Lesezeit, Sonntag 26.7.2026

Eigentlich recht gut geschlafen, na ja, mehrfach aufgewacht, aber das zähle ich ja schon gar nicht mehr, so lange ich am nächsten Morgen einigermaßen ausgeschlafen bin. Um zwanzig vor sieben stand ich auf. Erst einmal Blick auf den Balkon und ein paar Cherrytomaten geerntet, dabei sah ich den Nasenkater bei Nachbars im Garten sitzen und sich putzen. Ich lüftete ein bisschen und machte Tee, währenddessen stand der Liebste auf und kümmerte sich um Magi, der unten aufgetaucht war, aber vom Nasenkater nichts zu sehen. Etwas merkwürdig, deshalb ging ich ganz leise rufend mal den Kohleweg entlang (immer etwas unangenehm, am Sonntagmorgen vor sieben an den Nachbarsgärten vorbeizugehen und nach den Katzen zu rufen). Nichts zu sehen allerdings. Er tauchte dann eine Viertelstunde später von selbst wieder auf, während ich gerade in der Küche aufräumte. Keine Ahnung, wo sich diese Tiere manchmal in der Nachbarschaft aufhalten. So langsam dachten wir eigentlich, wir würden alle Eckchen und Verstecke kennen.

Nach der Küchenrunde ein erster Blick auf die Mastodon-Timeline, wo mich ein paar merkwürdige Nachrichten irritierten, Regenbögen mit schwarzen Herzen und so? Ich schaute ein bisschen genauer, ging auf SPON und konnte es nicht fassen, als ich die Nachrichten vom Anschlag auf den Berliner CSD las. Besonders da wir gestern beim Stuttgarter CSD gewesen waren und klar, der Gedanke war schon immer mit im Kopf, dass da „was passieren“ könnte, aber andererseits war es halt doch sehr abstrakt und wenig vorstellbar. Bis es dann plötzlich, wenn auch andere Stadt, klar, doch sehr real wird. Puh.
Ich las also erst einmal diverse Nachrichten in der Timeline. Merkwürdige Mischung, denn der Anschlag war abends passiert – da war ich schon im Bett – und einige hatten abends noch drauf reagiert, andere über ihren normalen Sommerabend geschrieben, manche es erst am nächsten Morgen gelesen und waren geschockt, andere schon komplett bei der „Analyse“ (die kommen ja immer ganz schnell angelaufen). Außerdem suchte ich nach nicht-SM-Nachrichten und war leicht genervt, dass der Spiegel seinen Liveticker hinter einer Paywall verbirgt (WTF). Wie so häufig bekam ich die aktuellsten und schnellsten Detailnachrichten mal wieder vom Guardian. Das Abo hat sich schon gelohnt.

Nichtsdestotrotz normale Sonntagmorgenroutine. Da wir am Vortag keine Pilze gekauft hatten, aber trotzdem etwas „Englisches“ wollten, gab es Baked Beans on Toast zum Frühstück. Dazu viel Tee und Kaffee, Zeitungsrätsel. Dann räumte der Liebste die Sachen zur Seite und ließ die Roboter im Erdgeschoss fahren und ich schrieb währenddessen ein bisschen. Und irgendwann (als es nicht mehr so früh morgens war) schrieb ich auch eine Signal an Freund S in Berlin. Er antwortete zum Glück relativ gleich: Ihm und seinem Partner ging es gut, er war gar nicht in der Nähe des Anschlags gewesen, aber er war natürlich auch ziemlich fassungslos. Wir machten mal für die nächsten Tage eine Telefonverabredung aus.

Restlicher Vormittag wenig Produktives. Ich las ein bisschen im Internet herum, schaute mir Zeugs auf YouTube an, ging irgendwann hoch, um das Bad zu putzen und zu duschen. Dann Wäsche sortieren und eine Maschine starten, und der Liebste machte uns währenddessen das Mittagessen. Er briet ein aufgetautes „Hähnchen“-Schnitzel an (ganz okay, Panade halt) und dazu eine gestern geerntete Zucchini und die grünen Paprika, die wir ja als Pimientos de Padrón definiert hatten. Dann warf er zwei Rote Bete und zwei Karotten in den Raspelaufsatz der Küchenmaschine, rührte ein Meerrettich-Dressing dazu an, und das ergab ein schnelles, aber extrem leckeres Mittagessen. Das Schnitzeldings war dabei noch der unwichtigere Teil aber die anderen Sachen! Der Salat! Und das angebratene Gemüse! So gut. Zum Nachtisch zwei kleine Kugeln Vanilleeis (der Supermarkt hat seit neuestem wieder veganes), über das wir einen Espresso kippten, sozusagen ein Affogato.

Den kompletten Nachmittag verbrachte ich mehr oder weniger auf dem Sofa und las den Krimi weiter, nur unterbrochen von Wäsche aufhängen (auf der Dachterrasse – draußen war es warm und ziemlich windig) und bügeln. Und den Liebsten unterstützen, denn der zog sich nachmittags in die Küche zurück und machte sich an meine Geburtstagstorte. Das gestaltete sich als etwas komplizierter als gedacht – er hatte so ein mehrstöckiges Himbeersahnedings rausgesucht, mit mehreren Zwischenschritten und Abkühlzeiten und überhaupt. Dann war er auch noch vom Rezept nicht so ganz überzeugt und machte noch Agar-Agar in die Himbeermasse, was das Ganze nicht gerade vereinfacht – das muss ja kalt angerührt, dann aufgekocht und direkt (und schnell) in die Masse gerührt werden, weil es im Abkühlen sofort geliert. Langer Rede kurzer Sinn: Er war nicht so ganz davon überzeugt, ob die Torte, die von einem Tortenring gehalten in den Kühlschrank kam, uns am nächsten Tag nicht entgegenfließen würde. Wäre aber auch kein Drama (und nicht das erste Mal mit unseren Geburtstagstorten).

Gegen sieben gemeinsames Kochen, ich hatte einen klassischen Nudelsalat geplant (mit Räuchertofu, Kohlrabi und Remoulade). Während er durchzog, gingen wir kurz auf die Dachterrasse und hängten den Wäsche wieder ab, denn draußen zeigten sich graue Unwetterwolken. Erstaunlicherweise war alles bis auf zwei Hosen schon wieder komplett trocken. Das war natürlich extrem toll.

Restlicher Abend mit Nudelsalat auf dem Sofa: Einmal Nachrichten und Brennpunkt (seufz), dann Rückzug durchs Stargate. Und um zehn ging ich nach oben und las dort noch bis Mitternacht den Krimi zu Ende. Hihi. Der Krimi wie gesagt Der Retter von Mathijs Deen, der dritte Band der Liewe-Cupido-Reihe. Wieder eine atmosphärisch sehr dichte Erzählung, vielleicht mit ein paar Glaubwürdigkeits-Schwächen im Plot, aber das finde ich verzeihlich. Auch wenn einem die Hauptfigur des Ermittlers mit seiner extrem schweigsamen Art irgendwann ein bisschen auf den Keks geht (und was für eine Herausforderung, einen dialoglastigen Krimi zu schreiben, wenn eine zentrale Figur einfach nie was sagt), ist es trotzdem extrem spannend zu lesen. Und sogar ein toller Hund kommt vor.