Streichen und Sterne, Freitag 7.8.2026

In der Nacht irgendwann ein bisschen Abkühlung (ich wechselte sogar frühmorgens auf die andere Decke, hurra), aber trotzdem nicht erholsam geschlafen, keine Ahnung. Morgens außerdem mit furchtbar verspanntem Rücken aufgewacht, zur Abwechslung mal das linke Schulterblatt, was zum Henker. Hm. Trotzdem Morgenroutine mit Dachterrassengießen. Merkwürdigerweise entdeckte ich im Hochbeet ein paar Pilze – dabei hatten wir ja gar nicht sooo viel gegossen und es hatte wenig geregnet. Okay. Vielleicht die nächsten paar Tage nicht gießen, zumal es nicht mehr ganz so sehr heiß sein soll (schon durchs Lüften am Morgen bekam ich die Schlafzimmertemperatur auf 21 Grad).

Vor mir ein ruhiger Arbeitstag daheim. Zum Frühstück den gekauften Hefezopf, und dazu als Neuerwerb die vegane „Rama“-Buttervariante, die natürlich mit supertollem Buttergeschmack warb (heißt auch „so buttrig!“). Fazit: Ich kann ja den tierischen Buttergeschmack mittlerweile überhaupt nicht mehr ab, und schon früher, als ich noch nicht vegan aß und eigentlich Butter gern mochte, kippte das immer recht schnell dahin, dass es mir über wurde. Die Rama ist in der Hinsicht besser, weil sie irgendeinen ekligen Geschmacksanteil („Tier“, keine Ahnung) halt nicht hat, aber sie ist sehr „voll“, sehr mächtig im Geschmack und von daher eigentlich eine wirklich gute Alternative. Sie schmeckt auch null nach „Margarine“. Man darf allerdings auf keinen Fall zu viel von ihr nehmen, sonst wird sie schnell zu dominant und ist nicht mehr gut. Insgesamt waren wir aber recht angetan. Auch toll: Sie ist palmölfrei!

Ausführliche Dusche, dann ab neun am Schreibtisch – tatsächlich noch in langen Hosen, denn es war gar nicht mal so warm im Arbeitszimmer, und der Ventilator sorgte zusätzlich noch für Zugluft (ich nahm mir sogar irgendwann ein leichtes Halstuch). Es gab relativ wenig zu tun, aber ich hakte ein paar wichtige Sachen ab und klopfte einige Termine für den Herbst fest. Meinen geplanten Urlaub Ende September und Ende November musste ich ja jeweils wieder rausnehmen, beide Male wegen Indien. Den zweiten hätte ich machen können, weil die Kollegin im November fliegen wird, aber der Liebste und ich fanden die Lösung, eine komplette Woche im Oktober zu nehmen (mehr oder weniger die einzige Woche, wo das wirklich noch gut geht). Mir ist eine Woche am Stück natürlich generell lieber als immer nur ein paar Tage. Vielleicht klappt ja wieder was in den Bergen oder so. Wäre super.

Um eins machte ich bereits Feierabend (den guten Vorsatz, mal ein paar Stunden abzubauen, endlich mal in die Tat umsetzen). Da auch der Liebste nur einen halben Tag arbeitete, begann damit für uns das Wochenende. Erst einmal Mittagessen (restlicher Bohnensalat mit Nussbrot), dann zog ich mir streichtaugliche Arbeitsklamotten an, und zwar in Form des grünen Hängerkleids, denn mittlerweile war es doch ziemlich warm und auf der unteren Terrasse schweißtreibend heiß. Das hinderte uns aber nicht daran, die nächsten Stunden die zweite Flügeltür zum Wohnzimmer (die erste hatte der Liebste im Urlaub schon fertig) und die Tür zum Arbeitszimmer im Erdgeschoss abzuschleifen (Schwingschleifer hurra!) und ihnen einen ersten Anstrich zu verpassen. Da die Türen in einem dunklen Lila gestrichen sind und jetzt ein sehr pastelliges Hellblau bekommen sollen, müssen sie auf jeden Fall zwei Anstriche bekommen. Wir ließen die Türen auf der Terrasse zum Trocknen – strahlend blauer Himmel und kein Regen vorhergesagt.
Restlichen Nachmittag (urlaubsbedingt kein Yogakurs): eine Kanne Kabusé und Asterixhefte im Lesesessel, begleitet vom zunehmend bettelnden Kater. Der aber nach einer Katzenwurst tatsächlich Ruhe gab und noch normales Trockenfutter fraß. Vielleicht gewöhnen wir ihm die Bettelei ja doch wieder ab.

Um halb sieben machten wir uns ausgehfertig und gingen zu unserer Datumsnacht, in mittlerweile wieder angenehmen Temperaturen. Das Asian Fusion Restaurant bei uns im Nachbarviertel hatte Betriebsferien, deshalb gingen wir zum Italiener ein paar Straßen weiter. Eigentlich ist der für den Sommer nicht so gut geeignet, weil seine Außensitzplätze mit Zeltplanen und Dach ziemlich abgeschottet sind (man sitzt also nicht wirklich „draußen“) und unter diesem Aufbau leider geraucht werden darf. Er hatte aber, wie wir sahen, noch drei Tische außerhalb dieses Vorzelts, und da saßen wir tatsächlich gut. Schöner Abend mit Bruschetta, Spaghetti Aglio e’Olio für mich (super, nur grenzwertig scharf) und Tagliatelle mit Saisongemüse für den Liebsten. Dazu alkoholfreies Radler und ein Espresso zum Abschluss. Und ein paar gemütliche Gespräche.

Gegen halb neun waren wir wieder daheim. Der Abend zeigte sich als so ziemlich der perfekte Sommerabend, den ich eigentlich „von früher“ kenne: Es dämmerte, es war angenehm warm, aber nicht heiß, auch die Balkonplatten waren nicht völlig aufgeheizt. Deshalb ließen wir den TV aus und setzten uns für den restlichen Abend auf den Balkon. Der Kater leistete uns Gesellschaft, und wir teilten uns eine Flasche portugiesischen Rosé, Santa Cristina, der schon einige Zeit in unserem Weinkühlschrank lagert. Ein feiner, frischer, unkomplizierter Rosé, der perfekt zu einem Sommerabend passt.

Wir saßen bis zehn auf dem Balkon und schauten in den Garten und an den Himmel. Es gab einiges zu sehen: Zuerst marschierten im Dämmerlicht gleich zwei Igel durch den Garten, raschelten durchs Gebüsch, kamen zum Trinken an den Gartenteich und zogen dann geräuschvoll in den Nachbargarten ab. Als es dunkler wurde, konnten wir mindestens drei kleinen Fledermäusen (Batmännle) beim Jagen zusehen. (Bei mir natürlich gleich Sorgengedanken, denn sowohl Igel als auch Batmännle brauchen Insekten als Nahrung, und man weiß ja, wie schlimm es leider mit der Insektenpopulation aussieht.)

Irgendwann war es ganz dunkel und neben zahlreichen Satelliten und Flugzeugen sah man die ersten Sterne. Ich fragte mich, ob der helle Stern relativ hoch im Westen stehend gar kein Stern, sondern ein Planet war (die Venus hatte ich als Vermutung), aber wie ich ergoogelte, ist im August als einziger Planet tatsächlich die Venus zu sehen, aber nur sehr knapp über dem Horizont (bei uns von Hausdächern und Bäumen verdeckt). Ich überlegte ein bisschen, welcher Stern also der helle im Westen sein könnte (Sirius? Nein, im August gar nicht zu sehen, na toll, meine Astronomiekenntnisse waren offensichtlich ziemlich verschüttet nach jahrelangem Nichtgebrauch), und irgendwann zeigte mir der Liebste die App Sky Map. Und was für eine tolle App das ist! Sie braucht natürlich einen Standort, aber dann kann man mit ihr, sofern der Kompass des Handys funktioniert (ich musste ein paar Achten wedeln), die App einfach auf den Himmel richten und bekommt angezeigt, was dort zu sehen ist. (Im Westen übrigens Arktur, for the record. Einer der hellsten Sterne, kein Wunder, dass man ihn am Dämmerhimmel sehen kann.)
Natürlich ist die App, wenn ich an meine Schülerinnen- und Studierendenzeiten und diverse Exkursionen mit Papp-Sternenkarte und Taschenlampe zurückdenke, eine ziemlich faule (und definitiv weniger coole) Variante des Sternenguckens. Aber sie hat halt den Vorteil, dass man einfach so auf dem Balkon, Glas Rosé in der Hand und schnarchende Katze neben sich, „hä was isn das eigentlich“ fragen kann und mit einem Klick wieder die Orientierung am Himmel hat. Weil Arktur nämlich, und an ein bisschen erinnere ich mich doch noch!, durch den Bogenschwung der Deichsel des großen Wagens gefunden werden kann. Und der große Wagen ist ja Teil des Sternbilds großer Bär, weshalb Arktur auch Teil des Sternbilds Bärenhüter ist. Das fiel mir alles wieder ein, und ich fühlte mich gleich dreißig Jahre jünger. Das ist doch mal eine tolle App.