Sorgen und Hitze, Pfingstsonntag 24.5.2026

Einigermaßen okay geschlafen, nur irgendwann mit Halsschmerzen aufgewacht, die ich auf das offene (nicht nur gekippte, sondern komplett offene) Fenster schob. Hm. Zumachen war allerdings keine Option, denn es war immer noch sehr warm im Schlafzimmer. Ich bin gespannt, wie das in diesem Sommer wird.
Auf jeden Fall wachte ich um kurz nach sechs auf und blieb nicht mehr lang liegen. Katzenbesuch hatte ich nachts nicht bekommen, nur einmal frühmorgens den Nasenkater gehört, wie er reingeschlappt war, getrunken hatte, am Sessel gekratzt hatte und wieder rausgeschlappt war. Von Magi nichts zu sehen. Ich schaute nach dem Aufstehen erst einmal auf die Dachterrasse, da dann nach wenigen Minuten vom Nasenkater begleitet. Erst einmal nach Schnecken schauen (vier Stück fand ich), dann zwanzig Minuten Gießen: Die Töpfe werden trocken und es ist so langsam Zeit, dass wir unser Bewässerungssystem wieder aufbauen. Noch sehen die Pflanzen aber gut aus. Ich kippte außerdem die Insektentränke aus, weil sie wirklich sehr schmutzig war, und tauschte die Schale fürs Vogelbad aus: Es schien mir, als hätte sie einen Sprung, und das würde erklären, warum das Wasser die letzten Tage so extrem schnell weg war, sogar für die Wärme etwas schnell.

Beide Kater waren nicht zu sehen und wurden von mir aus der Nachbarschaft geholt (der Nasenkater war bei der Studenten-WG auf der Terrasse, Magi einen Garten weiter links), Katzenfütterung: Magi nahm immerhin seine Medikamente und fraß einen halben Beutel Frischfutter. Dann verschwanden beide wieder raus und legten sich aufs Schattendeck. Wo sie vermutlich die nächsten Monate wohnen werden.

Ausführliche Küchenrunde, der Liebste machte uns ein englisches Frühstück. Ein bisschen schreiben, kurzes letztes Gespräch mit der Nachbarin, die uns ein Bund Petersilie brachte und dann mit Mann und Teenager in zwei Wochen Caravan-Urlaub abfuhr. Draußen wurde es schon wieder warm und ich war ganz froh, dass wir nicht irgendwohin mit dem Auto fahren mussten.

Stattdessen Haushaltskram: Der Liebste ließ die Roboter im Erdgeschoss fahren und wischte hinterher, ich putzte ein bisschen in der Küche, ließ die Spülmaschine laufen, ging ausführlich duschen und putzte das Bad. Dann Wäsche sortieren, ich startete eine Maschine und machte uns eine Kanne Kaffee. Und dann nahm ich mir ein neues Buch und ging mehr oder weniger für den Rest des Tages aufs Schattendeck. Teilweise begleitet von den Katern, aber größtenteils nicht: Es wurden die angekündigten 30 Grad, und da verzogen sie sich lieber unter irgendwelche Büsche oder ins hohe Gras oder unter den alten Ziegenstall. Nachvollziehbar: Ich fand es auch sehr heiß.

Tagesgestaltung also lesen. Einmal unterbrochen von erster Maschine aufhängen, bügeln (noch drinnen im Wäschekeller aufgehängt, denn die Wärme würde die Sachen auf der Dachterrasse sicherlich hervorragend trocknen, aber dann wären die ganzen Kleider voller Pollen, was in diesem Allergikerhaushalt eine dämliche Idee ist), später zweiter Maschine starten und aufhängen, damit Wäsche erledigt. Und mittags ins Haus zum restlichen Nudelsalat und dazu einem angebratenen Seitan-Pseudohähnchen, das uns die Caravan-Nachbarin überlassen hatte (das MHD endete vor ihrem Urlaub und sie traute sich nicht, es länger liegen zu lassen).

Nachmittags leistete mir der Liebste ein bisschen Gesellschaft, mit einem Espresso und zwei Schreiben Mohnzopf, den ich am Vortag vom Bäcker geholt hatte. Ansonsten wie gesagt gelegentlich die Kater. Magi sah insgesamt wirklich gar nicht fit aus, bewegte sich sehr langsam, kam kaum den Sessel hoch oder runter. Ich fragte mich, ob er bei der Wärme überhaupt genug trinkt – normalerweise ist er ja ein Gartenteich-Trinker, aber da hatte ich ihn jetzt schon eine Weile nicht mehr gesehen. Ich holte ihm also ein Schüsselchen mit Schnurr, das ich mit ein wenig Wasser verdünnt hatte, und siehe da: Er leckte es eifrig auf. Als der Liebste das Gleiche später allerdings mit ein bisschen verdünnter Leberwurstpaste versuchen wollte, wurde nur noch das halbe Schüsselchen leergeleckt. Hm. Insgesamt immer noch ein Sorgenkater, auch wenn seine Augen (der Liebste wischte sie ihm mit etwas lauwarmem Salzwasser aus) deutlich besser aussehen.

Um kurz vor sechs hatte ich das Buch tatsächlich durchgelesen, in einem Rutsch. Es war mir während der Weiterbildung empfohlen worden: Mama, bitte lern Deutsch von Tahsim Durgun. Erst war ich so ein bisschen unschlüssig, ob ich es lesen wollte (es kam auch im eat.read.sleep-Podcast schon mal vor), weil irgendwie, ach ja, alles so ein bisschen zu nah bei der Arbeit, und außerdem macht mir die aktuelle Entwicklung in unserem Land sowieso schon genug zu schaffen, da möchte ich mich nicht noch mehr daran erinnern, wie beschissen alltagsrassistisch es hier zugeht.
Aber dann bestellte und las ich es doch, und was kann ich sagen: Es ist alles genauso beschissen oder noch mehr, und ich war sehr traurig danach, aber es ist gleichzeitig auch extrem witzig und ein bisschen hoffnungsvoll und ich war froh, es gelesen zu haben. Vor allem ist es nicht nur „halt eine Migrantengeschichte“, sondern – in erster Linie sogar – eine extrem berührende Liebeserklärung an die Mutter. Womit ich ja normalerweise gar nicht so viel anfangen kann, aber hier schon. Sehr große Empfehlung.

Mittlerweile war es Abend, aber immer noch warm, weswegen unsere Abendessensplanung schwierig war, die beinhaltete nämlich einen Ofen. Nun ja. Der Liebste sammelte erst einmal die Kater aus der Nachbarschaft ein und verteilte Medikamente (Magi fraß immerhin ein bisschen). Dann gemeinsames Kochen, ein Kartoffelgratin mit Lauch und Räuchertofu und dazu einen Spargelsalat, weil wir ja am Donnerstag im Supermarkt eine Tonne angemackten weißen Spargel per Fünf-Euro-Rettertüte quasi halb geschenkt bekommen hatten. Sehr, sehr gutes Essen. Dazu ein Glas Grauburgunder, und als Nachtisch Erdbeeren mit Quark.

Alles eigentlich super also, aber trotzdem war bei mir die Laune eher im Keller. Das Buch hallte noch ziemlich in mir nach, und dann ging es mir schon sehr nahe, dass Magi so in den Seilen hing und ich nicht wusste, ob wir uns mit „abwarten“ richtig verhielten. (Es ist halt auch immer SO typisch, dass eine akute Zustandsverschlechterung an einem langen Wochenende in den Ferien eintritt.) Eigentlich hatten wir überlegt, abends noch eine kleine Runde zu drehen (so ab halb neun, als die Temperaturen langsam wieder sanken), aber irgendwie war die Stimmung dafür nicht so da. Deshalb zogen wir uns einfach den restlichen Abend durchs Sternentor zurück. Gegen halb zehn ging der Liebste noch einmal raus und trug Magi nach drinnen, was dieser auch ganz gern mit sich geschehen ließ, drinnen noch einen Happen fraß und sich dann bei mir auf den Schoß legte. Und friedlich einpennte. (Der Nasenkater nebendran.) Das hob meine Laune dann wieder beträchtlich und ich ging um halb elf einigermaßen versöhnt ins Bett.