Wach ab fünf, seufz. Ich machte noch etwas die Dachterrassentür auf, weil es im Schlafzimmer dann doch etwas zu warm war (über 22 Grad) und draußen richtig, richtig frisch. Konnte aber nicht mehr schlafen und stand um kurz nach sechs leicht genervt auf. Zu meiner Überraschung kam mir Magi schon auf dem oberen Treppenabsatz entgegen, der Nasenkater dann aus dem Wohnzimmer – offensichtlich war es ihnen beiden auch zu kalt draußen, oder sie hatten halt Hunger. Wobei es bei der Katzenfütterung dann wieder Mäkelei und Zickigkeiten gab – Magi wollte gar nicht, der Kater nur ausgewählt. Der Liebste nahm am Ende für Magi wieder die Spritze, damit er wenigstens seine Medikamente bekam. Frischfutter fraß er wenigstens etwas und marschierte dann wieder raus, trotz kalt. Der Kater blieb erst einmal auf dem Sofa. Draußen strahlend blauer Himmel, aber so kalt, dass ich nur kurz lüftete und mir dann ein paar Füßlinge holte.
Tee, Küchenrunde, Blick in die Zeitung und auf die Guardian-App, die mich zuverlässig über Spaniens WM-Sieg informierte. Damit ist diese blöde WM auch vorbei und ich habe mich ein bisschen mehr vom Männer-Fußball verabschiedet. Schon sehr schade, das alles. Mal wieder eine Sache, die Spaß machen könnte, aber vom Kapitalismus ruiniert worden ist. (Wobei man ehrlicherweise immer schon Profifußball nur dann mit Spaß ansehen konnte, wenn man parallel eine massive Verdrängungsleistung zustande brachte.)
Anyway. Zum Frühstück machte ich uns ein Müsli, der Liebste eine Kanne Tee. Dann ein bisschen schreiben, aber recht bald in die Socken kommen: Ich hatte mir ein paar Sachen vorgenommen. Erst einmal Wäsche einsammeln, sortieren und eine Maschine starten. Dann wischte ich ein bisschen Staub in den Regalen und stellte fest, dass es so staubig war, dass nach meiner Wisch-Aktion der Boden wieder schmutzig war. Also ließ ich Harold saugen und wischte ihm hinterher. Das gründliche Putzen war dringend nötig gewesen, liebe Güte. Anschließend ausführliche Körperpflege und Wäsche aufhängen.
Bei der Tierärztin hatten wir telefonisch kein Glück: Es war immer besetzt und schaltete dann auf den Anrufbeantworter um („wir sind gerade in Behandlung…“). Der Liebste sprach schließlich auf den AB mit der Info, dass wir gern nachmittags vorbeikommen und Medikamente holen würden, und außerdem vielleicht Kateruntersuchung in den nächsten zwei Wochen? (…wegen Urlaub und Zeit?)
Mittlerweile war es später Vormittag und wir hatten einige Einkäufe vor. Also aus dem Haus und zu Alnatura und dm. SO angenehm, am Montagvormittag außerhalb von irgendwelchen Schulferien einkaufen zu gehen! So viel besser als am Samstag.
Daheim räumte ich die Einkäufe weg, während der Liebste uns ein veganes „Hähnchen“-Schnitzel anbriet und eine große Schüssel Blatt- und Tomatensalat machte. Mit selbst angerührtem Dressing, denn als er die frische Flasche Fertigdressing öffnete, stand sie hör- und fühlbar unter Druck und spritzte sehr unangenehm aus der Öffnung. Also eher was zum Wegschütten. (Uns sind in letzter Zeit leider ein paar Sachen kaputt gegangen, obwohl wir uns sehr Mühe geben, das zu vermeiden.0 Vermutlich dem heißen Wetter geschuldet.)
Während wir noch einkaufen gewesen waren, hatte die Tierärztin zurückgerufen und bei uns aufs Band gesprochen: Medikamente kein Problem, aber Termin klappt erst wieder Mitte August. Seufz.
Egal. Wir machten erst einmal Siesta, und ich legte mich aufs Schattendeck, startete ein neues Buch und machte dann ein bisschen die Augen zu. (Irritiert beäugt von beiden Katern – Magi legte sich halt in den Stuhl neben mich, aber der Nasenkater schlich die ganze Zeit um mich herum, legte sich vorsichtig zu mir in den Liegestuhl, gleich wieder runter, vorsichtig die Füße abgeleckt, wieder weg, unter den Liegestuhl gelegt, ach nein doch zu kalt…)
Um kurz nach drei ging ich wieder rein. Ein Zitronenjoghurt, dann weitere Nachmittagsplanung: Eigentlich hatten wir gedacht, wir könnten einen gemeinsamen Spaziergang zur Tierärztin und von dort in die Innenstadt machen (was allerdings schon eine wirklich große Runde wäre, die Tierarztpraxis ist am Stadtrand). Der Liebste klebte aber in irgendeinem Software-Problem fest, war reichlich genervt und schimpfte vor sich hin. Ich wollte weder warten noch auch schlechte Laune bekommen, also ließ ich ihn beim Basteln und fuhr schnell mit dem Rad zur Tierärztin. (Allerdings musste ich erst mein Rad säubern und dabei sieben oder acht Spinnen entfernen, die sich überall am Rad aufhielten. Warum? Es MUSS bessere Plätze geben als zwischen den Speichen und an den Kabeln und am Lenker.)
Schnelle Erledigung (damit ein großer Punkt auf der Urlaubs-Erlediliste abgehakt), neue Medikamente geholt, außerdem machte ich zwei Termine aus – im August habe ich relativ wenig Arbeitstermine und kriege die Tierärztin gut unter. (…das sind so die Aussagen, weswegen man sich gern ein paar Wochen später in den Hintern beißt, aber ich hoffe wirklich mal, dass der August ruhig wird.)
Wieder daheim, dengelte sich der Liebste von seinem Software-Problem los und wir gingen in die Stadt. Mittlerweile war es kurz vor fünf, sonnig und recht warm – mir nach dem Radfahren sowieso. Zielsetzung in der Stadt: Irgendwo einen Aperitif trinken (Kaffee hatten wir daheim genug gehabt) und einen Whisky kaufen, nicht für uns, sondern als Geburtstagsgeschenk (das Teamgeschenk für den Kollegen).
Absurderweise kam uns auf dem Weg in die Stadt ein sehr alter Freund des Liebsten auf dem Fahrrad entgegen, der seit längerem schon in Hamburg lebt, aber aktuell Urlaub in der alten Heimat macht. Davon wusste der Liebste nichts, weil der Kontakt so ein bisschen eingeschlafen ist, aber es war eine nette Begegnung. Der alte Freund (übrigens mit einer der beiden Töchter, bei der ich nicht mehr einschätzen konnte, welche es war, weil es halt einfach schon eine junge Frau war – meine letzte Erinnerung war noch ein Krabbelkind) lud uns spontan für in zwei Tagen zum zwanglosen Abendessen-Drinks-Treffen mit weiteren Leuten ein, die wir auch alle kennen. Unter anderem dem Kollegen, für den wir gerade das Geschenk besorgen wollten. (Was wir natürlich nicht sagten, ich wollte nicht, dass der Kollege über irgendwelche Kanäle versehentlich davon erfuhr.) Freuden der Kleinstadt!
In der Stadt dann also zum Spirituosenhändler unseres Vertrauens. Dort sehr ausführlich und wie immer exzellent von D beraten, die Auswahl fiel mir schwer. Am Ende entschied ich mich für eine relativ neue Destillerie, nämlich Ardnahoe von der Isle of Islay (2018 in Betrieb gegangen, die ersten Whiskys wurden 2023 in den Verkauf gebracht). Der gekaufte Whisky nennt sich Bholsa und ist wohl torfig, maritim, aber durch Sherryfass-Ausbau mit diversen anderen Aromen sehr vielschichtig. (Eigentlich müsste ich es jetzt irgendwie organisieren, dass der Kollege den Whisky anbricht, wenn ich dabei bin und probieren kann, denn er interessiert mich schon sehr.)
Nach dem erfolgreichen Einkauf (wir nahmen für uns noch eine Flasche Lav’a Belle mit, weil wir die am Wochenende ja geleert haben) bummelten wir noch ein wenig durch die Stadt und tranken einen Crodino Spritz in unserer liebsten italienischen Bar. (Auch hier wieder: SO angenehm, an einem Montag in der Stadt zu sein und Zeit zu haben – alles so viel angenehmer als am vollen Samstag! Urlaub in der Heimatstadt hat durchaus seine Vorteile.)
Gegen halb sieben gingen wir wieder heim und trafen absurderweise auf dem Rückweg wieder auf den gleichen alten Freund, der seinerseits zurück Richtung Campingplatz radelte. Sehr lustig. Wir bekräftigten den Mittwochsbesuch, damit ist es definitiv fix. Mal einen Termin im Urlaub!
Daheim schaute der Liebste nach den Katzen, hängte noch eine Maschine Wäsche auf und kümmerte sich um sein Software-Problem, und ich räumte die Küche auf und machte das Abendessen. Allerdings erst kurz ausgebremst vom klingelnden Telefon: Ein älterer Bekannter war dran, und das war an sich ein normales Small-Talk-Gespräch, nur war ich etwas irritiert, wie deutlich gealtert der Bekannte durchs Telefon klang. Sehr müde, dazu mit Mühe, bei einem Gesprächsthema zu bleiben (er sprang immer) und überhaupt schien ihm die Energie zu fehlen. Natürlich ist es andererseits nicht überraschend, dass man das Alter irgendwann auch am Sprechen merkt.
Auf jeden Fall kochen, ausführlich und in Ruhe: Ich röstete Cherrytomaten (fast alle aus eigener Ernte) und Auberginen im Ofen, köchelte daraus mit Kapern und Oliven und Kräutern und Zeugs eine sehr intensive Pastasauce, röstete ein paar Pinienkerne, kochte Penne, und um halb neun hatten wir ganz wunderbare Pasta Caponata.
Den Bildschirm ließen wir diesen Abend aus. Stattdessen setzten wir uns nach dem Essen mit einem Glas Rotwein auf den Balkon, und als der Wein leer war (es war nur noch ein Rest vom Wochenende), schenkte ich uns einen Birnenschnaps ein (wunderbare Palmischbirne), zündete ein Kerzlein an und so schauten wir in den Garten, sahen den kleinen Batmännern beim Jagen zu, unterhielten uns und gingen um kurz nach zehn ausgesprochen urlaubig gestimmt ins Bett.