Samstag mit später Abreise: Ich konnte also ausschlafen. Fast schon zwangsläufig wachte ich also um sechs Uhr auf und konnte nicht mehr richtig schlafen. Logisch. War aber egal. Ich stand auf, las die Mastodon-Timeline nach, packte noch ein bisschen Zeug zusammen, ging ausführlich duschen und Haare waschen. Damit wurde es Viertel nach acht und ich ging runter zum Frühstück. Dieses Mal, wie ich an der Rezeption am Morgen davor extra gesagt hatte, im vorgesehenen Zeitfenster und nicht vor acht (ich hatte die arme Küche die Woche über genug strapaziert).
Ausführliches Frühstück, bei dem es mehr oder weniger die gleichen Sachen gab wie die letzten Tage, nur dieses Mal wieder mit Obstsalat, und dieses Mal aß ich ihn auch: Erstens hatte ich ja Zeit zum Essen, zweitens war ein gut gefüllter Bauch vor diesem langen Tag sicher kein Fehler. (Naja, ein kleiner Fehler, wie sich später herausstellen würde.)
Nach dem Frühstück ging ich wieder ins Zimmer, eigentlich zum Packen, aber das hatte ich halt alles morgens schon erledigt. Stattdessen gab ich dem Handy noch ein bisschen Strom und legte mich aufs Bett. Wo ich dann noch einmal gute zwei Stunden schlief.
Um Viertel nach zehn war ich schließlich wieder wach und fit und alles gepackt, also beschloss ich auszuchecken, auch wenn dafür noch eine Viertelstunde Zeit gewesen wäre. Aber ich plante sowieso in der Lobby zu warten, also ging ich runter. Gute Idee, denn dort bot man mir eine Literflasche Wasser und eine kleine Flasche Saft an, was ich beides sehr gern nahm. In der Lobby saß ich also den restlichen Vormittag und verbrachte die Zeit damit, mir zu den vergangenen sechs Tagen Notizen zu machen, ganz oldschool mit Kugelschreiber und Schreibheft.
Um zwölf wurde ich vom Fahrer am Hotel abgeholt, und zwei Seitenstraßen weiter stiegen auch P und seine Frau mit dazu. Wir fuhren gemeinsam zu einem vegetarischen Restaurant, das ich bisher noch nicht kannte (angegliedert an ein Hotel – viele wirklich gute Restaurants scheinen zu Hotels zu gehören). Wir waren etwas früh, die Küche öffnete erst um halb eins, aber das war egal: Wir bekamen heißes Wasser und verbrachten die Zeit damit, uns in einem Mischmasch aus Englisch und Deutsch zu unterhalten (P meistens auf Deutsch, weil er das mit mir sowieso spricht, ich meistens auf Englisch, weil P’s Frau kein Deutsch spricht). Und ich nutzte die Gelegenheit, P meinen ausgelesenen Hanshörg Schneider-Krimi zu schenken.
Dann also Essen, und das war ein einfaches Gemüsebiryani (gebratener Reis mit Nüssen, Gemüse und Gewürzen) mit Rajta (typische Joghurtsauce). Klassisch, einfach aber SO UNFASSBAR gut. Ich bin ja immer etwas ambivalent gegenüber Reis, aber so, wie er da zubereitet war, war er einfach großartig. Ich muss mal versuchen, ob ich das daheim auch so hinbekomme. Einziges Problem: Das Frühstück war doch etwas zu üppig gewesen, und so schaffte ich die (sehr große) Portion leider nicht. Was mir wirklich leid tat, denn ehrlich: so leckeres Essen.
Um eins waren wir fertig, sammelten den Fahrer wieder ein und verabschiedeten uns. Ich war speziell froh, dass ich P’s Frau jetzt kennengelernt hatte (nachdem ich die Einladung nach Hause am Vorabend schon ausgeschlagen hatte). War jetzt aber wirklich fertig mit meinem Indien-Aufenthalt und wollte einfach nur noch: nach Hause.
Und das tat ich dann, in sechs Etappen. Etappe eins die Fahrt zum Flughafen Kochi (mit einem zehnminütigen Zwischenstopp, weil der Fahrer sich etwas zu essen holen wollte), auf einer quasi halbfertigen Autobahn, aber egal. Wir kamen überraschend gut durch, um Viertel vor vier war ich am Flughafen. Dort trank ich mein Wasser aus, ging durch die Security und dann zum Gate. Der Flughafen ist sehr überschaubar, ich war also in zwei Minuten dort.
Damit also lange Wartezeit auf Etappe zwei, denn das Flugzeug ging erst um fünf vor sieben. Ich schaute ein bisschen Fußball (die WM lief auf mehreren großen Bildschirmen – überhaupt in Indien sehr präsent, ich sah viele große Plakate, in denen diverse Teams angefeuert wurden – unter anderem „die Mannschaft“ – und sehr viele Menschen mit Trikots, beispielsweise zweimal Toni Kroos), trank viel Wasser und eine große Tasse Tee. Und schließlich kaufte ich mir in einer der beiden kleinen Buchhandlungen dort ein englisches Buch (Karen Dukess, Welcome To Murder Week) und verbrachte die restliche Zeit mit Lesen. Dazu ein paar Cashews und ein paar geröstete Erdnüsse, die ich aus dem Hotel mitgenommen hatte, damit war ich beschäftigt.
Um halb sieben dann Boarding und der zweistündige Flug nach Mumbai – alles super, alles problemlos. Neben mir saß eine Frau aus Lettland/Niederlanden/Irland/Kanada (sehr mobile Lebensgeschichte), mit der ich ein bisschen smalltalkte, aber die meiste Zeit war ich mit herumdenken und lesen beschäftigt. Ein veganer Wrap als Abendessen, ein bisschen Wasser (keine Heißgetränke, weil die Flugkapitänin das wegen auftretender Turbulenzen – die sich als mildes Gewackel herausstellten – verboten hatte), und um zehn Uhr landeten wir pünktlichst.
In Mumbai dann ein sehr angenehmer Weg durch den Flughafen – es ist alles gut ausgeschildert, man muss zwar viel laufen, aber keine Gebäude wechseln, und man wird ziemlich automatisch durch Immigration und Security und alles geleitet, ich war schnell am Gate. Dort dann der erste Müdigkeitseinbruch, aber so richtig schlafen konnte ich nicht: Dafür war es viel zu voll und zu wuselig. Also beschäftigte ich mich mit Herumlaufen, Wasser und einer Packung indischen Chai kaufen, mir diverse Gates anschauen und halt warten.
Um Viertel nach eins begann das Boarding, und um Viertel vor zwei starteten wir und damit die dritte Etappe des Reisewegs. Und ich verabschiedete mich, vorläufig, von Indien.
Relativ angenehmer Rückflug. Ich hatte zwar einen etwas doofen Platz (zwar ein Randplatz, aber im Mittelbereich, das versuche ich in Zukunft vermutlich eher zu vermeiden), aber ansonsten war es schon okay. Zum Abendessen (…viel zu spät für meinen Geschmack, aber anyway) ein veganes Curry (was auch sonst), dann wurden Ohrstöpsel und Schlafmasken verteilt, und ich wickelte mich in eine Decke, stöpselte Ohren zu und setzte die Schlafmaske auf (das erste Mal überhaupt), und damit konnte ich dann, surprise, tatsächlich ungefähr fünf Stunden lang schlafen. Was natürlich nicht als „ausgeschlafen“ gilt, aber viel besser ist als jeder Flug bisher.
Die restlichen drei Stunden dann ein paar Spiele im Display, ein Frühstück (ebenfalls vegan und indisch), und dann hörte ich anderthalb Stunden lang zwei Podcastfolgen von Der Rest ist Geschichte. Und dann landeten wir schon (wieder überpünktlichst um 6:37 Uhr) in München.
Damit kam der einzig wirklich stressige Teil der Reise, denn die Lufthansa hatte mir zur Weitereise einen Flug herausgesucht, bei dem um 7.35 das Boarding startete, und zwar mehr oder weniger am anderen Ende des Flughafens, inklusive Shuttlefahrt und allem. Das Problem war die extrem volle Security mit langen Schlangen (und reichlich genervten Kontrolleuren). Mir war das so halb egal, denn hey: Ich war in München, sollte ich den Flug verpassen, würde ich mich halt einfach in einen Zug setzen. Am Ende beschloss ich dann aber doch zu rennen und kam um 7:45 Uhr am Gate an. Das war schon komplett leer, nur eine einsame Frau wartete noch, wie sich herausstellte auf einen anderen Fluggast und auf mich (und entschuldigte sich für den Stress, dabei hatte sie das ja nicht organisiert). Kaum waren wir im Bus, fuhr er los, wir stiegen ins kleine Flugzeug (alle anderen waren schon drin) und starteten pünktlich. Kleiner Hopser nach Stuttgart, pünktliche Landung um 8:50, und dann war ich wieder – quasi – daheim.
In Stuttgart fiel ich erst einmal dem Liebsten um den Hals und ging dann mit ihm beim Flughafenbäcker einen Kuchen essen (in erster Linie weil er noch kein Frühstück gehabt hatte). Dann Teil fünf der Reise, nämlich Heimfahrt und um zehn war ich tatsächlich so richtig, ganz zu Hause. Und super froh.
Den restlichen Sonntag über passierte nicht mehr viel. Ich hatte ja die extreme Hitzewelle in Europa fast komplett verpasst und nur aus den Medien davon erfahren (während ich im klimatisierten Hotelzimmer lag, harhar). Jetzt am Sonntag bekam ich den allerletzten Tag davon mit. Dementsprechend packte ich den Koffer aus, stellte mich unter die Dusche und legte mich dann für den Rest des Tages mit Buch und Kaltgetränk in den Liegestuhl aufs Schattendeck, begleitet vom Liebsten und dem einen oder anderen Kater. Irgendwann hängte der Liebste den Gartenschlauch (mit Beregnungs-Endstück) so vom Schuppendach, dass wir eine Art Gartendusche hatten, wir zogen uns Badeklamotten an und gingen so im Schnitt einmal pro Stunde eiskalt duschen. Damit war es einigermaßen auszuhalten. (Aber trotzdem: Meine Fresse, was für eine Hitze. Und den Peak hatte ich ja sogar verpasst. Liebe Güte.)
Mittags Joghurt, Apfel und eine Scheibe Schwarzbrot mit Frischkäse, ansonsten tranken wir viel, viel, viel. Erst gegen sieben gingen wir wieder rein (wirklich abgekühlt hatte es da noch nicht, aber oh well) und kochten Spaghetti Bolognese mit Rügenwalder Hack. (Mal kein Curry!) Und dann Rückzug aufs Sofa, mit noch mehr Kaltgetränken (Wasser in erster Linie) und ein paar Folgen Stargate. Zwischendrin schlief ich für eine Stunde ein, kein Wunder – ich hatte wenig geschlafen und war sowieso noch im Indien-Rhythmus. Aber insgesamt hielt ich ganz okay durch bis kurz vor zehn. Dann oben alle Fenster auf, die ganze Dachterrasse gießen (Pflanzen und Platten), und irgendwann ging es dann auch zu schlafen. Im eigenen Bett.