Queerness feiern, Samstag 25.7.2026

  • Beitrags-Kategorie:Tagebuch

Etwas unruhige Nacht, weil irgendwann die Elstern in den Bäumen vor den Fenstern mit extrem lautem Alarmschnattern begannen. Vermutlich Katze im Garten, dachte ich, und wartete, bis sie sich wieder beruhigt hatten, damit ich weiterschlafen konnte. Als es nach ein paar Minuten aber wieder losging, schaute ich doch nach und hörte Geraschel von der Straße. Ein Blick durch mein Arbeitszimmerfenster zeigte einen Marder, der sich an den Gelben Säcken zu schaffen machte. Ich schimpfte kurz mit ihm, worauf er davonwackelte, die Elstern Ruhe gaben und ich wieder schlafen konnte. Dass der Marder an den Gelben Säcken interessiert war, ist kein Wunder. Abholung wäre am Donnerstag gewesen, aber seit mit der Abholung ein privates Unternehmen beauftragt wurde, klappt das nur noch so semi. Und die Marder und Ratten freuen sich, wenn alles tagelang da liegt, sie die Säcke aufbeißen und die leeren Dosen und Becher ausschlecken können.
(Erinnert sich noch jemand an die Sprüche früher über die „chaotischen“ mediterranen Länder, Süditalien und so, „wo die Züge fahren, wann sie wollen, und der Müll nicht abgeholt wird haha“? Es hat schon eine gewisse poetische Gerechtigkeit, dass uns diese Arroganz jetzt in den Arsch beißt.)

Morgens dann Magibesuch, der brav in meinem Bett liegen blieb, bis ich um zwanzig vor acht aufstand. Erst einmal Dachterrassengießen (er vor allem am Vogelbad interessiert, der Nasenkater kam auch mal oben nachschauen), einige Tomaten, eine Handvoll Pimientos de Padrón und eine Zucchini ernten. Der Liebste kam ebenfalls hoch und gab Magi (unter Mühen) sein Medikament und ging dann wieder runter, den Garten gießen.
Kurz darauf etwas Aufregung bei uns: Denn Magi hatte eine ganze Weile bei mir gewartet, weil ich aber offensichtlich mit dem Gießen zu lang gebraucht hatte, war er dann doch langsam die Treppe runtergeeiert. Ich rief dem Liebsten im Garten noch zu, er solle doch reinkommen und Magi unten füttern, aber das ging irgendwie unter, und als er ein paar Minuten später nach ihm schaute, war Magi auf jeden Fall verschwunden. Ziemliche Sorge bei uns. Wir liefen beide den Kohleweg entlang, schauten bei den Nachbarn, in unserem Garten unter jedem Busch und unter dem Hasenstall, waren aber nicht erfolgreich. Erst als ich noch ein zweites Mal schaute, entdeckte ich ihn bei der alten Nachbarin auf der Terrasse, wo sie einen Stapel alter Decken abgelegt hatte, die er jetzt als Schlafplatz nutzte. Hm. Ich ließ ihn schlafen und hoffte, dass er später, wenn er Hunger hatte, wieder herkommen würde. (Der Nasenkater half bei der Suche übrigens die ganze Zeit mit und kam auch wieder mit rein, Futter abgreifen, bis er über den Balkon im Garten verschwand. Er ist bei seiner ganzen Scheuheit halt doch ein sehr anhängliches Tier.) …Und natürlich kam Magi eine Dreiviertelstunde später angelatscht und ließ holte sich Futter ab. Der Honk.

Wir machten am Vormittag eher schnell, schließlich wollten wir nach Stuttgart zum CSD, hatten also Pläne wie so normale Leute. Müsli zum Frühstück, etwas schreiben, dann wischte ich das obere Stockwerk und ging duschen, und der Liebste putzte im Untergeschoss. Während er sich mit irgendwelchem Softwarezeugs beschäftigte, holte ich beim Supermarktbäcker nebenan ein paar Brötchen, briet uns dann aufgetaute Gemüsebratlinge an (eigentlich nicht mein Fall, aber sie waren im Supermarkt vor ein paar Wochen reduziert gewesen wegen ablaufendem MHD, und naja, so aufs Brötchen ist es natürlich praktisch) und schnippelte Paprika und Karotten. Mit zwei Bratlingsbrötchen (mit etwas Pesto drunter, keine schlechte Kombination) und zwei Laugen mit Rügenwalder Wurst gab das unser Mittagessen. Dann Rucksack und Handtasche gepackt, gründlichst eingecremt (es war sonnig und wurde schon heiß), und damit waren wir erstaunlich früh fertig.

Eigentlich wären wir mit dem Zug gefahren, aber lange Fahrtzeit, Schienenersatzverkehr, Tralala. Der Liebste hatte deshalb die großartige Idee, mit einem e-Auto („lass uns elektrisch fahren“) bis Degerloch zu fahren und dort in die U-Bahn zu steigen. Und so machten wir es auch, um halb eins fuhr ich uns über die Bundesstraße nach Stuttgart und war erstaunt, wir schnell wir da waren (30 Minuten bis zum P&R-Parkplatz, dann noch 10 Minuten U-Bahn).

Und dann also CSD. Wir setzten uns erst einmal auf den Schlossplatz und aßen unser Mittagessen, während um uns herum jede Menge Leute mit diversen Flaggen und Symbolen und Emblemen über den Platz strömten. Nach einiger Zeit kristallisierte sich eine Gehrichtung heraus, wir konnten also mitströmen und fanden einen ganz guten Platz an der Paulinenstraße, nicht weit vom Rotebühlplatz entfernt. Zuerst in der prallen Sonne, was aber nur maximal zehn Minuten gut gegangen wäre (es hatte über 30 Grad), deshalb wechselten wir schnell auf die Schattenseite. Und da standen wir dann für die nächsten anderthalb Stunden, schauten den Wägen und den Gruppen zu, tanzten ziemlich viel mit und passten auf, dass wir nicht von irgendwelchen geworfenen Bonbons und ähnlichem getroffen wurden, harhar.

Um halb vier kurze Pause, weil ich aufs Klo musste und wir was zu trinken brauchten, wir gingen also herumsuchen, bis wir beides gefunden hatten (waren schließlich im Gerber erfolgreich – in Stuttgart finde ich es absurd schwierig, öffentliche Toiletten zu finden). Dann wieder zurück zum Umzug, noch ein bisschen zuschauen und mitklatschen, bis wir um kurz vor fünf ziemlich gesättigt waren. Der Umzug sollte sich da auch so langsam seinem Ende nähern, zumindest hatte ich das irgendwo im Internet gelesen, aber zu sehen war davon noch nichts. Wir gingen aber trotzdem los in Richtung Heusteigviertel, noch einen Kaffee trinken. Und eigentlich auch Kuchen essen, aber das Café, das wir in der Kuh als „vegan friendly“ markiert gesehen hatten, hatte halt fast nichts in vegan und schon gar keinen Kuchen (es hätte mir auffallen müssen, dass die meisten Bewertungen mehrere Jahre alt waren und das Café insgesamt nur auf drei Sterne kam, also echt schlecht bewertet war). Seufz. Ich beließ es halt beim Hafermilchkaffee (natürlich zu Großstadtpreisen, aber das war wiederum zu erwarten).

Zurück nach Degerloch mit der Zahnradbahn (so schöne Strecke, allein das lohnt sich schon), dann fuhr uns der Liebste in 25 Minuten nach Hause (der Akku des Autos zeigte beim Abstellen noch 80% – zwischendrin zu laden braucht man also auch nicht). Um kurz vor sieben waren wir wieder daheim und sehr froh über den schönen Tag. Nur mein Impfarm meldete sich ziemlich schmerzend, für den war die direkte Sonneneinstrahlung offensichtlich doof gewesen. Davon abgesehen alles prima.

Am Abend dann ein bisschen Ruhe. Der Liebste schaute nach den Katern (wieder ziemliche Diskussionen, der Nasenkater floh sogar irgendwann vor ihm in den Garten, weil es ihm zu viel an aufgedrängten Medikamenten war, beruhigte sich aber schnell wieder), und ich improvisierte uns ein Abendessen: Spaghetti, frische Tomaten, ein Rest grünes Pesto, ein halbes Gläschen Arrabbiata-Pesto, eine Frühlingszwiebel und ein bisschen Knoblauchöl. Einfaches, sehr gutes Essen. Dazu teilten wir uns eine Flasche sehr guten Weißwein aus dem Piemont, der schon seit einigen Wochen bei uns im Kühlschrank lagerte (er hatte es bereits aus dem unteren Getränkekühlschrank hoch in die Küche geschafft, stand also quasi in den Startlöchern).

Restlicher Abend ohne Bildschirm, also mehr oder weniger. Der Liebste schaute schnell nach den Nachrichten (ein bisschen über das Regierungs-Umbildungs-Chaos nach Spahns Rücktritt wundern, ziemliche Sorgen wegen der völlig außer Kontrolle geratenen Waldbrände in Spanien und Frankreich), und ich las die Mastodon-Timeline nach und beschäftigte mich dann intensiv mit meinem Krimi (also irgendwie schon Bildschirm, weil ich das Buch auf dem Tablet lese, aber andererseits irgendwie auch nicht). Um kurz vor zehn müde genug, dass ich ins Bett konnte, obwohl es zu dem Zeitpunkt draußen immer noch wärmer war als drinnen (ich hatte gehofft, wir hätten diese Phase des Sommers hinter uns). Schlafen konnte ich aber trotzdem.