem ich mich aber wirklich nett mit Kolleg:innen unterhielt. Unter anderem waren auch drei ehemalige Kolleginnen dabei (eine davon hochschwanger, was zumindest für mich überraschend war) und zwei Kolleginnen in Elternzeit. Eine davon ist meine direkte Kollegin aus der gleichen Abteilung, und sie wird im Oktober stundenweise wieder zurückkommen, das ist super.

Um zehn vor zehn machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof, weil wir mit dem Zug – der sich dann als SEV herausstellte, wegen „Fahrzeugmangel“, unfassbar – ein bisschen über Land fahren wollten bis zum Startpunkt unserer Wanderung. Strahlend blauer Himmel und zwar heiß, aber noch okay: Wir packten halt Wasser und Äpfel ein und cremten uns alle brav mit Sonnenmilch ein.
Knappe zwei Stunden Wanderung durch Streuobstwiesen und Wald (gerade als es richtig warm wurde, kamen wir in den Schatten), in angenehmem Tempo. Das letzte Stück, als es in einer Art Single Trail bergauf ging und ich etwas außer Atem kam, drückte der Chef mir die Leine des Babyhundes in die Hand: Da sind nämlich Husky-Gene mit drin und die Nase zog mich halt einfach den Berg hoch.
Ich hatte wirklich Sorge wegen meiner Achillessehne gehabt, und wegen der richtigen Schuhwahl: Die neuen orangenen Bugatti-Schuhe hatten sich ja in Indien eigentlich bewährt, aber exakt am letzten Tag hatte ich mir in ihnen an der rechten Ferse eine Blase gelaufen. Was wohl eher an den Füßlingen gelegen hatte, aber damit fielen sie halt aus. Also nahm ich die Trekkingschuhe, mit denen ich mir vor ziemlich genau einem Jahr den Ermüdungsbruch geholt hatte, in der Hoffnung, dass sie jetzt mit den neuen Innensohlen wieder okay wären. Das stellte sich als gute Wahl heraus: Trittfeste Schuhe, dabei schonend für die Achillessehne, Blasen bekam ich keine und der Mittelfuß machte auch keine Probleme.

Das Wandergebiet und das Ziel waren mir sehr vertraut, weil es sich um mein Heimatstädtchen herum bewegte, auch wenn ich da insgesamt nicht mehr oft bin – abgesehen vom Waldfriedhof, den wir bei der Wanderung an der Rückseite streiften – und sich in den letzten Jahren ein paar Sachen geändert haben: größere Wanderparkplätze, ein neuer Waldseilgarten mit angeschlossenem Kiosk, solche Sachen. Auf der anderen Seite kommt man zum Schönbuchturm, den wir als eigentliches Ziel anpeilten. Aber erst einmal Grillplatz, zumal dort schon der Azubi und eine ehemalige Kollegin warteten, die aus diversen Gründen (einmal kaputte Gelenke, einmal ME/CFS) nicht mitwandern konnten.
Dort ausführliches Grillen. Für die Nicht-Fleischesser gab es Seitanwürstchen, dazu Brötchen und Gemüsekram, ansonsten Getränke und Obst. Alles sehr prima. Dazu reden und nicht reden, in die Gegend gucken und den freien Tag genießen. Ein einziger richtiger „Programmpunkt“ war die emotionale Verabschiedung einer langjährigen Kollegin, die auf eine coole neue Position im Ausland wechselt. Was für uns ein ziemlicher Verlust ist, auch zwischenmenschlich, weil sie sehr beliebt war, aber auch sonst für die Firma. Es ist für sie aber eine super Chance. Und was schön ist: Wir können sie im Team gut ersetzen.

Gegen halb drei ging eine Gruppe zum Schönbuchturm (nicht alle: Der Turm ist für Leute, die sich bei Höhe unwohl fühlen, definitiv nicht geeignet). Erstaunlicherweise war sowohl am Grillplatz als auch am Turm echt wenig los, trotz des perfekten Wetters. Aber es sind halt noch keine Sommerferien (die starten in diesem Jahr richtig spät) und kein Wochenende. Für uns super.
Ich war mit dem Liebsten schon einmal auf dem Turm gewesen und wusste deshalb, was mich erwartet. Er ist gerade so am Rand meiner Komfortzone, würde ich mal sagen: Alles sehr offen, nur „Gestänge“ aus Stahlseilen und Holz, man kann halt bei jedem Schritt, wenn man möchte, bis auf den Boden sehen. Ich mochte aber nicht, also runtersehen. Hochgehen wollte ich schon. Deshalb gut am Geländer festgehalten und den Blick auf die Schritte vor mir und auf den Horizont, und 348 Stufen später (mit jeweils einem Stopp auf den beiden Zwischenplattformen – am Stück schaffe ich so viele Stufen nicht) war ich oben und hatte einen tollen Ausblick.

Ein paar Gruppenfotos, dann mussten wir uns etwas beeilen, um den Bus zurück zu bekommen (wir wanderten glücklicherweise nicht zurück). Nur leichte Fehlplanung, weil der für uns passende Bus dann erst in einer halben Stunde fuhr – und so langsam wurde es richtig heiß (ungefähr 32 Grad schätze ich). Aber wir hatten ein beschattetes Holzhäuschen als Warteplatz, wir hatten alle Wasser, UND ich hatte schlauerweise morgens noch meine Sandalen eingepackt. Und da ich den Blowfish als Rucksack genommen hatte, konnte ich sogar nach dem Schuhwechsel die Trekkingschuhe verstauen. Mit befreiten Füßen war die Hitze gleich deutlich weniger schlimm.

Um zwanzig nach vier waren wir nach einer Zugfahrt daheim (SEV bedeutet auf dieser Strecke, dass sie ungefähr jede zweite Zugfahrt durch Busse ersetzen oder so, so ganz erschloss sich mir das Konzept nicht). Mittlerweile merkte ich meinen linken Fuß schon ziemlich – es ging nur noch hinkend. Vermutlich auch, weil das Fersenband der Sandale auf eine blöde Stelle drückte. Auf jeden Fall brauchte der Fuß eine Ruhepause. Die bekam er auch, weil ein Kollege mich netterweise vorn in sein Lastenfahrrad setzte und nach Hause radelte. Sehr guter Service.
Daheim stellte ich mich erst einmal unter die kühle Dusche und legte mich dann zum Liebsten im Arbeitszimmer aufs Sofa: Fuß hochlegen, bisschen entspannen und nicht reden, trotzdem Gesellschaft.

Um halb sieben aßen wir zu Abend. Eigentlich wäre Vesper geplant gewesen (etwas unwillig von meiner Seite, weil ich den Tag über schon so viel Brot gegessen hatte), aber da der Liebste mittags nichts gegessen hatte (er hatte bis halb vier oben Termine gehabt und hatte sich keine Pause genommen, um schneller wieder daheim zu sein), hatten wir den Blumenkohl mit Ofengemüse und Erbsen noch übrig. Sehr gutes Abendessen.

Um Viertel nach sieben zog ich Shorts und frische Bluse an und ging zum Abendevent aus dem Haus: Treffen mit Kolleg:innen für das Freilichttheater des LTT. Das Stück heißt Indien (ausgerechnet, lol, es hat aber mit Indien eigentlich nichts zu tun) und wird quasi hinter dem Hauptgebäude des Theaters im Hof aufgeführt.
Ich bin mir nicht so ganz schlüssig, wie ich das Stück einsortieren soll. Kurz gefasst vielleicht so: Es wird die Geschichte einer ungleichen, auch unfreiwilligen Männerfreundschaft erzählt, in dem über berufliche Professionalität, Derbheit, Vulgarität, Frauen- und Fremdenfeindlichkeit (also die üblichen Verdächtigen) schließlich zur Kommunikation und zu „echten Gefühlen“ gefunden wird. Und das fand ich insgesamt… nun ja. Erstens nicht sonderlich überzeugend, und zweitens auch ein bisschen… auserzählt. Geschichten von Männerfreundschaften haben wir ja nun wahrlich schon mehr als genug präsentiert bekommen, immer und immer und immer wieder, die gesamte Weltliteratur dreht sich ja mehr oder weniger um die Befindlichkeiten von sprechunfähigen Männern. So gesehen machte sich bei mir ein bisschen Langeweile breit. Die einzige Frauenfigur als sprachlose Alibi-Statistin, und auch sonst nicht viel Neues. Andererseits tolle schauspielerische Leistung, das muss ich definitiv sagen, und einige witzige Stellen gab es auch. Es war also durchaus ein unterhaltsamer Abend. Aber ich würde kein zweites Mal reingehen wollen. (Was auch nicht half: Die Stühle waren bescheuert und drückten einem die Kante der Lehne in die Wirbelsäule, dazu hatte ich zu wenig Platz und saß den ganzen Abend schief, und fürchterlich Bauchweh hatte ich auch. Wirklich entspannt war der Abend also nicht.)

Nach dem Theater gingen wir noch auf einen „Absacker“ in die Firma und dort auf die Terrasse (sehr schöner Sommerabend, in T-Shirt und kurzen Hosen genau richtig). Das Bauchweh hatte sich dort schnell erledigt und ich saß ziemlich gut gelaunt mit erst einem kleinen Bier und dann zwei Gläsern Rosé auf der Terrasse, unterhielt mich mit verschiedenen Leuten und hatte einen ganz schönen Abend. Bis ungefähr halb eins, wo wir alle aufräumten und ich heimging, mit wieder okayem linken Fuß.

Daheim war der Liebste noch wach und erwartete mich mit einem Fingerbreit schottischem Single Malt. Wir hatten einen gemeinsamen Absacker ausgemacht, ich hatte allerdings vermutet, er wäre mittlerweile ins Bett gegangen. Aber von wegen. Also ein Whisky zum Abend, und zwar den neuen Glen Scotia Single Malt Double Cask. Ein feiner, weicher, unkomplizierter Sommerwhisky, ein wenig spritig (er hat keine Altersangabe, wird also recht jung sein), aber insgesamt angenehm auf der Zunge und nicht anstrengend. Eine schöne Ergänzung bei uns im Schrank. Und ein guter Schluss für den Tag.