Der erste Schritt des Abenteuers (und schon der, der mich am meisten stresste): Die lange, lange Anreise. Aber es ging alles sehr problemlos, vor allem im Vergleich zum letzten Mal im Januar. Ich schlief in der Nacht (mit sehr dünner Decke) einigermaßen gut und stand um kurz vor halb sechs vor dem Weckerklingeln auf. Schnelle Dusche, letzter Check auf die Gepäckstücke, während der Liebste (der dieses Mal nicht verschlafen hatte) die Kater versorgte, und pünktlichst um sechs gingen wir los. Da es Samstag frühmorgens war, kamen wir extrem gut durch und waren um 20 vor sieben bereits am Flughafen. Viel zu früh natürlich, aber egal: Wir frühstückten beim Bäcker dort, relativ ausführlich (nicht viel, aber genug, dazu eine Tasse grünen Tee). Dann gründliche Verabschiedung vom Liebsten (beide traurig), ich ging durch die Security, und um acht war ich am Gate. Bisschen Herumgewarte, eine Flasche Wasser, schließlich Boarding um 9:15 und pünktlicher, schneller Flug nach München.
In München hatte ich zwar okay viel (wenn auch nicht sehr viel) Zeit zum Umsteigen und kam auch gut durch die Passkontrolle (automatisiert), verlief mich dann aber erst einmal, weil ich kurzfristig mein Gate verwechselte und zum Gate J15 (statt L15) latschte. Das existiert allerdings nicht, ich endete beim Gate J8 in einer komplett menschenleeren Sackgasse. Komplette Verwirrung, bis mein Hirn wieder ansprang und ich zum richtigen Gate hektikte. Kam aber noch gut rechtzeitig (wenn auch leicht gestresst) an und hatte dort noch genug Zeit, um meinen Pass prechecken zu lassen und mein Handy am Sitz wieder komplett aufzuladen. Alles relativ gechillt, mit pünktlichem Boarding.
Interessanterweise sah ich am kompletten Gate unter den Passagieren neben mir nur noch ungefähr zwei weiße Menschen, der Rest relativ offensichtlich aus Indien. Weshalb eines der Lufthansa-Crewmitglieder (von den Gate-Leuten, nicht von den Flugbegleitetenden) auch aus Indien kam und die Durchsagen auf Hindi (vermutlich) machte. (Lufthansa kooperiert mit Air India, wie ich später erfuhr, bei der Rückreise bestand das Gatepersonal ebenfalls aus Inder*innen.) Mit mir sprach er allerdings ein sehr höfliches Deutsch. Und natürlich saß ich im Flugzeug dann prompt neben einem Deutschen, gefühlt neben mir der einzige an Bord. Was mir ja aber nun egal war, in beide Richtungen.
Problemloser Achtstundenflug, bei dem ich ein wirklich gutes veganes Curry zum Essen bekam, mit Schokomousse zum Dessert (die veganen Optionen sind immer so viel besser als die anderen Sachen) und ich mich durch die ersten vier Folgen der ersten Staffel von The Celebrity Traitors UK sehr gut unterhalten fühlte. Nur wirklich SEHR blöd, dass es nur die ersten vier Folgen waren, denn das Ganze bricht mittendrin ab und jetzt muss ich natürlich versuchen, den Rest auch noch irgendwie schauen zu können. Das ist bei BBC-Produktionen immer etwas schwierig.
Pünktliche Landung um kurz vor Mitternacht, für mich Premiere: Auf dem Flughafen Mumbai (statt Bangaluru wie beim letzten Mal). Großer Flughafen, aber nur ein Gebäude, weshalb ich mich VIEL besser zurechtfand (und beispielsweise keinen Bus zwischen zwei Terminals fahren musste). Vom extrem hässlichen Teppichboden mal abgesehen war ich also sehr angetan und fand mein Gate ziemlich problemlos, musste nur einmal fragen und konnte mich ansonsten komplett an den Schildern orientieren. Immigration, das letzte Mal ja der Zeitkiller, und Security waren ebenfalls kein Problem. Langer Rede kurzer Sinn, ich war um halb eins viel zu früh am Gate und hatte dort eine Wartezeit von fast fünf Stunden bis zum nächsten Flug. Furchtbar unbequeme Sessel, ich schaffte es aber trotzdem ein klein wenig zu schlafen. Irgendwann ging das auch nicht mehr, also kaufte ich mir einen Chai und fing mein Buch an (Silberkiesel von Hansjörg Schneider, ein alter Basel-Krimi, von mir aus dem Regal gezogen wegen Schmalheit und weil ich ihn nicht unbedingt behalten muss). Übrigens, wenig überraschend: Die komplett einzige nicht-braune Person weit und breit.
Dritter Flug Mumbai-Kochi, inklusive veganem Wrap als Frühstück, und pünktlichst landete ich um halb acht. Am Flughafen Kochi (der recht klein ist) kannte ich mich tatsächlich schon wieder recht gut aus. War allerdings leicht genervt, denn: Meine Airtel-Simkarte, die wir ja extra wegen der billigen Onlinedaten gekauft hatten, funktionierte nicht, „Dienst nicht verfügbar“ kam ständig. Was sehr blöd war. Ich kaufte mir schließlich ein O2-Roamingpaket, damit ich wenigstens Whatsapp hatte und so meinen indischen Geschäftspartner P erreichen konnte. Um acht wurde ich von ihm abgeholt. Zweistündige Weiterfahrt bis Alappuzha, wo ich um halb elf schließlich im Hotel ankam (AJ Palace, ein anderes als beim letzten Mal, etwas neuer).
Im Hotel packte ich erst einmal aus und kroch schließlich ins Bett, in der Hoffnung, zwei oder drei Stunden schlafen zu können. Daraus wurden allerdings nur anderthalb, weil ich mehrfach (mehrfach) vom Hotel gestört wurde. Und zwar hatte P für mich, eigentlich sehr nett, einen Lunch im Hotel organisiert (es gibt dort kein öffentliches Restaurant, sie bieten aber Frühstück und einen sehr umfangreichen Zimmerservice an). Nun ja, und dann rief erst der Service bei mir auf dem Zimmer an, um zu fragen, wann ich das Essen wollte, dann noch einmal um zu fragen, was für ein Essen ich wollte („something vegetarian, something light, just a quick bite“ war offensichtlich nicht detailliert genug), dann wurde an der Zimmertür geklingelt wegen hab ich vergessen, dann noch einmal geklingelt, und zwar von einem Haustechniker, der von der Rezeption darüber informiert worden war, dass ich duschen wollte (das hatte ich bei einem der vorherigen Störungen gesagt) und jetzt fragen wollte, ob die Dusche auch funktioniert hatte (hatte sie, aber dass da der Techniker nachfragen muss, wunderte mich schon).
Nun ja. Das Essen kam dann um halb eins und entpuppte sich als eine sehr üppige Kollektion von diversen Currys und Saucen mit Dosa und Chapati, so viel zum Thema „quick bite“. Sehr lecker natürlich, aber ich war auch sehr satt und ließ das Chapati für abends.
Um drei war ich soweit wieder hergestellt und wurde von P abgeholt. Wir gingen erst in ein kleines Café für eine Tasse Kaffee und dann ins Institut, für einen „letzten Check“ vor dem ersten Prüfungstag morgen. Dort war ich erst einmal leicht genervt: Die Rechner, die P alle hätte komplett vorbereiten sollen, waren halt null präpariert, weil er leider die Anweisung nicht verstanden hatte („ich hatte kein Passwort und konnte das deshalb nicht machen“ – ähm nein, man braucht für die Programminstallation kein Passwort). Wir luden also bei 30 Laptops die Software sowie die dazugehörige Startdatei hoch und verhandelten zusätzlich mit allen Rechnern diverse Windows-Update-Wünsche (die Rechner sind alle recht neu und eigentlich gut in Schuss, aber schlecht gewartet).
Und hier dann der Megaschreck: 20 von 30 Rechnern liefen problemlos, aber bei den 10 restlichen wurde entweder die Startdatei gar nicht erst erkannt, oder das Programm konnte nicht auf sie zugreifen wegen eines „Konfigurationsproblems“. Bis kurz vor acht probierten wir an allem möglichen Zeug herum, deinstallierten und installierten neu und versuchten diverse Konstellationen aus, und ich schrieb mit einer Kollegin in Kochi, dem Liebsten daheim und dem Chef (der gerade eigentlich im Urlaub ist) über WA und Threema. Klappte alles nicht. Also gab ich es schließlich auf und ließ mich ins Hotel fahren: Völlig übermüdet, komplett erledigt und maximalst gestresst.
Im Hotel wusch ich mir erst einmal die Haare, aß das restliche Chapati und trank anderthalb Liter Wasser und telefonierte dann mit dem Liebsten. Erst einmal eine Runde geheult, aus lauter Erschöpfung und SO SEHR GENERVTHEIT, denn ich bin keine Technikerin und sollte mich um so Scheiß eigentlich überhaupt nicht kümmern müssen, meine Güte. Irgendwann kam ich wieder runter, zog mich auf ein „darum kümmern wir uns morgen“ zurück und kroch ins Bett. Wo ich dann, Klimaanlage und Übermüdung sei Dank, quasi sofort einschlief.