Genervt und gespielt, Freitag 12.6.2026

  • Beitrags-Kategorie:Tagebuch / Whiskey

Ganz okay geschlafen und sämtliche Anflüge von Arbeitsgedanken einigermaßen erfolgreich weggeschoben. (…noch zweieinhalb Wochen.) Immer noch saukalt und Regen draußen, sodass der Kater mich erst anmotzte, als ich ihn (auf seinen Wunsch) auf die Dachterrasse ließ, und dann noch einmal, als ich ihm (auf seinen Wunsch) die Balkontür öffnete. Klar, sind ja zwei verschiedene Stockwerke, da kann man schon unterschiedliches Wetter erwarten. Magi war das alles egal, er parkte sich nach dem Essen und einer Mini-Kontrollrunde im Garten gleich wieder auf dem Sofa. Für mich Tee und einmal durch Arbeitsunterlagen durchgegangen: Nachdem ich am Vorabend meinen Unterricht nicht hatte komplett vorbereiten können, hoffte ich jetzt auf noch etwas Material, das ich mitnehmen konnte. Steckte am Ende eine Auswahl in den Rucksack – mal schauen.

Müsli (mit Erdbeeren, die gibt es noch, trotz Regen), Schreiben, schnelle Dusche, dann ging ich um zwanzig vor neun aus dem Haus, bewaffnet mit roten Waldviertlern, Regenmantel und Schirm: Es regnete ausdauernd. Kam aber einigermaßen trocken im Büro an.
Dort erst einmal kurz Material gesichtet und den Unterricht finalisiert (klappte gut und war auch stimmig – irgendwann zahlt es sich halt doch aus, wenn man das seit 20 Jahren macht), dazu ein Blick in die Mails. Den restlichen Vormittag hatte ich eben Unterricht, online und in Präsenz, und so nett das war, so anstrengend fand ich es in dem Fall: Es gibt noch SO viel Zeugs zu tun, und der Unterricht ist halt schon zeitraubend. Was aber eigentlich bescheuert ist: Das sollte ja das Kerngeschäft sein und im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen (und ist auch das, wofür ich am besten qualifiziert bin und was ich am liebsten mache). Blöder administrativer Kram.

Nun ja. Zeugs bis zehn vor eins, dann packte ich meine Sachen und ging heim zum Liebsten und zum Mittagessen. Wenigstens hatte der Regen aufgehört.

Mittagspause mit restlichem Gemüsereis, danach Espresso und ein paar Pralinen, die wir ein paar Tage zuvor aus dem Supermarkt geholt hatten und die sich als leider überhaupt gar nicht gut erwiesen. Erstens waren sie furchtbar süß, zweitens recht lahm, und drittens mussten sie irgendwann mal falsch gelagert worden sein, sie waren grau angelaufen und halb geschmolzen. Nicht gerade das, was wir uns so vorgestellt hatten als entspannten Süßkram zum Espresso.
Aber wenigstens ein bisschen was für den Seelenfrieden: Wir haben wieder Spatzenbabys im Garten und konnten sie eifrig auf dem Balkon hüpfen sehen, auf die Eltern wartend, die ihnen Futter aus der Röhre holten und in die Schnäbel stopften, während sie aufgeregt mit den Flügeln flatterten und als kleine, runde Flaumkugeln herumhopsten. Gelegentlich auch mal selbst was vom Boden aufpickten und dann vor lauter Aufregung sofort wieder fallen ließen.

Schon in der Mittagspause hatte der Kollege aus Indien sich mit Neuigkeiten gemeldet, also ging ich um zwei an den Schreibtisch. Dort Arbeit bis zehn vor fünf: Dokumente für das Indienprojekt sichten, bearbeiten, Fehler korrigieren, Informationen rausgeben, anpassen. Weil (leider) der Haupt-Kommunikationskanal bei den Kolleg:innen in Indien WhatsApp ist und es mir schon länger furchtbar auf die Nerven geht, immer am Handy zu tippen (auch noch in zwei verschiedenen Sprachen), lud ich mir die App auf den Krümellaptop und synchronisierte sie mit meinem Handy. Das brauchte leider vier Anläufe und ein wenig Unterstützung von LeChat, dann ging es plötzlich. (Nachdem ich viermal mehr oder weniger das Gleiche gemacht hatte. Keine Ahnung.)

Das Indienprojekt war damit einen großen Schritt vorangekommen und ich ziemlich zufrieden. Leider zeitgleich sehr schlechte Nachrichten an einer anderen Baustelle, die mir etwas die Laune verdarben und ein großes Fragezeichen an ein paar weitere strategische Entwicklungen machen. Und die mich auch ehrlich gesagt etwas ärgerten. Aber ich hatte keine Lust mehr, weiter darauf einzusteigen, zumal ich ab jetzt wirklich nicht mehr die richtige Ansprechpartnerin bin: Ich eskalierte das Ganze an die Geschäftsleitung. Jetzt werden wir nächste Woche sehen, wie es weitergeht.

Um zehn vor fünf (natürlich war kurz vor knapp noch ein Anruf gekommen) hektikte ich etwas verspätet aus dem Haus und wieder ins Büro. Nicht zum Arbeiten (obwohl ich eigentlich noch locker eine Stunde was hätte machen sollen – unter anderem war mal wieder der Unterricht für Montag nicht vorbereitet, seufz), sondern zum Yogakurs. Keine Ahnung, wie lang ich nicht mehr im Yoga war. (…ab Juli wird alles, alles besser.)
Nun ja. Das merkte man natürlich auch. Zusätzlich zu genereller Steifheit und Gelenkschmerzen und allem tat mir auch wieder ganz akut die linke Achillessehne furchtbar weh – es war kaum ein Hund möglich. In Anbetracht dieses Kontexts ging dann eigentlich doch ganz schön viel. War halt mühsam. Aber gut.

Freitagnacht Datumsnacht, deshalb holte der Liebste mich nach dem Yoga ab, mit Schirm bewaffnet (wir hatten aber Glück und blieben bis auf wenige Tropfen trocken.) Wir gingen zum Asiaten in der Wilhelmstraße, wo wir davon überrascht wurden, dass es fast komplett voll war. Gerade noch ein letzter Platz für uns. Freut uns natürlich.
Ich hatte keine Lust auf meine üblichen Pilze mit Tofu, sondern wollte „mal was Anderes“ probieren, und bestellte deshalb Tofu und Gemüse aus der „sehr, sehr scharf!!“-Sektion. Es ging mir ja schon häufig so, dass ich bei „sehr scharf“ dachte, naja, ein bisschen Sambal Oelek passt da schon noch drauf, deshalb war ich gespannt, ob das jetzt tatsächlich außerhalb meiner Komfortzone liegen würde. Kurz gefasst: ja, schon. Zwar sehr lecker, aber so ungefähr nach einem Drittel wurde mir die Schärfe zu viel. Natürlich aß ich alles tapfer auf, aber es war doch eine ganze Ecke über meinem Limit. Aber schon sehr gut.

Nach dem Essen mäanderten wir noch ein bisschen durch die Stadt – der Abend hatte sich zu einem trockenen, milden Frühlingsabend entwickelt, dementsprechend war die Stadt voll mit gut gelaunten Leuten – und landeten schließlich in einer Altstadtkneipe, dem Boulanger, der unter anderem eine gute Whiskyauswahl hat. Dort blieben wir die nächsten anderthalb Stunden, mit einem Fingerbreit Oban für mich (SO gut), einem rauchigen Laphroaig für den Liebsten, ein paar Chips und als Abschuss einem Espresso. Und ein paar Runden Backgammon, denn bei dem Kneipenbrett fehlten zwar leider die Würfel, aber ich lud mir eine Würfel-App aufs Handy. Das ist mal eine praktische Spieleanwendung.

Kurz vor zehn daheim. Wir trugen die Katzen aus dem Garten (es ist mir egal, dass der Regen aufgehört hat und sie sich eigentlich als Draußenkatzen sehen) und schauten noch eine Folge Stargate. Damit war die Laune wieder so einigermaßen okay – natürlich nicht komplett, weil die Baustellen ja noch da sind. Aber genug, um jetzt erst einmal ins Wochenende zu gleiten.