Brillenfails und Whiskyinventur, Donnerstag 7.8.2025

Um sieben aufgewacht, einigermaßen ausgeschlafen, aber mit leider immer noch geschwollenem und deutlich mehr schmerzendem Fuß, warum auch immer – ich dachte, die Salbe würde eine Besserung bringen. Oh well. Die Zehen rechts kribbelten auch, was sie bisher eher nicht gemacht hatten (der Schmerz war allerdings in die Zehen ausgestrahlt), und insgesamt war ich diese ganze bescheuerte Fußgeschichte so sehr leid. Dementsprechend war die Laune, als ich ins Erdgeschoss hinkte, wo der Liebste schon Katermaintenance und Teekochen übernommen hatte. Draußen schöner Wölkchenhimmel.
Müsli zum Frühstück, ruhiger Morgen mit Zeitung, noch mehr Tee und irgendwann einer schnellen Dusche. Um kurz nach zehn gingen wir aus dem Haus: Ich wollte beim Optiker vorbeischauen, wo zwei meiner drei Aufträge angekommen sein sollten. Also langsames Hinken in die Stadt, das Gehen ging so semi-gut. (Wenigstens keine kribbelnden Zehen mehr.)

Beim Optiker angekommen stellte sich allerdings alles ein bisschen schwieriger da als erwartet. Ein Auftrag war tatsächlich fertig, nämlich meine neue Sonnenbrille mit geschliffenen Gläsern (für die Fernsicht). Sie musste nur noch etwas angepasst werden, weil ich sie zu locker fand, und das klappte ein wenig durchwachsen: die Bügel wurden so angepasst, dass sie hinter den Ohren saß, aber an der Nase und generell im Gesicht finde ich sie immer noch recht locker. Was vermutlich einfach am Modell liegt, ich habe halt ein schmales Gesicht und die Brillen (und ganz besonders Sonnenbrillen) sind einfach mittlerweile riesig. Nun ja. Nichtsdestotrotz wurde ich ein bisschen vollgelabert („das gehört so“, „die sitzen immer locker“, jede Brille rutscht, wenn man schwitzt“), was ich ja gar nicht gebrauchen kann, denn ich hatte in meinen 51 Jahren schon einige Sonnenbrillen und brauche mir keinen Quatsch erzählen zu lassen, was „normal“ sei. Egal, ich habe wieder eine okay-e Sonnenbrille, Schwamm drüber.
Die anderen Brillen leider noch nicht. Meine neuen Gleitsichtgläser, stellte sich heraus, wurden versehentlich in der falschen Größe bestellt, sodass man sie nicht einpassen kann – hurra. Leicht nervig, denn der Liebste war extra deshalb mitgekommen (der Plan: gemeinsam einen Kaffee trinken, während die Gläser eingepasst werden, dann neue Brille mitnehmen). Noch blöder war allerdings, dass ich den Auftrag für die Arbeitsplatzbrille freigeben wollte (der war ja in Warteschleife, während ich die Kostenübernahme mit meinem Chef geklärt hatte) und der Angestellte meinte, oh, da sei ein Fehler, die Gläser und das Gestell würden nicht zusammenpassen, blah, 4 Millimeter zu wenig, eigentlich hätte das System den Auftrag gar nicht freigeben dürfen, blub. Man müsste also andere Gläser bestellen, was teurer wäre, oder ich bräuchte ein anderes Gestell. Oder vielleicht könnte er doch noch irgendetwas so hindrehen, dass es eventuell passt, aber das müsse er mal schauen und könne nichts versprechen. Alles sehr unbefriedigend, vor allem auch da er eigentlich in einer anderen Kundenberatung war und sich das alles viel länger darstellte als gedacht. Ich machte also, reichlich angenervt, einen neuen Beratungstermin aus, und dann mal sehen. (Der Liebste meinte, an meiner Stelle hätte er den Auftrag einfach sofort storniert, aber so weit bin ich noch nicht.)

Das war erst einmal also nicht so erfolgreich. (Bis auf die neue Sonnenbrille, die nur halb gut saß.) Egal. Wir gingen trotzdem einen Kaffee trinken (im Altstadt-Lieblingscafé), aber mir war alles irgendwie zu anstrengend: Ich hatte eigentlich keinen Kaffee gewollt, sondern irgendetwas anderes, keine Ahnung was, und dann gab es draußen keinen Platz mehr, und drinnen war es laut, und die ganze Stadt war voll, und überhaupt alles doof. Wir gingen deshalb recht bald wieder.

Kurzer Zwischenstopp in einer Buchhandlung (wo wir drei Bücher fanden, allerdings keins von meiner Liste, der Laden ist zunehmend schlecht sortiert, oder vielleicht wird mein Geschmack auch nur immer spezieller), zweiter Stopp bei „unserem“ Spirituosenhändler. Der hatte nämlich in seinem Newsletter (ja, ich bekomme den Newsletter) einen hochinteressanten Whiskey des Monats zum Sonderpreis angekündigt: den neuen Whiskey von der West Cork Destillerie, im Calvados-Fass ausgebaut. Ich bin sehr gespannt.
Ein wenig Small Talk mit Fachhändler D (mit dem wir mittlerweile per Du sind), der genauso hinkend daher kam wie ich, überall fußlahme Leute, dann nach Hause (mit Ministopp beim Bastelverein, wo der Liebste an der neuen Bandsäge etwas herumprobieren musste). Die letzten Meter waren dann leider etwas zu viel: Mein Fuß begann ernsthaft so sehr weh zu tun, dass ich den Marsch in die Innenstadt bereute und mir für die letzten Straßenzüge die Schuhe auszog und barfuß heimging. Was auch nicht angenehm war, aber wenigstens ging.

Daheim erst einmal Mittagessen mit restlichem Blumenkohlpie (besser am zweiten Tag, gut durchgezogen) und einer großen Schüssel Salat, dann Rückzug mit Buch und Espresso auf die Dachterrasse, die wir endlich sommertauglich machten. (Bis jetzt hat es nie gepasst: Erst zu kalt, dann wahnsinnig viel Arbeit, dann Hitzewelle, dann Dauerregen.) Dort verbrachte ich die nächsten paar Stunden im Liegestuhl unter dem Sonnenschirm, während mein Fuß sich wieder beruhigte.

Noch ein wichtiger Punkt am Nachmittag, als ich wieder von oben runterkam: Ich setzte einen schon längeren guten Vorsatz in die Tat um und inventarisierte unseren Whisk(e)y. Und zwar legte ich dafür ein neues Trelloboard an (für den Liebsten und mich), wo ich unsere Getränkelisten (ich habe schon eine für „Wein, interessant“ und „alkoholfreies Hefe, Skala 1-5“ und „Grüner Tee“) hin verschob und eine neue Liste für unseren Whisky anlegte. Der Liebste holte mir die Flaschen aus dem Brotschrank und ich legte die Einträge an, sortiert nach Schottland, Irland, England und „Anderes“ (USA, Kanada, Indien, Australien, Elsass und Deutschland), mit ein paar weiteren Informationen und einem Vermerk, ob die Flasche schon angebrochen ist oder nicht.
Eine gute Stunde Arbeit, dann war die Liste fertig (und der Brotschrank wieder aufgeräumt, der Liebste sortierte gleich noch ein bisschen durch) und jetzt haben wir wieder einen etwas besseren Überblick. Drei interessante Erkenntnisse: Erstens haben wir wirklich UNFASSBAR viel Whisky daheim, gut, das wusste ich schon, aber ich war dann doch überrascht wie viel. (Vielleicht die nächsten Monate erst mal keinen mehr kaufen oder so.) Zweitens haben wir tatsächlich keine einzige Flasche doppelt – ich hatte gedacht, dass wir mindestens zweimal versehentlich Flaschen gekauft hätten, die wir schon daheim haben, aber das ist nicht der Fall. (Ähnlich, aber nicht gleich.) Und drittens haben wir, vor allem bei den Schotten, noch eine ganze Batterie an ungeöffneten Flaschen daheim. Also erst recht ein Grund, sich erst einmal an den eigenen Bestand zu halten. (Der Liebste meinte „das reicht uns bis zur Rente“, aber da bin ich nicht so ganz sicher. Vielleicht.)

Der Abend begann dann erst einmal mit ein bisschen Sucherei, denn wir wollten den Katern ihre Medikamente geben, und während der Nasenkater gleich auftauchte und eifrig schlabberte, war von Magi nichts zu sehen. Also mal die üblichen Plätze abgesucht, den ganzen Garten, schließlich den Kohleweg in immer weiteren Kreisen, bis wir ihn schließlich bei den Nachbarn schräg gegenüber entdeckten, in dem Haus, wo ich früher in meiner alten WG gewohnt hatte. Dort saßen nämlich Leute auf der Terrasse, und Magi, die kleine Ratte, hatte sich seelenruhig dazugelegt und wartete vermutlich, dass er irgendetwas Fressbares abbekam. Wir unterhielten uns ein bisschen mit den netten Leuten dort („ja, der schaut regelmäßig bei uns vorbei“, lol, es passt zu ihm, dass er bei sämtlichen Nachbarn schaut, was zu holen ist) und sammelten ihn dann ein, damit er daheim sein Medikament bekam. Direkt danach wackelte er wieder raus, von mir kritisch begleitet. (Aber ernsthaft, wenn er dort ein Plätzchen hat und wir Bescheid wissen, ist es schon in Ordnung. Sie sollten halt nur nicht mit Füttern anfangen.)

Gemeinsames Kochen (begleitet von einem alkoholfreien Crodino Spritz als Aperitif, ich darf ja gerade wegen Ibu 600 keinen Alkohol), ein neues Rezept aus einem alten VF&L-Heft: Mediterranean Butter Beans, also geschmorte weiße Riesenbohnen mit Karotten, Knoblauch, Tomaten und jeder Menge Kräuter, dazu geachtelte Ofenkartoffeln. Sehr gutes Abendessen.
Abendunterhaltung: Eigentlich hätten wir auf ein Akustikkonzert gehen wollen (es gab zwei Umsonst-Möglichkeiten in der Stadt), aber ich wollte meinem Fuß keinen weiteren Weg mehr zumuten. Stattdessen also Sofa und Netflix, die kalifornischen Polizeianfänger. Wir beendeten die vierte Staffel und starteten die fünfte. Natürlich mit jeder Menge Drama und Verwicklungen und alten und neuen Gegenspielern. Das sollte uns die nächsten ein oder zwei Wochen beschäftigt halten.